Ex-Trainer Kahle traurig über Aus beim Handball-Zweitligisten SVG Celle

Martin Kahle hat als Trainer des SVG Celle die Geschichte der Mannschaft über Jahrzehnte geprägt. Foto: Alex Sorokin (Archiv)

Das Aus beim Handball-Zweitligisten SVG Celle und der Gang in die Insolvenz lassen keinen Handball-Fan kalt. Besonders langjährige Mitstreiter wie Garßens Urgestein Rudi Kahle oder sein Sohn Martin Kahle, der insgesamt 24 Jahre lang Trainer bei den Garßenerinnen war, sind traurig und enttäuscht über die aktuelle Situation.

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CELLE. Auch den Fanbeauftragten und langjährigen Hallensprecher Christoph Buchmüller ergreift die Wehmut. Stammvereins-Vorsitzender Marco Stradtmann gibt indes Entwarnung: Für den SV Garßen habe der Gang der Handball GmbH in die Insolvenz keine gravierenden Folgen.

Rudi Kahle kann laut und polternd sein. Gestern hörte sich seine Stimme leise und brüchig an. „Es tut mir weh“, sagt der 73-Jährige und meint damit den Niedergang des SVG Celle und das Aus für den Bundesliga-Handball in der Herzogstadt. Mit dem am Donnerstag verkündeten Rückzug aus der 2. Frauen-Bundesliga und dem Gang in die Insolvenz endet eine Geschichte, die mit Kahle und dem inzwischen verstorbenen Joachim H. Niederlüke im Jahr 1978 begann. Trainer Kahle und Abteilungsleiter Niederlüke führten die Handballerinnen des SV Garßen zwischen 1984 und 1989 von der Kreis- in die Heideliga.

Nicht nur Kahle senior, selbst Gesellschafter der SVG Celle Handball GmbH und treuer Begleiter, auch seinem Sohn Martin, der das Traineramt 1989 von seinem Vater übernahm und mit der Mannschaft bis in die 1. Bundesliga aufstieg, blutet das Herz: „Das war mein Lebenswerk“, sagt der 46-Jährige, der mit Unterbrechungen 24 Jahre lang bei den Garßenerinnen an der Seitenlinie stand. „Ein trauriger Tag – nicht nur für mich sondern auch für die Sportstadt Celle.“

Das Aus sei Ergebnis eines schleichenden Prozesses. Schon bei der Übergabe der Geschäftsführung von Niederlüke an Bernd Bühmann 2013 habe es finanzielle Probleme gegeben, die nie richtig in den Griff zu kriegen waren, so Martin Kahle, der kritisiert: „Mancher hat den SVG als Sprungbrett genutzt – und damit meine ich nicht die Spielerinnen, die immer ihre Knochen hingehalten haben.“

Könnte er sich vorstellen, selbst nochmal bei Garßen aktiv zu werden – schließlich war sein Abgang im März nicht frei von Misstönen? „Schwer vorstellbar, aber sag‘ niemals nie.“

Der Ehrenamtliche: Christoph Buchmüller, die vergangenen sechs Jahre SVG-Hallensprecher und Fanbeauftragter, ist „erschrocken und traurig“. Die „Supporters“ und Ehrenamtlichen seien immer für das Team da gewesen, hätten bei Auswärtsfahrten Essen für die Spielerinnen organisiert und bei Heimspielen alles für den reibungslosen Ablauf und eine tolle Stimmung getan. „Das alles wird mir sehr fehlen“, sagt der 40-Jährige.

Der Vereinsvorsitzende: Der Stammverein SV Garßen ist als Hauptgesellschafter der Handball GmbH direkt von der Insolvenz betroffen. 13.000 Euro beträgt die Stammanlage des Vereins. „Das Geld ist weg“, sagt Marco Stradtmann, seit drei Jahren Vorsitzender. In finanzielle Schwierigkeiten werde das den Stadtteilklub nicht bringen, denn: „Ansonsten tangiert uns die GmbH nicht. Da haben meine Vorgänger mit Weitsicht gehandelt.“ Sportlich werde man mit der 2. Frauenmannschaft wie geplant in der Landesliga weiterspielen, auch die Arbeit mit den acht Jugendteams sei nicht beeinträchtigt.

Kann sich der 43-Jährige in der übernächsten Saison einen Neustart in der 3. Liga vorstellen? „Ja, aber nur, wenn die GmbH bis dahin personell und finanziell sauber aufgestellt ist.“

Heiko Hartung Autor: Heiko Hartung, am 11.08.2017 um 18:28 Uhr
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