151: Der Große Plan war das Herz von Celle

Zeitzeugen erinnern sich an den Großen Plan in Celle in früheren Tagen.

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CELLE. Einmal pro Monat ging es in den 1930er Jahren auf Einkaufstour in die Innenstadt. Daran erinnert sich Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) noch genau. „Mit der Elektrischen bin ich mit meiner Mutter und Großmutter bis zu der Station auf dem Großen Plan gefahren“, erzählt der Zeitzeuge. Nachdem die Straßenbahn auf dem Platz gehalten hatte, war der erste Anlaufpunkt stets Huth´s. „Meine Großmutter hat damals die Bahnhofswirtschaft betrieben und hat bei Huth´s Kaffee bestellt, dieser wurde dann am nächsten Tag geliefert“, berichtet Peterson. „Die Dielen knarrten damals schon genauso wie heute. Die Registrierkasse gab es auch schon.“

War der Kaffee bestellt, ging es weiter zum Bekleidungsgeschäft „Obendorf & Hübel“ im Nachbarhaus. „Dort bin ich als Bub oft eingekleidet worden“, erzählt Rudolf Peterson. Er ging dort besonders gerne hin, denn für die Kinder gab es kleine Märchen-Büchlein. Der Senior hat heute noch drei Hefte zu Hause. Gegenüber verkaufte Stampe Schuhe. „Die hatten ein Röntgengerät, man konnte sehen, wo die Zehenspitzen im Schuh waren“, erzählt der Zeitzeuge, der auf dem Bild auch das große Karstadt-Gebäude erkannt hat. „Im zweiten Stock war damals eine große Spielzeugabteilung“, erinnert sich Peterson. „In der Weihnachtszeit konnte man dort eine Eisenbahnanlage bewundern.“ Außerdem habe es dort damals Fahrstuhlführer in Uniform gegeben.

Bevor sie bei der Stadtsparkasse arbeitete, lernte Ilse Frede (Jahrgang 1937) den Beruf der Schaufenstergestalterin bei Karstadt. „Damals sind öfter mal Lkws im Schaufenster gelandet“, berichtet sie. Als sie später bei der Sparkasse in der Abteilung Werbung angestellt war, bekam sie zu ihrem 37. Geburtstag ein besonderes Geschenk, das sie noch heute in ihrem Besitz hat. Ihr Kollege Hans-Fr. Willke übergab ihr ein Fotobuch mit dem Titel „Markttag auf dem Großen Plan“. Darin befindet sich auch ein Ausschnitt aus der Celleschen Zeitung vom 11. September 1974, in dem über den Preisdurchschnitt auf dem Wochenmarkt berichtet wird. Ein Pfund Kartoffeln gab es damals ab 20 Pfennig, Weintrauben ab 100 Pfennig oder Suppenhühner ab 125 Pfennig. Ilse Frede erinnert sich gerne an das Markttreiben auf dem Großen Plan – noch heute hängt in ihrem Flur ein Panoramabild, das den Wochenmarkt auf dem Platz zeigt.

Am Großen Plan 4 machte Rudolf Pieper (Jahrgang 1928) von 1943 bis 1947 eine Lehre bei Kupferschmied Hartwig. „Mein Chef war Rudolf Hartwig, sein Sohn Kurt war später Stadtbrandmeister“, erzählt der heutige Scheuener. „Der Eingang war in der Nische rechts neben dem heutigen Rauchwarenladen neben der Sparkasse. Wir haben unter anderem viel Rotguss für die OHE-Dampfloks fabriziert.“ Das ist der Grund, warum auch Hermann Timme (Jahrgang 1928) gleich die Kupferschmiede in den Sinn kam, als er das Bild sah. „Die Kuppelstange für die Dampflok wurde da gegossen und ich musste sie da wegholen“, erzählt der Lokomotivführer, der sich auch noch an das Musikhaus Uppmann gegenüber erinnert. „Für eine neue Schallplatte musste man zwei alte bringen“, erzählt der Zeitzeuge. „Für die Capri-Fischer von Rudi Schuricke musste man sogar vier alte Schallplatten bringen.“ Timme sah den Schlagerstar auch zweimal live in der Union. „Die Capri-Fischer hat er beide Male als Zugabe gespielt“, erzählt Timme, der sich wie Peterson und Hänschen Röling (Jahrgang 1940) auch an Auto Meyer links neben der Dresdner Bank erinnert: „Davor gab es eine Tankstelle“, sagen alle unisono.

Hänschen Röling erinnert sich auch an das Hutgeschäft Beckmann, den rechten Nachbarn der Dresdner Bank. „Das Geschäft verkaufte auch Orden und Schützensachen. Da ich bei meinen Schulkameraden glänzen wollte, habe ich mir zwei Orden gekauft und damit angegeben“, gibt Röling 65 Jahre später zu. Im daneben stehenden Lisa-Korspeter-Haus sei ein Friseur gewesen, daneben Pelzgeschäft Höpper. „Der hatte zwei hübsche Töchter, die Stammgast beim Tanztee in der Union waren“, erzählt Röling. Rudolf Peterson erinnert sich auch an das Pelzgeschäft: „Bei dem Kürschner habe ich mal einen Maulwurf abgegeben, den ich gefangen hatte – dafür bekam ich einen Groschen.“

Bei Leder Dallmann begann Renate Büning (Jahrgang 1944) im Jahr 1960 ihre Lehre. „Gegenüber von Karstadt war damals das Fischgeschäft Pflüger. Da habe ich oft belegte Brötchen geholt“, berichtet die Frau. An anderen Tagen habe sie bei Café Kies einen Platz für ihre Chefin freihalten müssen. „Gegenüber von Dallmann gab es außerdem ein Fotogeschäft Hayndel & Bogner, da habe ich mal Bilder machen lassen – ein paar Tage später hingen sie im Schaufenster“, erzählt Renate Büning stolz. „In den 1960er Jahren war der Große Plan das, was heute die Zöllnerstraße ist.“ Oder wie es Hermann Timme sagt: „Der Große Plan war das Herz von Celle.“

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 14.07.2017 um 15:13 Uhr
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