Wo der Spaß aufhört

Christian Bartsch entfernt eine Flasche aus einer Schaukel. Eingeschmierte Spielgeräte und Müll bereiten ihm und seinen Kollegen zusätzliche Arbeit. Foto: Jonas Peisker

Auf Spielplätzen erwartet man tolle Spielgeräte, schicke Grünflächen und zum Verweilen einladende Bänke. Leider ist es nicht überraschend, dort auch auf Müll und Vandalismus zu stoßen. Dieser allzu gewöhnliche Anblick bietet sich Christian Bartsch und seinen Kollegen Abdulhadi Alo und Gerd Hasselmann wöchentlich, wenn sie ihre routinemäßige Kontrolle der Spielplätze durchführen. Sie bilden eine der beiden Spielplatzkolonnen des Grünbetriebs der Stadt Celle und sind damit für die Hälfte der rund 70 Spielplätze zuständig.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie

Bei Ankunft auf einem der Spielplätze der heutigen Runde ist die Bilanz der vergangen Woche wieder einmal ernüchternd. Abdulhadi Alo sammelt eine ganze Tüte voller Müll ein, sowie zahlreiche Einzelteile. Unter der Schaukel wurde eine Schachtel Eislöffel ausgekippt, sodass dutzende Plastikteile nun verstreut zwischen dem Rindenmulch liegen. Ein Spielgerät ist vollständig mit Schaum eingeschmiert und unbenutzbar. „In der Ferienzeit könnte man eigentlich jeden Tag Müll sammeln“, meint Christian Bartsch, Vorarbeiter der Kolonne, der seit acht Jahren beim Grünflächenamt arbeitet. Er weiß, dass dies nicht der einzige Platz in diesem Zustand ist.

Abfalleimer ziehen
Hausmüll an

„Die Müllproblematik ist schlimmer geworden, seit die Gebühren gestiegen sind“, sagt Heiko Müller, Gärtnermeister beim Grünbetrieb der Stadt Celle, „mittlerweile stehen fast keine Mülleimer mehr auf den Spielplätzen, weil die Leute Hausmüll da reinwerfen. Denjenigen, die die Plätze wirklich mit ihren Kindern nutzen wollen, macht es meist auch nichts aus das bisschen, was sie haben, wieder mitzunehmen.“ Die wenigen Abfallbehälter, die es noch gibt, quellen meist nach wenigen Tagen über und verteilen ihren Inhalt in der Umgebung. Zwar heben Flaschensammler schon manche Flasche auf. Solche ohne Pfand sowie Glasscherben bleiben allerdings liegen.

Wo genau der Vandalismus zu finden ist, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Manchmal beschweren sich Anwohner über nächtliche Parties. Der Spielplatzkolonne bleibt dann wenig anderes übrig, als hinterher die Alkoholflaschen und Verpackungen aufzuräumen. Gegenstände wie Spritzen weisen gelegentlich auf Drogenkonsum hin. Eine Maßnahme ist, die umgrenzenden Sträucher niedriger zu schneiden, sodass der Platz besser einsehbar ist. Doch dass stört nicht nur Randalierer, sondern auch die Kinder, die dort in Ruhe spielen wollen. Die laute Party wird dann das nächste mal einfach auf einem anderen Platz veranstaltet.

Randale gibt
es überall

„Die Spielplätze aufzuräumen gehört zu unserem Beruf. Mal einen Eisbecher aufzusammeln ist überhaupt kein Problem. Aber solche Sauereien sind nicht in Ordnung“, meint Gerd Hasselmann mit Blick auf das eingeschmierte Spielgerät. Auch Graffitis findet die Kolonne regelmäßig. Manchmal kann sie diese noch entfernen, oft hat die Farbe die Oberflächen jedoch schon zu stark angegriffen. Auf einem Spielplatz in Wietzenbruch zeigt Christian Bartsch zeigt auf ein Klettergerüst. „Hier gab es mal einen Kokos-Strick. Der wurde immer wieder angekokelt bis wir ihn schließlich entfernen mussten.“ Ein Korb an einer Schaukel wurde aufgeschlitzt und musste geflickt werden. Es gibt kaum einen Spielplatz, der von der Randale verschont wird.

Durch den Vandalismus sind die beiden Spielplatzkolonnen mit je drei Arbeitern etwa eineinhalb Tage statt des eigentlich vorgesehen einen Tages pro Woche mit der Kontrolle beschäftigt. Das bedeutet, dass sich die Zeit, die durch die Verschmutzung verloren geht, auf knapp 100 Arbeitsstunden monatlich summiert. Zeit, die besser genutzt werden könnte, um die Grünflächen zu pflegen zum Beispiel. Dies ist insbesondere der Fall, seit Saisonkräfte eingespart wurden und die Spielplatzkolonnen in den Sommermonaten mit je einer Person weniger auskommen müssen.

