Faßberger fuhr mit Beatles beschwingt zur Arbeit

Gerhard Kirchner zeigt stolz sein erstes (hinten) sowie sein aktuelles Fahrrad. Das Kofferradio hat es auf die selbstgebaute Halterung an seinem Lenker gebaut. Foto: Christina Matthies

Gerhard Kirchner hat sich früher täglich das Kofferradio an den Lenker geschnallt und hörte auf dem Weg zur Arbeit Beatles, Stones & Co. Heute fährt er locker bis zu 100 Kilometer in der Woche.

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FASSBERG. Rechteckig, braun und ungefähr so groß wie eine Zigarrenkiste – so steht es auf dem Gartentisch, das alte Kofferradio von Gerhard Kirchner. „Das hab ich auf die selbst gebaute Halterung an meinem Lenker geschnallt, und bin damit jeden Tag die zwölf Kilometer bis zu meinem Ausbildungsbetrieb geradelt“, erinnert sich der Faßberger schmunzelnd. 1963 war das, Kirchner hatte gerade seine Lehre zum Elektro-Einzelhandelskaufmann in Hermannsburg begonnen – und versüßte sich das tägliche Radfahren zur Arbeit mit den Klängen des Mittelwelle-Senders Radio Luxemburg. „Beatles, Stones & Co – das war damals der Renner.“

Schon als kleiner Junge sei er gerne Fahrrad gefahren, erzählt der 69-Jährige. „Mit acht, neun Jahren habe ich angefangen, hier in Faßberg Zeitungen auszutragen – damals noch mit einem uralten Rad.“ Mit 14 dann hatte Kirchner genug zusammengespart, um sich ein neues Fahrrad zu kaufen. „Es war ein Modell von Quelle, das Fabrikat hieß Mars“, sagt er – und weiß es deshalb so genau, weil der alte Drahtesel auch heute noch einen Ehrenplatz in seiner Garage hat.

Kaum stand das neue Fahrrad vor der Tür, packte Kirchner die Abenteuerlust: Mit Schulfreund Ferdi ging es in den Sommerferien auf große Tour bis hinunter nach Süddeutschland. Marburg, Gießen, Worms und Fulda: Nur einige der Stationen, die die beiden Jugendlichen damals per Fahrrad angesteuert haben. „In 15 Tagen sind wir rund 1.300 Kilometer gefahren – das ist schon ein ganz ordentlicher Tagesschnitt“, meint der Faßberger. „Wir schliefen in Jugendherbergen und bei Verwandten, und ich weiß noch genau, dass ich mir zur Erinnerung in jedem Ort eine Ansichtskarte mitgenommen habe – 1962 waren Fotoapparate auf Reisen ja eher noch die Ausnahme.“

Gellenhausen in Hessen blieb Kirchner dabei ganz besonders gut im Gedächtnis: „Ferdi und ich waren mal kurz im Busch verschwunden, und hatten die Räder am Straßenrand abgestellt, da schepperte es plötzlich“, berichtet er. „Ein Autofahrer hatte mein Fahrrad angefahren, und ist dann einfach abgehauen. Glücklicherweise wurden aber nur das Schutzblech und das Rücklicht beschädigt.“ Das Fahrrad „überlebte“ also, und leistete später nicht nur Gerhard Kirchner, sondern auch seinem Vater gute Dienste. Durch Bundeswehrzeit, Heirat, Kinder und die berufliche Selbstständigkeit sei das Fahrradfahren in Kirchners Leben eine Zeit lang ein wenig in den Hintergrund getreten, gesteht der 69-Jährige. „In der Zeit hat mein Vater das Rad benutzt, um zur Arbeit auf den Fliegerhorst oder auch mal zum Einkaufen zu fahren.“

2009 – zu Kirchners 61. Geburtstag – wurde der betagte Drahtesel dann aufs wohlverdiente Altenteil befördert. „Ich durfte mir ein neues Fahrrad aussuchen – das hatte meine Frau organisiert.“ Die Wahl sei auf ein Trekking-Rad mit Acht-Gang-Nabenschaltung gefallen. „Mattblau“, fügt Kirchner stolz hinzu, der wöchentlich locker bis zu 100 Kilometer mit dem Rad zurücklegt. Ob zum Bäcker nach Müden, zum Wochenmarkt nach Hermannsburg oder zum Einkaufen nach Munster: „Ich finde, für die paar Kilometer muss man sein Auto nicht anschmeißen.“

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 14.07.2017 um 16:22 Uhr
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