Elektrozaun kein Hindernis für Wolf: Vier Schafe nachts im Kiehnmoor getötet

Experten gingen bislang davon aus, dass sich der Wolf unter Elektrozäunen hindurch gräbt, um seine Beute zu machen. Vier tote Schafe in einem Nachtpferch bei Schmarbeck lassen jedoch darauf schließen, dass das Raubtier auch einfach drüber springen kann.

SCHMARBECK. Peter Hinnerk Tewes hatte schon extra aufgerüstet. In einem mobilen Nachtpferch, einer nächtlichen Einzäunung, schützt der Heidschnuckenzüchter aus Schmarbeck die rund 900 Tiere seiner Herde mit einem 1,20 Meter hohen Elektrozaun und einer Spannung von 5000 Volt vor Wolfsangriffen. "Da ist nachweislich kein Durchkommen. Wenn ein Wolf einmal den Zaun berührt, macht er das nie wieder", sagt Tewes. Experten gingen bisher ebenfalls davon aus, dass der Wolf sich unter Zäunen hindurch gräbt, um sie zu überwinden und an Beute zu kommen. Am vergangenen Wochenende musste Tewes dann aber feststellen, dass vier Schafe aus seiner Herde in dem Nachtpferch getötet worden waren – und der Zaun vollkommen unbeschädigt war. Für ihn gibt es dafür nur eine Erklärung. "Es kann nicht anders sein: Der Wolf ist über den Zaun gesprungen", sagt Tewes. Löcher und Spuren im Boden gab es nämlich keine.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag waren die weiblichen Zuchttiere in dem Nachtpferch im Kiehnmoor getötet worden. "Drei der Schafe wurden durch einen Kehlbiss getötet, das vierte Schaf wurde von dem Wolf fast komplett aufgefressen", sagt Volkhard Pohlmann. Der aus Groß Hehlen stammende Wolfsberater sah sich am Samstag gemeinsam mit Tewes die toten Tiere und den Zaun ganz genau an. "An dem Zaun gab es keine Spuren. Er hat Strom geführt und war in einem optimalen Zustand. Auch an der Erde war nichts zu sehen", sagt Pohlmann. Auch für ihn stehe fest, dass der Wolf über den Zaun gesprungen sei. "Das ist eine ganz neue Qualität", sagt er mit Blick auf den Angriff auf die Herdentiere. Pohlmann hat den Vorfall an das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gemeldet.

Dem Wolfsbüro ist bekannt, dass eine Wölfin (Barnstorfer Fähe) mehrfach sogenannte Grundschutzzäune mit einer Höhe von 90 Zentimetern überwunden haben soll. "Rein physisch ist das Überspringen eines Zaunes dieser Höhe für einen erwachsenen Wolf durchaus möglich. Allerdings ist es nicht die Regel", teilte das Wolfsbüro auf Nachfrage mit.

Bereits in der Nacht zuvor war ein Lamm von Tewes in dem Nachtpferch in der Schmarbecker Heide getötet worden. Auch hier war laut Züchter der 1,05 Meter hohe Zaun am Tag danach vollkommen unbeschädigt. "Er hat genug Strom geführt und am Boden gab es keine Spuren", sagt er. "Auch hier muss der Wolf über den Zaun gesprungen sein."

Tewes macht sich nun große Sorgen um seine Heidschnuckenherde. "Was machen wir, wenn der Zaun als Schutz der Tiere vor dem Wolf offenbar nicht mehr reicht?", fragt er. "Wir haben einen Punkt erreicht, an dem die Tiere nicht mehr sicher sind. Wenn nichts passiert, wird der Wolf wieder kommen."

Carl Wilhelm Kuhlmann fordert Konsequenzen von der Politik. "Es muss etwas getan werden, wenn erwiesen ist, dass Wölfe über Zäune springen", sagt der Heidschnuckenzüchter aus Niederohe. Und der Vorsitzende des Verbandes Lüneburger Heidschnuckenzüchter geht sogar noch einen Schritt weiter. Wenn klar ist, welcher Wolf es war, muss das Tier entnommen werden. "Diese Wölfe müssen entnommen werden und ich bitte Sie, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen", schrieb er in einer Email an Almut Kottwitz, niedersächsische Staatssekretärin für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Mit ihr hatte sich Kuhlmann bei der Bockauktion in Müden am Donnerstag nach eigener Angabe ausführlich über den Herdenschutz unterhalten. Entnahme bedeutet die behördlich angeordnete Tötung des Tieres.

"Wurde ein wolfsabweisender Grundschutz überwunden, muss zunächst geklärt werden, ob dieser zum Zeitpunkt des Vorfalls tatsächlich funktionsfähig war, also ausreichend hohe Stromspannung auf sämtlichen stromführenden Drähten lag und dass er nicht untergraben oder unterschlüpft werden konnte", antwortete Kottwitz. "Erst wenn diese Fragen positiv beantwortet werden können, kann angenommen werden, dass tatsächlich der Grundschutz überwunden wurde. Ist das bei einem Tier mehrfach der Fall, könnten ausreichend Ausnahmetatbestände vorliegen, die eine Entnahme rechtlich rechtfertigen."

Wölfe seien ausgezeichnete Raubtiere, die sich in ihrem Jagdverhalten schnell anpassen, sagt Kuhlmann. "Wenn sie sich paaren und ein Rudel bilden, geben sie die Erkenntnis schnell an die anderen Tiere weiter", sagt der Heidschnuckenzüchter. Wenn das Problem nicht schnell gelöst werde, würde dies für die Tiere und damit auch die Landschaftspflege in der Heide große Probleme bedeuten. "Dann können wir unsere Tiere nicht mehr draußen halten."

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 17.07.2017 um 20:51 Uhr
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