Celler Claas Osterloh will junge Wähler an die Urne bringen

Claas Osterloh aus Altenhagen wünscht sich von den politischen Parteien mehr Bürgernähe. Foto: Alex Sorokin

Auslandsreisen, Staatsgäste empfangen, lange Kabinettssitzungen – das alles gehört zum Berufsalltag eines Bundeskanzlers. Der Job ist kein Zuckerschlecken, doch in Celle gibt es einen jungen Mann, der es wissen will. Sein Name ist Claas Osterloh und er hat eine Mission: Er will „Deutschlands nächster Bundeskanzler“ werden.

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ALTENHAGEN. Was jetzt ein wenig hochtrabend klingen mag, ist in Wirklichkeit ein Ansatz, um junge Leute an die Wahlurne zu bringen. Fakt ist, dass die Beteiligung der jungen Generation an Wahlen im Vergleich zu älteren Menschen deutlich geringer ist. Das hat auch der Verband „Die jungen Unternehmer“ erkannt, der im Vorfeld der Bundestagswahl im September einen großen Wettbewerb gestartet hat – eben unter dem Motto „Germanys Next Bundeskanzler“. Mitmachen können Erst- und Zweitwähler von 18 bis 25 Jahren. Wer dann am Ende ein Stipendium im Wert von 10.000 Euro gewinnt, entscheidet eine Jury, in der unter anderem der Journalist Nikolaus Blome und der Youtuber LeFloid sitzen.

Osterloh ist dem Aufruf gefolgt. Wie seine Mitbewerber, hat sich der 19-Jährige aus Altenhagen mit einer ersten Videobotschaft im Internet zur Wahl gestellt. Die Online-Community entscheidet, wen sie wählen würde. Die alles entscheidende Frage dabei: Was wäre meine erste Amtshandlung als Bundeskanzler? Hier hat Osterloh eine klare Vision. „Die Parteien sollen unabhängiger und bürgernäher werden“, sagt er. „Wir brauchen Politiker, die mit den Bürgern auf Augenhöhe sind.“ Dazu gehört für ihn die deutliche Trennung von Wirtschaft und Politik. Osterloh fordert von Politikern die Offenlegung aller Lobbykontakte. „Wichtige Entscheidungen in der Politik werden zu sehr von der Wirtschaft beeinflusst. Dabei wird häufig nicht sachlich argumentiert.“ Firmen- und Privatspenden an die Politik müssen begrenzt werden, sagt er.

Osterloh hat mit seinen 19 Lenzen schon einige Jahre Erfahrung in der Politik. Mit 14 ist er den Freien Wählern beigetreten. Mitglied in einer der großen Parteien zu sein, kam für ihn aus den genannten Gründen nie in Frage. Bei der jüngsten Kommunalwahl trat er für die Wählergemeinschaft Celle an und im September kandidiert er für die Freien Wähler in Hannover für den Bundestag.

Dort studiert Osterloh im zweiten Semester Wirtschaftswissenschaften. Er will eben beide Seiten kennenlernen, Wirtschaft und Politik. Vom Wirtschaftsstudium verspricht er sich berufliche Sicherheit. „Später in die Politik zu gehen, ist aber nach wie vor eine Option“, sagt er. Sich so früh in einer Partei zu engagieren, hat ihm am Hermann-Billung-Gymnasium, wo er im vergangenen Jahr sein Abitur machte, anfangs schon einige ungläubige Blicke seiner Mitschüler eingebracht. „Nur wenige waren in der Politik. Mein Engagement wurde da schon zu einem Running Gag. Doch damit kann ich gut leben“, sagt Osterloh selbstbewusst und lacht.

Inzwischen hat der Celler schon auf Parteitagen Reden gehalten. Nebenbei macht er eine Gesangsausbildung und engagiert sich in der Kirche. Tauchen, Tanzen und Beatboxing sind seine weiteren Hobbys. Dazu kommt aktuell der Bundestagswahlkampf – und zur Zeit ist der Student in der heißen Prüfungsphase.

Doch Osterloh ist der Stress nicht anzumerken. Dabei geht es auch mit dem Kanzler-Wettbewerb flott weiter. Die zweite von drei geforderten Videobotschaften musste vor wenigen Tagen fertig gestellt, vertont, geschnitten und im Internet hochgeladen werden. Unterstützung bekommt Osterloh von seinem Vater. „Er war mein Kameramann und hatte auch sonst viele Ideen“, erzählt er.

Nach dem dritten Video werden die fünf Kandidaten mit den meisten Stimmen vom 30. August bis 1. September nach Berlin eingeladen, wo sie rhetorisch und medial für die Politik fit gemacht werden. Dazu zählt, eine Rede vor vielen Zuhörern zu halten oder schwierige Aufgaben im Straßenwahlkampf zu meistern. Für Osterloh ja kein ganz unbekanntes Terrain. Und nebenbei kann er in der Hauptstadt schon mal ein wenig „Kanzler-Luft“ schnuppern.

Carsten Richter Autor: Carsten Richter, am 18.07.2017 um 16:47 Uhr
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