Kalibahner feiern Zehnjähriges mit "Rotem Brummer" in Hänigsen

Foto: Oliver Knoblich

Rot und vor Nässe glänzend steht er da, der Schienenbus aus dem Jahr 1956. Das Bahnhofsfest am Wochenende anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kalibahnvereins Niedersachsen-Riedel ist zum größten Teil verregnet. „Wirklich ein Glück, dass wir unseren Neuzugang pünktlich zu Veranstaltungsbeginn fertig restauriert haben“, freut sich der Vereinsvorsitzende Joachim Leiner. „Draisinenfahrten können wir bei diesem Wetter wohl vergessen, da ist man ja nach einer Viertelstunde komplett durch.“

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HÄNIGSEN. Im „Roten Brummer“, wie der Verbrennungstriebwagen VT auch liebevoll genannt wird, sitzen die Besucher dagegen warm und trocken: „Sie können damit vom Kleinbahngelände in Hänigsen bis nach Wathlingen zuckeln und unterwegs die Landschaft genießen“, sagt Leiner und erzählt, dass die Vereinsmitglieder zuletzt jeden Tag für mehrere Stunden an dem Fahrzeug gewerkelt haben. „Am Freitag um 16 Uhr ist unser Jubiläumsfest gestartet – und um 15.55 Uhr haben wir die letzte Niete am Triebwagen verschraubt“, verrät der 63-Jährige und lacht.

Die Besucher, die sich trotz Dauerregens an diesem Samstag auf dem Vereinsgelände am Hänigser Kasparsweg eingefunden haben, sind begeistert. „Wir freuen uns schon auf die Fahrt“, sagen Rose Marie Laskowski und Sieglinde Hominski. „Wir wollen mal gucken, wie das so ist.“

„Ein paar Unentwegte sind eben immer da“, meint Leiner. Aber dass er mit der Besucherzahl an diesem Wochenende zufrieden sei, könne er nicht gerade behaupten. Die Stimmung ist dennoch gut: Im Kaffeezelt sitzen Vereinsmitglieder und Gäste einträchtig zusammen und fachsimpeln über Rangierloks. „Dass wir mal zehn Jahre Kalibahn feiern würden, hätte bei unserer Vereinsgründung wohl niemand gedacht,“ sagt der Vereinsvorsitzende schmunzelnd. Als man angefangen habe, sei das Streckennetz noch komplett verwildert gewesen: „Alles war zugewachsen mit Brombeeren und wildem Wein“, erinnert er sich. „Es hat drei Jahre gedauert, bis wir alles frei geschnitten hatten.“

Mit mittlerweile rund 3000 Besuchern pro Jahr werden vor allem die Fahrten mit der Fahrrad- oder der Handhebeldraisine besonders gut angenommen. „Wir sind international frequentiert“, berichtet Leiner. „Wir hatten schon Gäste aus Polen, Österreich, England und Schweden.“ Was die Zukunft betreffe, so sei die Fahrzeugbeschaffung des zurzeit 35 Mitglieder zählenden Vereins erst einmal abgeschlossen. „Jetzt geht es um die Erhaltung der Infrastruktur und den Ausbau des Schienennetzes.“

Dass sich auch junge Menschen für historische Schienenfahrzeuge interessieren, zeigt übrigens Felix Huth. Der 16-Jährige ist gerade frisch in den Kleinbahnverein eingetreten. Er habe durch Bekannte mitbekommen, dass es die Kalibahner gebe, sei öfter hergekommen, habe Fahrten mitgemacht und sich schließlich für einen Beitritt entschieden. „Hier stehen die alten Eisenbahnen nicht nur rum, sondern werden auch gefahren – das ist ja das Coole.“

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 13.08.2017 um 16:42 Uhr
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