Die Kolonne muss klare Vorschriften einhalten, um die Sicherheit der Spielplätze zu garantieren. Einmal pro Woche findet eine Sichtkontrolle statt, bei der offensichtliche Mängel erkannt werden. Hier werden auch die Absprungbereiche der Geräte, die meist aus Sand oder Rindenmulch bestehen, auf gefährliche Gegenstände hin durchhakt. „Besonders wenn sich diese Bereiche direkt neben Asphaltflächen befinden, können Glasscherben von weggeworfenen Flaschen im Sand sein“, weiß Christian Bartsch.

Zusätzlich beurteilt der Grünbetrieb vierteljährlich alle Spielgeräte auf ihre Funktion, etwa auf morsche Holzbalken. Als wäre dies noch nicht genug, werden außerdem alle Geräte einmal pro Jahr bis auf die Fundamente freigegraben, um ihre Stabilität sicherzustellen. Heiko Müller sagt: „Unsere Spielplätze sind sicher. In 20 Jahren, die ich hier arbeite, ist bei der ordnungsgemäßen Benutzung von Spielgeräten noch nichts passiert.“

Kampfhunde beißen
in Schaukelbretter

Die Spuren von besonders unverantwortlichem Verhalten haben Christian Bartsch und seine Kollegen an Schaukelbrettern gefunden. Hundebesitzer machen damit ihre Tiere scharf, die sich dann in den Spielgeräten verbeißen. Die Bissspuren der Hunde sind auf manchen Schaukeln deutlich sichtbar. „Wenn es keine scharfen Kanten gibt, tauschen wir die Bretter nicht aus“, meint Bartsch resigniert, „wir können das ja schließlich nicht jede Woche machen.“ Auch wenn es offensichtlich erscheint, begreifen die dafür verantwortlichen Hundebesitzer anscheinend nicht, dass es höchst gefährlich ist, Hunde auf Schaukeln abzurichten. Es kann zu schweren Unfällen kommen, wenn einmal ein Kind auf der Schaukel spielt.

Dass eine kleine Minderheit die Celler Spielplätze missbraucht, bedeutet nicht, dass es keine verantwortungsvollen Mitbürger gibt, denen die Grünflächen wichtig sind. Zu ihnen gehört Eva Kohls, eine Anwohnerin eines Spielplatzes in der Blumlage. Die Seniorin kümmert sich regelmäßig, um die Sauberkeit des Spielplatzes und erleichtert damit dem Grünflächenamt die Arbeit. Die Spielplatzkolonne freut sich über das Engagement. Christian Bartsch meint: „Nette Leute gibt es eben auch noch.“

Jonas Peisker Autor: Jonas Peisker, am 09.08.2017 um 12:41 Uhr
Druckansicht

Info-Box

Spielplatzsatzung regelt, was erlaubt ist und was nicht

Die Benutzung der Spielplätze ist laut der städtischen Spielplatzordnung vorrangig Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres gestattet. Ausnahmsweise dürfen Erwachsene und Jugendliche zusammen Ballspielanlagen, Basketballplätze, Bolzplätze, Inlineranlagen, Skatebordanlagen sowie sonstige Trendsportanlagen und Mehrgenerationenplätze benutzen. Darüber hinaus haben Erwachsene und Jugendliche als Aufsichtspersonen Zutritt. Die Spielplätze sind täglich in der Zeit von 8 Uhr bis 21 Uhr zur Benutzung freigegeben. Auf Spielplätzen darf nicht mit PKW, Motorrädern oder Mofas gefahren werden, dürfen nicht Hunde und andere Tiere mitgebracht oder dort ausgeführt werden und keine alkoholhaltigen Getränke sowie Drogen aller Art konsumiert werden. Es dürfen keine Hieb- und Stoßwaffen und gefährliche Gegenstände und Stoffe mitgeführt werden, die geeignet sind Personen zu verletzen oder Sachen zu beschädigen. Es darf nicht geraucht werden und außerhalb der dafür vorgesehenen Bereiche Ballsport oder "störende Ballspiele aller Art" betrieben werden.

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Den Schulen sei dank: Celler erringen wieder mehr Sportabzeichen

Da behaupte noch einer, die Gesellschaft werde immer bewegungsfauler. Die aktuellen Zahlen des Kreissportbund (KSB) Celle besagen etwas anderes: In der Region legen immer mehr Menschen die Prüfung zum Deutschen Sportabzeichen ab. Sind es 2016 noch 2437 Sportbegeisterte gewesen, die sich die bekannten… ...mehr

20 Jahre Festspielhaus Baden-Baden

Baden-Baden (dpa) - Die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Sir Simon Rattle waren gerade bei den Osterfestspielen zu Gast, als nächste kommen Bob Dylan und das Leipziger Gewandhausorchester. ...mehr

