Zahl der Notrufe ohne Not verdreifacht sich bei Celler Polizei

Wer 112 wählt, landet bei Sven Heine in der Leitstelle. Foto: Michael Schäfer

Im Jahr 2015 verzeichnete die Polizeiinspektion Celle sieben Einsätze, bei denen gar kein Notfall zu lösen war. Im Jahr 2016 waren es drei Mal so viele Einsätze, nämlich 23. 21 Fälle konnte die Polizei aufklären. Oft seien die Anrufer verwirrt oder betrunken, so Koch. „Die Anrufer halten uns von der Arbeit ab.“ Im März wurde das 110-Notrufsystem der Polizei umgestellt, seitdem gehen alle Anrufe in der Kooperativen Leitstelle in Lüneburg ein.

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CELLE. Ein Mann wählt den Notruf und erzählt den Beamten aufgeregt: „Das Casino an der Itagstraße wird gerade aufgemischt.“ Die Polizisten reagieren sofort. Doch als der Streifenwagen vor Ort eintrifft, ist alles friedlich. Umsonst haben sich die Ordnungshüter auf den Weg gemacht. „Weil dort nichts gewesen ist, hat der Anrufer später die Rechnung für den Einsatz bekommen“, sagt Polizeisprecher Guido Koch. Doch nicht nur hohe Kosten drohen Spaßvögeln. Wer absichtlich Notrufe missbraucht oder vortäuscht, dass die Hilfe anderer erforderlich sei, kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe rechnen.

Wer die 112 wählt, landet tagsüber bei der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle, die beim Landkreis Celle angesiedelt ist. Dort liegt die Zahl von Missbräuchen bei fünf Fällen im Jahr 2016. Im ersten Halbjahr 2017 wurden bereits drei Fälle registriert. „Durch gezielte Abfragen unserer erfahrenen Leitstellenmitarbeiter werden tatsächlich ausgelöste Fehleinsätze von Rettungskräften vermieden“, betont Landkreissprecher Holger Harms. Insgesamt spielten Notrufmissbräuche daher keine große Rolle im Betriebsalltag der Leitstelle. Dennoch werde jeder Hinweis darauf von den Leitstellenmitarbeitern ausführlich dokumentiert und bei der Polizei als Verdacht auf eine Straftat angezeigt. Dieses Vorgehen sei so mit der Polizeiinspektion Celle abgestimmt, erläutert Harms.

Fehlanrufe, die jedoch nicht den Verdacht des Notrufmissbrauchs erfüllen, prägen den Alltag in der Leitstelle des Landkreises. Innerhalb von 24 Stunden gehen durchschnittlich 72 Fehlanrufe ein. Damit ist etwa jeder vierte Anruf ein Irrläufer. Darunter sind 30 Anrufe, bei denen sofort wieder aufgelegt wird. 25 Anrufer haben sich verwählt, melden sich aber am Telefon. Zudem gibt es 15 sogenannte Taschenanrufe, die der Anrufer selbst nicht bemerkt. Zwei Anrufe am Tag gehen durchschnittlich auf Betrunkene zurück. Hinzu kommen zahlreiche Anrufe über die Notrufleitungen, die im Nachhinein keinen Notfall darstellen, jedoch einen medizinischen Hintergrund haben, zum Beispiel die Bestellung eines Krankentransports. Diese Fälle werden jedoch statistisch nicht erfasst. "Der Anrufende wird aber über das Blockieren der Notrufleitung aufgeklärt", sagt Harms.

Dagny Siebke Autor: Dagny Siebke, am 28.07.2017 um 17:26 Uhr
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