"Integration durch Kultur" soll Flüchtlingen Perspektiven schaffen

"Es geht nicht darum, dass wir Menschen aus anderen Ländern etwas beibringen sondern darum, voneinander zu lernen" so Celles Kulturdezernentin Susanne McDowell in ihrer Eröffnungsrede bei der Veranstaltung "Integration durch Kultur". Ein Austausch auf Augenhöhe in Form eines gegenseitigen Miteinanders sei das Ziel des Programms.

CELLE. "Es handelt sich um ein Gesamtkonzept, das auf Anwendung zielt" lautet das Fazit Andreas Dörings, Intendant des Celler Schlosstheaters, zur Veranstaltung am Montag. Kulturvereine und -organisationen hatten die Möglichkeit, in der Alten Exerzierhalle, Mittel und Wege der Integration geflüchteter Menschen kennen zu lernen. In einem einstündigen Vortrag mit anschließender Gesprächsrunde stellten Referenten und Experten aus verschiedenen Integrationsnetzwerken das Förderprogramm "Integration durch Kultur" des Niedersächsischen Ministeriums für Kunst und Kultur vor.

Zusätzliche drei Millionen Euro für 2017 und 2018 sollen Flüchtlingen Praktika, Stipendien und freiwillige soziale Jahre im kulturellen Bereich ermöglichen und langfristig eine berufliche Perspektive bieten. Vornehmlich richtet sich das Programm an Menschen mit Fluchterfahrung, welche in ihrer jeweiligen Heimat bereits wissenschaftliche oder berufliche Erfahrungen im Kunst- oder Kulturbereich gesammelt haben. Für ein dreimonatiges Orientierungspraktikum kann beispielsweise auf eine Fördersumme von 1500 Euro zurückgegriffen werden, mit der vornehmlich die Personalkosten für die Betreuung des Praktikanten übernommen werden sollen.

Nikoloz Gagnidze aus Georgien nutzte das Praktikantenprogramm bereits, um sich mit Hilfe der Organisation "Hafven" in Hannover im Bereich Holz- und Metallverarbeitung weiterzubilden. Der 27-Jährige kam im Oktober 2015 nach Deutschland und befindet sich jetzt in einer Ausbildung des Kulturzentrums Faust. Das Programm helfe Leuten, sich in die Gesellschaft zu integrieren, lobt Gagniidze.

Alexandra Faruga und Iyabo Kacmarek vom "Hafven" helfen Geflüchteten mit einem Orientierungspraktikum bei der Integration in die Gesellschaft. Zusammen mit den Praktikanten erstellen sie Lebensläufe für spätere Bewerbungen und überlegen gemeinsam, welche Ausbildung in Frage käme. Um die Integration und Beantragung etwaiger Förderungen zu erleichtern kümmern sich die beiden Frauen um den gesamten, in Zusammenhang mit den Praktikanten, anfallenden Papierkrieg.

Das Programm soll vor allem einen "ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt bieten" und Künstlern aller Art Möglichkeiten der Vernetzung bieten. "Geflüchteten Künstlern soll dabei auch ermöglicht werden, beispielsweise nach dem Master zurück in die Heimat zu gehen um zerstörte Kunstwerke wiederherzustellen", meint Referentin Frauke Patzke vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Man dürfe nicht vergessen, dass die "gesamte Kultur aus Migration entstanden ist".

Mit dem "welcome board" wurde zum Beispiel eine Vernetzungsbörse geschaffen, durch die geflüchtete Musiker nicht nur Möglichkeiten der Kommunikation mit Unternehmen geboten werden. Über die Plattform erfahren sie zusätzlich, woher sie Instrumente bekommen und wo sie proben können.

Die Veranstaltung diente dazu, kulturellen Organisationen die für ihre Bedürfnisse richtigen Ansprechpartner an die Hand zu geben. Wichtig sei vor allem auch zu wissen, wie man an die Person heran käme und wo die Netzwerke zu finden seien, so Döring.

Laut Celles CD-Kasernen-Geschäftsführer Kai Thomsen "müssen Flüchtlinge durch das Jobcenter und die zuständigen Koordinierungsstellen von den Möglichkeiten und den für sie richtigen Netzwerken erfahren, das Ziel ist nicht ins Blaue hinein Anzeigen zu schalten, sondern gezielt interessierte Flüchtlinge anzusprechen."

Stefan Zutz Autor: Stefan Zutz, am 15.08.2017 um 16:30 Uhr
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