Musical „Cabaret“ eröffnet Spielzeit am Celler Schlosstheater

Das Musical „Cabaret“ startet im Schlosstheater mit Johanna Marx (Fräulein Schneider), Christoph Schulenberger (Ernst Ludwig); Jürgen Kaczmarek (Herr Schultz), Natascha Heimes (Sally Bowles) und Gintas Jocius als Conférencier (von links). Foto: Andrea Hoffmann

Abgesehen von den Bauarbeiten an der Rückseite des Schlosses, scheint es dort noch fast ruhig zuzugehen. Und dennoch herrscht hinter den dicken Schlossmauern und auf den Probebühnen des Schlosstheaters an der Halle 19 schon recht emsiges Treiben.

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CELLE. Noch sind es zwei Wochen bis zur ersten Premiere in dieser Spielzeit; dann will man im Haupthaus gleich „voll durchstarten“. Am 8. September hat dort unter der Regie der in Zürich lebenden argentinischen Regisseurin und Choreografin Teresa Rotemberg mit Songs und Live-Musik Joe Masteroffs und John Kanders Musical „Cabaret“ Premiere.

„Ich habe Cabaret schon einmal selbst als Tänzerin mitgemacht“, erzählt Teresa Rotemberg, „und einmal habe ich es auch schon choreografiert.“ Seit rund zehn Jahren arbeitet sie jedoch nur noch als Choreografin und Regisseurin an verschiedenen Theatern. Beides machen zu dürfen und Choreografien mit den Schauspielern zusammen zu entwickeln, sei für sie ein großer Reiz, sagt Rotemberg. Dazu käme, dass der Einstieg in das zunächst fremde Ensemble des Schlosstheaters ihr sehr leicht gefallen sei, da die Schauspieler alle sehr motiviert und mit Spaß bei der Sache seien und auch gesanglich und tänzerisch einiges zu bieten haben. „Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier“, ergänzt Rotemberg.

Für sie ist es durchaus etwas Besonderes, die Spielzeit am Schlosstheater mit „Cabaret“ eröffnen zu dürfen. „Es ist ein tolles Stück,“ sagt sie, „es hat nicht nur tolle Gesangsnummern, sondern auch einen spannenden Inhalt und bietet Unterhaltung auf hohem Niveau.“

Willkommen, bienvenue, welcome – im Berlin der 20er und 30er brodelt Nacht für Nacht die Stimmung. Auch der amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw erlebt hier nicht nur im Kit-Kat-Club das frivole Treiben und verliebt sich in die Sängerin Sally Bowles, er sieht auch die Zeichen der neuen Zeit, und was es heißt, Jude zu sein. Cliff ist vom aufkeimenden Faschismus entsetzt und möchte zusammen mit der schwangeren Sally Berlin so schnell wie möglich verlassen. Aber genau wie der schillernde, zynische Conférencier interessiert sich
auch Sally nicht für Politik – für sie ist das ganze Leben nur ein Cabaret. Der aufkommende Nationalsozialismus lässt die Beziehung zwischen Cliff und Sally genauso scheitern wie die Buntheit und Vielfalt in einer offenen Gesellschaft. Wohin die Reise letztlich geht, merkt man zu spät.

„Wir haben lange überlegt, ob wir das Stück noch modernisieren, oder aktualisieren sollen“, sagt Teresa Rotemberg, „aber wir sind dann doch dabei geblieben, den Handlungsrahmen unverändert in der Zeit zu belassen. Das Stück spiegelt die damalige Zeit und hat trotzdem seine Aktualität noch immer nicht verloren.“ Größere Veränderungen oder Kürzungen habe man deshalb nicht vorgenommen. Das gälte auch für die Songs, die später erst durch den Film dazugekommen wären. „Das Publikum wird die Beziehungen zur Gegenwart auf jeden Fall spüren und die Gefahren erkennen,“ ist sich Teresa Rotemberg sicher.

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 25.08.2017 um 12:45 Uhr
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