Am 9. September feiert "Kelly Bastian" Premiere im Malersaal

Johanna von Gutzeit (Petra Kelly) und Thomas Wenzel (Gert Bastian) sind die Hauptdarsteller im Stück „Kelly Bastian“. Foto: Alex Sorokin

Petra Kelly, Vorsitzende der Grünen und Friedensaktivistin in den 80er Jahren, und der Ex-General der Bundeswehr, Gert Bastian, teilten nicht nur die gleichen politischen Ansichten; sie hatten über alle Gegensätze hinweg auch die gleichen gesellschaftlichen Visionen. Beide waren Mitglieder des Bundestages. Ihre Überzeugung hatte sie zusammengeführt und sie zu einem Paar werden lassen.

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CELLE. Als der Grünenpolitiker Gert Bastian im Oktober 1992 erst seine Lebensgefährtin im Schlaf und dann sich selbst in der gemeinsamen Wohnung erschoss, wirkte das in der Öffentlichkeit wie ein Schock. Nach dem Sachbuch „Eine tödliche Liebe“ von Alice Schwarzer greift das Schlosstheater in einer Theaterfassung von Wolfgang Menge diese Thematik jetzt wieder auf. „Kelly Bastian“ hat am Samstag, 9. September, mit Johanna von Gutzeit als Petra Kelly und Thomas Wenzel als Gert Bastian im Malersaal Premiere.

Für die junge Regisseurin Carolin Millner ist es ihre erste Inszenierung nach dem Abschluss ihres Regiestudiums in Karlsruhe. „Für mich und wohl auch für Teile der jüngeren Generation ergibt sich die Frage nach politischen Alternativen mit neuen Denkansätzen oder ob wir einfach am Status quo festhalten sollten“, sagt sie, „denn vieles von dem, was in den 70er und 80er Jahren aktuell war, spielt auch heute noch eine Rolle.“ Das Stück erzählt die Geschichte von Petra Kelly und Gert Bastian, wie sie zusammengekommen sind und warum sie Gefallen aneinander gefunden haben. Ihre politischen Ambitionen führten dann allerdings auch zu privaten Problemen. „Die politische Krise und der Weg der Partei, wie ihn sich Petra Kelly vorgestellt hat, trugen letztlich auch zur privaten Beziehungskrise bei“, sagt Carolin Millner, „ihr politischer Abstieg und ihre privaten Krisen sind fast identisch.“

Das Drehbuch von Wolfgang Menge sei in manchen Teilen ungenau, ergänzt Schlosstheaterintendant Andreas Döring, deshalb hätten sie historische Dokumente in das Stück mit eingeflochten. „Das Verdienst an der Recherche gebührt in erster Linie Alice Schwarzer und ihrem Buch. Sie hat darin auch das Thema der Gewalt in der Beziehung in den Blickpunkt gerückt“, sagt er. Gert Bastian käme ja aus einer bestimmten hierarchischen Struktur, die eher auf Gewalt basiere und sein Denken geprägt habe, ergänzt Carolin Millner. Auch Petra Kelly wäre zumindest nicht frei von verbaler Gewalt gewesen. „Es ist also nicht so, dass sie, deren Stiefvater ja auch Soldat war, nur die einfühlsame Frau war. Natürlich predigt sie Gewaltfreiheit, aber in ihrer privaten Beziehung sieht man eben auch ihre verbale Gewalt gegen Gert Bastian.“ So gesehen seien sie sich sehr ähnlich.

„Kelly Bastian“ sei ein typisches Beziehungsstück, das aus vielen einzelnen Szenen besteht, und beleuchtet die Beziehung eher schlaglichtartig. „Ich würde mir wünschen“, fasst die Regisseurin abschließend zusammen, „dass man am Ende des Theaterabends erkennt, dass es sich immer lohnen kann, sich für seine Ideale zu engagieren und stark zu machen. Und vielleicht merkt man ja sogar, welche gesellschaftliche Entwicklung wir von damals bis heute gemacht haben.“

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 01.09.2017 um 19:06 Uhr
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