Vielseitige Präsentation von Waechter-Werken in Hannover

Kunstwerke wie „Marienkirche“ aus dem Jahr 1997 oder (kleine Bilder von links) „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ von 1989 und „Ingres Rückenakt“ von Friedrich Karl Waechterzeigt das Wilhelm Busch Museum in Hannover in der aktuellen Ausstellung „Zeichenlust“. Foto: Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst (3)

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, schrieb einst Gertrude Stein. Wie mag man diesen viel zitierten Satz in Bilder umsetzen? Friedrich Karl Waechters Zeichnungs-Trilogie zeigt zunächst tatsächlich die besagte Blume, anschließend jedoch eine Hose und eine Dose – höherer Unfug, wie man ihn nun bei der Waechter-Aus-
stellung „Zeichenlust“ im Wilhelm Busch Museum gehäuft findet.

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HANNOVER. Die Schau bietet keineswegs nur die Klassiker des ehemaligen „Pardon“-Chefgraphikers und „Titanic“-Mitbegründers, der seinen Vornamen zu den Initialen „F.K.“ abzukürzen pflegte und 2005 verstarb. Denn das Museum, das seit 2008 schon über den zeichnerischen Nachlass Waechters verfügt, hat von den Erben jetzt
weitere Schätze bekommen: 83 Skizzenbücher, 17 Kladden, dazu Gemälde, Objekte und den Handapparat des Künstlers.

Insofern darf sich der Besucher nicht wundern, wenn ihn beim Treppen-
aufgang ein verrostetes Verkehrszeichen erwartet, dem man durchaus Symbolgehalt abgewinnen kann. Überhaupt deckt die Ausstellung mannigfache Facetten ab, präsen-tiert die eine oder andere Kritzelei,
die deswegen noch lange nicht oberflächlich sein muss, Fotos wie
„Waechter als Narwal“, nämlich mit langer spitzer Pappnase, oder auch einen Bilderrahmen, dessen Inneres mit umgekehrt aufgeklebten Postwertzeichen bestückt ist – Aufklä-rung bietet hier die Unterschrift: „Ich hatte die Briefmarkensammlung
meines Onkels auf sein Lieblingsbild geleimt (Flusspirat von Paul Klee). Mein Onkel sagt, dass er mich trotzdem sehr lieb habe. O, wie ich ihn hasse!!!“

Als Kind der 60er-Jahre-Bewegung hat Waechter schon mal den einen oder anderen Klopper rausgehauen, um das deutsche Bildungsbürger-
tum zu verärgern; als Beispiel möge sein „volkstümlicher Denkmals-
entwurf“ mit der Inschrift „Goethe spielt Flöte auf Schiller sein Piller“ und entsprechender Darstellung
dienen. Doch mangelt es in dieser Schau keineswegs an nachdenklichen Tönen: Immer wieder tauchen Selbstbefragungen auf oder Verweise auf die Kunstgeschichte, was ande-
rerseits schon mal bedeuten kann, dass Waechter ein Filmset in eine Dürer-Darstellung schmuggelt.

Jedenfalls versinkt die Schau nie in Albernheit, was dem Künstler, der in der persönlichen Begegnung sehr überlegt zu formulieren pflegte und alles andere als ein Possenreißer war, auch in keinster Weise gerecht würde. Insofern bleibt der Kulturschock aus, wenn man von der parallel ausgerichteten Füssli-Ausstellung im Untergeschoss (die CZ berichtete) zu Waechter hinaufsteigt: Individualis-ten waren sie beide, wenngleich aus verschiedenen Jahrhunderten.

F.K. Waechter wäre im November 80 Jahre alt geworden. Diese vielseitige Präsentation hätte ihm wohl gefallen.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 26.07.2017 um 12:11 Uhr
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