Unterlüß: "Russenkinder" werden namentlich genannt

Der Kriegsgräber-Friedhof in Unterlüß soll nach über 70 Jahren Tafeln zum Gedenken an die ausländischen Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg bekommen.

UNTERLÜSS. Über vier Jahre ist es bereits her, dass im Unterlüßer Rat der Antrag zur Neugestaltung des Kriegsgräber-Friedhofs, auf dem ausländische Zwangsarbeiter ruhen, gestellt wurde. Damals wurde entschieden, eine eigene Arbeitsgruppe zu gründen, die sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Umgestaltung beschäftigen sollte. Der Ausschuss Soziales und Kultur der Gemeinde Südheide brachte die Infotafeln in der jüngsten Sitzung nun auf den Weg.

„Damals war die Fusion Südheide das beherrschende Thema“, erklärte stellvertretende Bürgermeister Rainer Vogeler den langen Zeitraum bis zur Entscheidung. Vogeler, der bereits in der ersten Arbeitsgruppe Mitglied war, veranlasste nach der Fusion die Wiederaufnahme des Themas Gedenkstätte. „Diese Anlage ist ein wichtiges historisches Zeugnis“, begründete er seine Entscheidung. Zudem sei es nun an der Zeit, die Bestatteten in einer Gedenktafel zu nennen und ihnen somit ihre Namen wiederzugeben.

Im Ausschuss stellte Vogler zusammen mit dem Historiker Professor Helmut Grieser die erarbeiteten Konzepte zu den Infotafeln vor. Die Mitglieder stimmten bei einer Gegenstimme für einen Lageplan, der das Friedhofsgelände grafisch von oben zeigt.

Größtes Diskussionspotential bargen die weiteren beiden Infotafeln mit der namentlichen Auflistung der Toten sowie einigen Hintergrundinformationen. Unter dem Begriff „Russenkinder“ waren einige der Toten aufgelistet. Während Grieser die Formulierung eher anrührend fand und betonte, dass dadurch noch mehr Mitleid für das Schicksal der Kinder geweckt werde, lehnte SPD-Ratsmitglied Monika Oetke diesen Begriff strikt ab. „Das ist ein nationalistisch geprägtes Schimpfwort und sollte auf keinen Fall übernommen werden“, so Oetke. Stattdessen plädierte sie für einen Verweis auf den Info-Tafeln, dass die Formulierung als Nachweis der Vergangenheit anzusehen sei.

Am Ende einigte man sich bei den Infotafeln auf den Zusatz „Die Grabsteine geben den zeitgenössischen Sprachgebrauch wieder“. Dieser Vorschlag wurde einstimmig empfohlen. Bürgermeister Axel Flader schloss die Sitzung mit den Worten: „Wir haben heute einen gewaltigen Schritt gemacht, indem wir die vergangenen Ereignisse aufgearbeitet und mit einer günstigen Darstellung zusammen geführt haben.“ Das letzte Wort hat jetzt der Verwaltungsausschuss.

Audrey-Lynn Struck Autor: Audrey-Lynn Struck, am 11.08.2017 um 18:44 Uhr
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