Erste Kreisberegnungsanlage im Celler Land installiert

„Gut – läuft!“, rufen sich Marcel Schlöter und Sebastian Meyer zu. Die Servicemitarbeiter eines Altenceller Unternehmens prüfen noch einmal den Wasserfluss der 119 unterschiedlichen Düsen der soeben installierten 260 Meter langen Kreisberegnungsanlage: Wie bei einem Sprühregen wird das Wasser über dem Rübenacker von Henning Schütze in kleinen und kleinsten Tröpfchen verteilt.

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HABIGHORST. „So nehmen die Pflanzen das Wasser viel besser auf, als wenn es durch die normale Beregnung auf die Blätter prasselt. Das ist viel schonender“, erläutert Schütze seine neue Anlage. Aus einem einzigen zentralen Tiefbrunnen wird das Wasser elektrisch in die Beregnung gepumpt, die sich mit der gesamten Länge von 260 Metern kreisförmig um die Wasserstelle dreht. Heute 330 Grad hin und morgen 330 Grad wieder zurück. Das ist dann ein Durchmesser von 520 Metern. Ungefähr acht Millimeter Niederschlag pro Tag sind in dem Computer eingegeben – variabel, je nach Bedarf.

Landwirt Schütze stellt am Computer zudem die genauen Gradzahlen des Kreises ein, in dem beregnet werden soll, und ergänzt die Ackerüberhänge, die in den weitergehenden Spitzen durch Endregner zusätzlich Wasser erhalten sollen. Auf seinem Smartphone kontrolliert er von zu Hause oder auch von jedem Ort den genauen Verlauf der Beregnung. „Das geht alles per App recht unproblematisch.“

Voraussetzung für die Anlage ist ein entsprechend großer und gut geschnittener Ackerschlag, in dessen Mitte der Tiefbrunnen geschaffen werden kann. „Da bietet sich diese Fläche einfach an“, deutet Schütze mit dem Zeigefinger auf die Grenzen der 25 Hektar großen Fläche am Rande von Habighorst. „Das passt genau – das ist unser Glück.“ Theoretisch müsse Schütze nun nicht mehr direkt an der Ackerfläche sein: Er sieht auf dem Handydisplay, wie die Beregnung funktioniert und welche Fläche bereits beregnet wurde. Auf dem Gerät sind Angaben zu Stromspannung, Status, Diagnose und Tiefe präzise ablesbar.

70.000 Euro hat der Landwirt in die Hand genommen, um in die Anlage zu investieren. Bisher musste er seine Trommelberegnungen bei voller Auslastung täglich einmal um die Breite von 80 Metern verschieben. Insgesamt hat Schütze 15 Trommeln im Einsatz – abhängig von der Fruchtfolge. „Das ist immer sehr viel Arbeit und bindet Kräfte“, zieht Schütze eine Bilanz. „Und das, obwohl wir fast alle Beregnungen schon auf Strom umgestellt haben und nicht mehr Dieselaggregate verwenden.“ So konnten eine gewisse Zeitersparnis und Energiereduzierung registriert sowie zunehmendem Diesel-Diebstahl Paroli geboten werden. „Das ist das Mittel der Wahl für einen Großteil meiner Flächen.“

Die Frage, ob beregnet werden muss oder nicht, beantwortet sich Henning Schütze trotz aller computergestützten Anlagen selbst: „Mein Gerät ist der Spaten: Da kann ich den Bedarf am besten sehen, indem ich ein rund 30 Zentimeter tiefes Loch in den Acker grabe.“ Denn, das verdeutlicht Schütze, die Kartoffeln, die er an die Chipsfabrik liefert, müssen Normkriterien erfüllen und ein Maß einhalten: „Die Kartoffeln müssen mangelfrei durchwachsen.“ Insofern sei die Beregnung für den Ertrag wichtig und für die Qualität entscheidend. „Ich liefere ein genormtes Produkt. Das ist in der Landwirtschaft wahrlich nicht einfach: Das sind ganz harte Regeln.“

Es ist die erste Anlage dieser Art im Landkreis Celle. Doch woanders gebe es solche Beregnungen bereits, weiß Martin Albers, Geschäftsführer des Landvolks Celle. Im Nachbarkreis Uelzen zum Beispiel oder in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. „Da sind die einzelnen Flächen viel größer und machen diese Beregnungsanlagen wirtschaftlich.“ Hier in Habighorst steht jetzt die siebzehnte Anlage in Niedersachsen, durchschnittlich werden rund 20 Kreisberegnungen pro Jahr in Deutschland installiert.

Die Idee dazu hat Schütze während eines Aufenthaltes in Namibia bekommen. Ihm sei sehr daran gelegen, möglichst energiesparend zu wirtschaften. „Durch diese Anlage wird das Wasser energiesparend und effizient eingesetzt“, sagt er.

Für rund 25 Jahre habe sich der Betrieb jetzt auf dieses System festgelegt. „Davon hängt viel für uns ab“, verdeutlicht Schütze die finanzielle Situation. „Ich möchte gerne noch weitere Kreise aufbauen. Bei der hohen Investitionssumme muss es sicher funktionieren.“ Sein vorläufiges Fazit: „Seither klappt es sehr gut. So kann ich mir die Beregnung auch künftig gut vorstellen.“

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 14.07.2017 um 17:01 Uhr
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von PFÜTZNER_A (Annegret Pfützner), am 16.07.2017 17:52:07

"Effizienter Sprühnebel

Die Investition in eine effiziente Beregnungstechnik soll für einen sparsamen Einsatz des wertvollen Wassers sorgen. Dieser Artikel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass bislang ein Anreiz für einen sparsamen Umgang mit Grundwasser fehlt.
Die Ausbeutung des Allgemeinguts Wasser durch die Feldberegnung kann nur stattfinden, weil diese existentiell wichtige Ressource nahezu kostenlos der Landwirtschaft verfügbar gemacht wird. Dreiviertel der Beregnungskosten sind Energiekosten mit etwa 600 Watt bzw. 0,6 kWh pro m³. Hinzu kommen Reparatur, Arbeit, Schlepper und Abschreibung. Das führt zu 0,18€ pro 1000 Liter Grundwasser. 800 m³ sind pro Hektar und Jahr erlaubt. (Zahlen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen)
Unter diesen Rahmenbedingungen führt Feldberegnung zum Raubbau an der Ressource Wasser, die angesichts des Klimawandels nicht weiterhin in dem Maße ausgebeutet werden darf. Während der Sommerhitze wird sogar vermehrt beregnet, wo ohnehin alte Bäume und bei Niedrigwasser die Wasserlebewesen leiden. Ein sparsamer Umgang ist wichtig. Die Natur wird eine Rechnung schicken."

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