Celler OLG-Präsident Peter Götz von Olenhusen geht in Ruhestand

Das Bürgerliche Gesetzbuch wird er wohl künftig nicht mehr aufschlagen: Peter Götz von Olenhusen beendet seine aktive Laufbahn. Foto: Carsten Richter (2)

Es war der 21. April 2006, als Peter Götz von Olenhusen zum neuen Präsidenten des Oberlandesgerichts (OLG) Celle ernannt wurde. Seitdem leitet der gebürtige Göttinger die Justizbehörde. Gleichzeitig markierte dieser Tag den Beginn des Höhepunkts seiner Karriere. Seit 1982 ist er in der niedersächsischen Justiz tätig. Zum 31. Juli beendet Götz von Olenhusen seine aktive Laufbahn und geht in den Ruhestand. Im CZ-Gespräch blickt der 65-Jährige auf seine Zeit in Celle zurück und berichtet, was sich künftig in der Justiz ändern wird.

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Herr Götz von Olenhusen, was bedeutet für Sie Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit zu definieren, haben schon etliche Rechtsphilosophen versucht. Für mich als Richter ist Gerechtigkeit ein täglicher Auftrag. Gerecht ist, ein für beide Seiten faires Verfahren zu erreichen. Für ein gerechtes Ergebnis darf man aber nicht nur auf den Verstand, sondern muss auch auf sein Herz hören.

Warum haben Sie vor vielen Jahren den Beruf des Juristen ergriffen?

Mein Vater hat mir empfohlen, Jura zu studieren.

Ihr Vater war auch Jurist?

Mein Vater war Landwirt. Ich habe ganz richtig gelegen, seinem Rat zu folgen. Obwohl damals – das ist 45 Jahre her – die Parole ausgerufen wurde, es gebe zu viele Juristen. Das hat sich als Irrtum erwiesen. Damals wie heute. Die Gesellschaft braucht Juristen. Als Referendar hatte ich Ausbilder, die mir ein sehr gutes Vorbild waren. Einmal Präsident am OLG in Celle zu werden, war damals nicht mein Ziel (lacht). Ich wollte ein guter Richter werden.

Sie waren Anfang der 90er Jahre schon einmal fünf Jahre als Richter am OLG Celle tätig. Was war damals Ihr erster Fall?

Daran kann ich mich gut erinnern. Das war ein schwieriger Bauprozess. Dieser Fall war insofern lehrreich, als man in der Auswahl eines Sachverständigen sehr sorgfältig sein muss.

Haben Sie ein Spezialgebiet?

In Celle gibt es einen Senat für Pferderecht und Tierarzthaftung. Das ist ein kleines Spezialgebiet, aber für Niedersachsen als Pferdeland sehr wichtig. Ich war früher selbst Reiter, daher liegt mir das sehr am Herzen.

Ihr schwierigster Fall?

Der schwierigste Fall für Richter ist der, der einem Gewissensbisse macht, nicht etwa rechtliche Dogmatik. In meiner Laufbahn waren auch die strafrechtlichen Fälle, zum Beispiel von Misshandlungen in Familien, schwierig.

Wie gehen Sie mit solchen Fällen um?

Es gibt Kollegen, mit denen man sich als Richter austauschen kann. Das hilft bei der Bewältigung schwieriger Fälle.

Was mögen Sie an Celle?

Die Stadt ist mir schon beim ersten Umzug ans Herz gewachsen. Man lernt hier sehr schnell Menschen kennen und trifft sie dann auf Veranstaltungen oder bei Einkäufen wieder. Das ist ein großer Vorzug.

Mediation, die außergerichtliche Beilegung von Streitfällen, ist Ihr Steckenpferd, das Sie in Celle stärken wollten. Macht das nicht die Richter überflüssig?

Auf keinen Fall. Mediation kann nur einen Teil der Konflikte lösen. Es ist aber ein sehr gutes Angebot für die Parteien und eine Möglichkeit, deren wirkliches Interesse herauszubekommen. Seit zehn Jahren haben wir in Celle eine Mediationsabteilung. Wir haben viele Einigungen durch Mediationen erzielen können – mehr als 100 pro Jahr. Das erfordert aber die Bereitschaft aller Beteiligten.

Worauf muss sich die Justiz künftig einstellen?

Wir stehen vor einem enormen Umbruch durch die elektronische Akte. Hier sind wir erst am Beginn der Entwicklung. Die technische Bearbeitung von Fällen durch künstliche Intelligenz wird der nächste Schritt sein. Aber das ist noch eine Zukunftsvision.

Noch steht nicht fest, wer Ihr Nachfolger/Ihre Nachfolgerin wird. Was wünschen Sie ihm oder ihr?

Den Standort Celle zu festigen und nach außen zu vertreten, war immer mein Ziel. Gleichzeitig müsste die Kooperation mit den Oberlandesgerichten in Braunschweig und Oldenburg verstärkt werden. Zusammen können wir mehr erreichen.

Mit Beginn Ihres Ruhestandes werden Sie zurück in die Nähe von Göttingen ziehen. Was wird Ihre letzte Amtshandlung sein?

Bestimmt werde ich noch eine Urkunde zu einem Dienstjubiläum unterschreiben (lacht).

Und danach? Was sind Ihre Pläne?

Auf mich wartet eine große Familie. Ich freue mich aber auch schon auf ehrenamtliche Engagements, im südniedersächsischen Landschaftsverband und bei den Johannitern.

Carsten Richter Autor: Carsten Richter, am 14.07.2017 um 15:37 Uhr
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