Wölfe nicht einsperren - sondern erschießen?

Diskutierten über den Wolf: (von links) Hans Knoop, Volkhard Pohlmann, Ernst-Ingolf Angermann, Jörn Schepelmann, Ulf Pohlmann und Carl-Wilhelm Kuhlmann. Foto: Anne Friesenborg

Bei der CDU-Infoveranstaltung diskutierten Wolfsberater, Kreisjägermeister, Vorsitzender der Lüneburger Heidschnuckenzüchter und CDU-Landtagsabgeordneter über das Thema Wolf. Der Landkreis Celle hat mit etwa sechs Rudeln die größte Wolfspopulation in Niedersachsen.

WIENHAUSEN. Es war ein kalter Sonntagmorgen, einen Tag vor Weihnachten. Klumpige Schneereste lagen auf dem Hof des Schafzüchters. Seine drei Töchter standen zugefroren, mit roten Nasen, fest in dicke Winterjacken gepackt neben ihrem Vater und weinten bitterlich. Vor ihnen lag ein weißes Bündel. Es war ihr Schäfchen Molli. Der Wolf hatte es sich in der Nacht geholt.

Diese Geschichte erzählte am Mittwochabend der Kreisjägermeister Hans Knoop bei einer CDU-Infoveranstaltung zum Thema Wolf. "Wenn man so etwas erst einmal gesehen und verinnerlicht hat, redet man ganz anders darüber", so der 64-Jährige. Er hielt als einer von vier geladenen Gästen einen kurzen Vortrag. Grundtenor war sowohl bei den Rednern auf der Bühne, als auch beim Publikum, dass man gegen den Wolf vorgehen müsse.

Das weit verbreitete Argument, sich einfach höhere Zäune zu kaufen, ließen die Redner nicht gelten. "Wölfe sind sehr schlau und werden jede Schutzmaßnahme früher oder später überwinden können", so Wolfsberater Volkhard Pohlmann. Dieses Wissen werde auch an die Nachkommen weiter gegeben. Hinzu kommt, dass für kleinere Schafherden eine Herdenschutzzone wirtschaftlich nicht tragbar sei. Wenn man nicht anfängt, einige Wölfe zu entnehmen, werde die Freilandhaltung zum Erliegen kommen und offene Flächen, wie die Heide, zuwachsen.

Der Landkreis Celle ist mit etwa sechs Rudeln nahezu von Wölfen bedeckt und hat die größte Wolfspopulation in ganz Niedersachsen. Inoffiziell – da waren sich fast alle Anwesenden einig – seien es bereits allein in Niedersachsen an die 150 Wölfe. "Wir können den Wolf nur erschießen, um seine Population zu regulieren. Ihn einzusperren ist tierschutzrechtlich nicht möglich", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann. Zwar steht der Wolf momentan noch bei den Richtlinien der EU unter dem höchsten Schutzstatus. Das solle sich zukünftig ändern. Aufgrund der rasant anwachsenden Population, die sich alle drei Jahre verdoppele, sei das Tier nicht mehr vom Aussterben bedroht.

Angermann forderte die Landesregierung auf, aktiv zu werden und klar zu definieren, wann man rechtlich gegen den Wolf vorgehen dürfe. Außerdem soll ein "Wolfsbeitrag" für Niedersachsen festgelegt werden. "Mehr als zwölf Rudel sollten das allerdings nicht sein", so der 56-Jährige. Ein Sieben-Punkte-Plan zum Wolf soll kommenden Montag im Umweltausschuss diskutiert werden. Kreisjägermeister Knoop möchte der Politik zusätzlich noch etwas auf den Weg mitgeben: "In der Öffentlichkeit muss das Thema Wolf stärker thematisiert werden, damit die Bürger die Regulierung akzeptieren." Dass man auch in Zukunft mit dem Wolf lebt, müsse nicht diskutiert werden. (als)

Audrey-Lynn Struck Autor: Audrey-Lynn Struck, am 27.08.2017 um 22:13 Uhr
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