CeBus sucht wieder Busfahrerinnen

„Wenn man etwas mit Menschen machen möchte, wird einem niemand als erstes Busfahrerin vorschlagen.“ Das musste auch Nicola Koch feststellen, als sie nach der Insolvenz ihrer Kneipe „Gegen den Strich“ auf der Suche nach einem neuen Job war. „Das ist kein Job, den man einfach so über die Arbeitsagentur… ...mehr

Labbadia holt in Freiburg ersten Sieg mit VfL Wolfsburg

Freiburg (dpa) - 69 Tage nach dem letzten Sieg hat der VfL Wolfsburg wieder ein Spiel in der Fußball-Bundesliga gewonnen und drei wichtige Punkte im Abstiegskampf geholt. ...mehr

„Rausch“ zerfällt in Einzelteile

Große Namen garantieren noch keinen großen Theaterabend. Das bestätigte sich einmal mehr bei einem Gastspiel im Schauspielhaus, einer Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen mit dem Théâtre National du Luxembourg und dem Schauspiel Hannover. Auf dem Programm stand August Strindbergs „Rausch“. ...mehr

Ausstellung in der Galerie Koch zeigt „Vom Stadel zum Wolkenkratzer“

Der Ausstellungstitel ist ein wenig sperrig, die Schau selbst hingegen nicht: „Vom Stadel zum Wolkenkratzer“ nennt die Galerie Koch eine Auswahl von Architekturdarstellungen und mischt dabei nach bewährter Manier Stars der Klassischen Moderne mit Geheimtipps. ...mehr

Wirbel um Kultur-Mäzene in den USA

New York (dpa) - Jerry Saltz ist Kunstkritiker des «New York»-Magazins - und neuerdings auch Aktivist. Mehrmals hat er in den vergangenen Wochen den Namen von David H. Koch auf dem Vorplatz des Metropolitan Museums in Manhattan überklebt - und über die sozialen Medien dazu aufgerufen, es ihm nachzumachen. ...mehr

Hartmut Dorgerloh wird Intendant des Humboldt-Forums

Berlin (dpa) - Jahrelang war Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf der Suche nach einem weltweit renommierten Aushängeschild für das geplante Humboldt-Forum in Berlin. Ein Kaliber vom Schlage des noch amtierenden Gründungsintendanten und britischen Museumslieblings Neil MacGregor sollte… ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
19.04.2018

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Nach Echo-Eklat: BMG legt Zusammenarbeit mit Rappern auf Eis

Berlin (dpa) - Nach dem Eklat um die Echo-Auszeichnung für ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album…   ...mehr

Merkel und Macron wollen bei EU-Reform im Sommer liefern

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen trotz…   ...mehr

Deutschland gewährt in der EU am weitaus häufigsten Asyl

Luxemburg (dpa) - Deutschland hat im vergangenen Jahr mehr Menschen Asyl oder einen anderen Schutzstatus…   ...mehr

Noch ohne Draisaitl: DEB-Team deklassiert Frankreich 7:1

Wolfsburg (dpa) - Auch ohne Weltklasse-Stürmer Leon Draisaitl kommt der weiter ersatzgeschwächte…   ...mehr

Meister-Löwen auf Weg zum Titel - Kiel besiegt Füchse

Hannover (dpa) - Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen steuert auf seine dritte Meisterschale in…   ...mehr

Haftbefehl gegen mutmaßlichen antisemitischen Schläger

Berlin (dpa) - Nach dem antisemitischen Angriff auf einen jungen Israeli und seinen Begleiter in Berlin…   ...mehr

Deutschland sagt Aufnahme von 10.200 Flüchtlingen zu

Berlin (dpa) - Deutschland will nach den Worten von Innenminister Horst Seehofer 10.200 Umsiedlungsflüchtlinge…   ...mehr

Kubas neuer Präsident Díaz-Canel: «Sozialismus oder Tod»

Havanna (dpa) - Die Ära der Castros in Kuba ist vorbei - vorerst bleibt aber alles beim Alten. «Die…   ...mehr

Alexander Zverev siegt gegen Struff - kein Bruderduell

Monte Carlo (dpa) - Mit Mühe hat Deutschlands Tennis-Topspieler Alexander Zverev seinen Davis-Cup-Kollegen…   ...mehr

Bundeskunsthalle in Bonn zeigt Werk von Marina Abramovic

Bonn (dpa) - Es ist laut. Markerschütternde Schreie und heftiges Schlagen dringen aus den Ausstellungsräumen.…   ...mehr
SPOT(T) »

Abgefahren

DriveNow, Car2Go, Flinkster: Mehr als zwei Millionen Deutsche nutzen Carsharing.… ...mehr

Blutregen

Was können wir froh sein, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem Aufklärung… ...mehr

Gesetz ist Gesetz

Kuriose Gesetze kennen wir vor allem aus den US-Bundesstaaten. Wer beispielsweise… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG