CDU-Abgeordneter will Schutzstatus des Wolfes senken

"Es kann nicht sein, dass die Wölfe hier tun dürfen, was sie wollen": CDU-Politiker Henning Otto will härtere Maßnahmen. Foto: Patrick Schulze

Nach dem nächtlichen Wolfsangriff auf eine Heidschnuckenherde im Kiehnmoor bei Faßberg fordert die Politik scharfe Konsequenzen. "Es kann nicht sein, dass die Wölfe hier tun dürfen, was sie wollen. Sollte ein Wolf gelernt haben, vermeintlich wolfssichere Weidezäune zu überspringen, dann muss das Tier umgehend entnommen werden", fordert der Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) aus Eversen. In der Nacht zu Freitag war das Raubtier über einen 120 Zentimeter hohen Elektrozaun mit 5000 Volt gesprungen und hatte im Nachtpferch vier Schafe getötet.

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SCHMARBECK. Heidschnuckenzüchter Hinnerk Peter Tewes aus Schmarbeck hatte die getöteten Tiere und den Elektrozaun am Samstag gemeinsam mit Wolfsberater Volkhard Pohlmann aus Groß Hehlen untersucht. Ihr eindeutiger Schluss: Die Tiere sind von einem Wolf getötet worden, nachdem dieser über den Elektrozaun gesprungen war. An der Erde und am Zaun gab es keine Spuren, die darauf hindeuteten, dass der Wolf sich durch den Boden gegraben hatte oder dass die Grundsicherung beschädigt war. "Das ist eine ganz neue Qualität", sagte Pohlmann mit Blick auf den Angriff auf die Herdentiere, die zum Schutz in der nächtlichen Einzäunung untergebracht waren.

Otte fordert, den gesetzlichen Schutzstatus des Wolfs zu senken. "Der Wolf ist keine gefährdete Art mehr und hat im dichtbesiedelten Mitteleuropa nicht den Platz für die derzeit stattfindende exzessive Vermehrung", sagt er. Otte beruft sich auch auf den Vorsitzenden der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung in Halle, Professor Michael Stubbe. Demnach sei die Eingreifgrenze des Menschen bereits überschritten. "Wir brauchen einen nationalen Wolfsmanagementplan mit klaren Regeln zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen und einer regional definierten Grenze der Wolfspopulation, die konsequent eingehalten werden muss."

Nach den Angaben des Wolfsbüros des Landes Niedersachsen stellt ein Grundschutzzaun mit einer Höhe von 90 Zentimetern einen ausreichenden Schutz vor Wölfen dar. "Sollte diese Höhe von einem Wolf springend überwunden werden, handelt es sich um eine Ausnahmeerscheinung", teilte das Wolfsbüro mit. Die folgerichtige Konsequenz in so einem Fall sei die Erhöhung des Herdenschutzzaunes etwa durch das Anbringen eines Flatterbandes. Dieses wird ebenso wie die Anschaffung eines Herdenschutzhundes finanziell gefördert.

Christian Berge glaubt, dass ein 105 Zentimeter hoher Elektrozaun und ein Herdenschutzhund ausreichen, um die Schafe vor Wölfen zu schützen. Alternativ könne man den Zaun auch durch Flatterband erhöhen, sagt der Wolfsfreund aus Buchholz, der selbst mit mehreren Wolfshunden in der Lüneburger Heide lebt. Er wirft den Schäfern vor, ihre Tiere nicht richtig zu schützen. "So lange Sie diese wirklichen Mindestanforderungen nicht erfüllt haben, können Sie doch nicht ernsthaft verlangen, dass Wölfe geschossen werden."

Heidschnuckenzüchter Tewes hat auf den Wolfsangriff reagiert und einen Meter hinter dem ersten einen zweiten baugleichen Elektrozaun errichtet. "Wenn der Wolf den ersten Zaun überwindet, springt er in den nächsten. Damit wollen wir gewährleisten, dass er erstmal nicht weiterkommt", sagt Tewes. Von der Anbringung eines Flatterband und der Anschaffung eines Herdenschutzhundes hält er nichts. "Das sind nur die Vorschläge eines Theoretikers und reines Wunschdenken. Mit der Realität haben diese Maßnahmen nichts zu tun." Zwar funktioniere das Flatterband durchaus. "Allerdings nur bei ausreichender Windstärke. Außerdem ist die Gefahr zu groß, dass es sich löst und dadurch den Zaun beschädigt."

Herdenschutzhunde können die Herde nur schützen, wenn sie in und mit der Herde leben. "Richtig ausgebildete Hunde schützen die Herde. Und das nicht nur vor Wölfen, sondern auch vor Fußgängern, die ihr zu nahe kommen." Bei dem großen Publikum und den vielen Touristen in der Heide sei das Halten "daher nicht möglich". Außerdem dürfen die Hunde laut Tewes nach dem Tierschutzgesetz nachts nicht in einer elektrischen Einzäunung untergebracht werden. "Ein Herdenschutzhund, der uns hilft, kann hier nicht eingesetzt werden." Dass die Schäfer nachts bei den Tieren bleiben, sei zwar "eine schöne, romantische Vorstellung, aber mit der ohnehin schon hohen Arbeitsbelastung nicht zu vereinbaren".

Am Dienstag wurden auf dem Hof von Carl Wilhelm Kuhlmann drei Böcke von einem Wolf getötet, die nur 30 Meter vom Stall entfernt in Niederohe eingezäunt waren. Wolfsberater Pohlmann stellte auch in diesem Fall einen Kehlbiss durch einen Wolf fest. "Bislang haben Experten betont, dass die Tiere sich von den Höfen fernhalten", sagt Kuhlmann, der auch Vorsitzender des Verbandes Lüneburger Heidschnuckenzüchter ist. "Für uns ist dieser Zustand unerträglich."

Ob es sich bei den Angriffen um denselben Wolf handelte, wird sich zeigen, wenn die Untersuchungen und die individuelle Identifizierung der DNA abgeschlossen sind. Diese dauert laut Wolfsbüro mindestens 14 Tage. "Für den Fall, dass sich ein Wolf darauf spezialisiert, die empfohlenen wolfsabweisenden Vorkehrungen der Tierhalter wiederholt zu überwinden, können auch für dieses Individuum die im Bundesnaturschutzgesetz vorgesehenen Voraussetzungen für eine Entnahme erfüllt sein." Der Grundschutz dagegen stelle lediglich die Minimalvoraussetzung dar, die erfüllt sein muss, damit innerhalb der Förderkulisse Herdenschutz ein finanzieller Schadensausgleich beantragt werden kann.

Wie die Schäfer und Otte fordert auch Ernst-Ingolf Angermann die Entnahme des Tieres. „Ich fordere die Landesregierung auf, bereits jetzt Maßnahmen zu treffen, die bei einem weiteren Riss zu einer Entnahme des Wolfes führen“, sagt der Landtagsabgeordnete (CDU) aus Langlingen. „Unsere Weidetierhalter und besonders die Schäfereien, die mit ihren Herden für den Erhalt der Heideflächen sorgen, haben eine größtmögliche Unterstützung verdient“

Kuhlmann möchte in die ohnehin schon aufgeladene Diskussion um den Wolf "nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen". Vielmehr müsse ein Möglichkeit geschaffen werden, auffällige Wölfe zu vergrämen oder, wenn das nicht funktioniert, zu entnehmen. Er stellt klar, dass er "den Wolf nicht ausrotten möchte. Wir wollen eine sachliche Diskussion darüber führen, wie eine Lösung in so einem Fall aussehen kann."

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 19.07.2017 um 20:06 Uhr
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