Tourismus in Lüneburger Heide in Gefahr?

Die Heidschnucken ziehen viele Touristen in die Lüneburger Heide. Nach den Wolfsübergriffen fordert der Dehoga-Kreisverbandjetzt mehr Unterstützung für die Schäfer, damit diese nicht aufgeben müssen. Foto: Schulze, Philipp

Der Dehoga-Kreisverband Celle hat nach den Wolfsangriffen im Landkreis Celle Unterstützung für die Schäfer gefordert. Der Verband sorgt sich, dass ein Ende der Heidschnuckenzucht negative Auswirkungen auf den Tourismus in der Lüneburger Heide hätte.

CELLE. Wir befinden uns im Jahre 2022 nach Christus. Ganz Niedersachsen wird von Millionen Menschen besucht ... Ganz Niedersachsen? Nein! In eine von unbeugsamen Wölfen bevölkerte Region kommen keine Touristen mehr. Dieses Szenario – frei nach den Asterix-Comic-Heften – zeichnet der Dehoga-Kreisverband Celle. „So weit darf es nicht kommen“, sagt der Vorsitzende Benno Eisermann. „Ein wichtiger touristischer Magnet in der Lüneburger Heide sind die Heidschnucken und die Heide.“ Traditionalisten und moderne Fachleute aus dem Tourismus seien sich einig, dass ein Wegfall der Heide und der Schnucken in dieser Region eine Katastrophe wäre.

Die Aussage von Heidschnuckenzüchter Peter Hinnerk Tewes, dass unter den gegebenen Umständen die Haltung der Heidschnucken wirtschaftlich nicht mehr rentabel sei, habe bei den Gastronomen und Hoteliers eine Alarmwirkung erzeugt, denn ohne Heidschnucken würde auch ein gastronomischer Umsatzträger verschwinden. Tewes hatte das Ende seiner Zucht angekündigt, nachdem Wölfe mehrere seiner Tiere gerissen hatten.

"Der Wert der Heidschnucken kann dadurch verdeutlicht werden, dass sie die Kulturlandschaft Heide erhalten, den Lebensraum der Bienen sichern und somit den Imkern eine Existenz bieten und über das regionale Produkt Heidehonig zur Bekanntheit der Lüneburger Heide beitragen", so Eisermann. Weiterhin gehörten die Heideflächen mit den Heidschnucken zu den touristischen Attraktionen im Nordkreis Celle und seien somit ein wichtiger Faktor für die Auslastung der Gaststätten und Hotels in der Region. „Ich appelliere an den Landkreis Celle, den Landwirtschaftsminister Christian Meyer und die niedersächsische Landesregierung, den Heidschnucken- und Schafhaltern in unserer Region jede erdenkliche Unterstützung zukommen zu lassen.“

An einer solchen Unterstützung ist auch die Gruppe CDU, WGL, FDP und Unabhängige interessiert, die in der morgigen Sitzung des Kreistages ihren Antrag auf Verabschiedung einer Resolution zum Thema Wolf einbringt. „Wir fordern die Landesregierung auf, die Wolfsrichtlinie dahingehend zu ändern, dass sämtliche durch Wölfe entstandenen Schäden vorbehaltlos ersetzt werden und die Beweislast zu Gunsten der Geschädigten umgekehrt wird“, sagt Gruppensprecher Torsten Harms. Diese Regelung solle sich auch auf Hobbyweidetierhalter erstrecken.

Wenn die niedersächsischen Wölfe Teil einer Wolfspopulation mit günstigem Erhaltungszustand sind, soll der Bund nach Meinung der Gruppe zudem aufgefordert werden, mit dem Ziel auf die EU-Kommission zuzugehen, den Schutzstatus des Wolfes herabzustufen, um ein wirksames Bestandsmanagement zu ermöglichen. Anschließend solle der Wolf in das niedersächsische Jagdrecht aufgenommen werden.

„Die CDU hat sich in ihrem Programm zur Wahl 2013 dafür gefeiert, den Wolf zurück nach Niedersachsen geholt zu haben“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion und Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt. Die öffentliche Diskussion über eine Resolution zum Wolf helfe den Heidschnuckenzüchtern nicht weiter. „Die Frage ist, was in dem rechtlich sehr beschränkten Rahmen gemacht werden kann“, so Schmidt. Seine Fraktion werde sich daher inhaltlich zu dem Antrag beraten.

Währenddessen rufen der Kreisverband Celle des Landvolkes Niedersachsen, der Verband der Lüneburger Heidschnuckenzüchter und das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagment zur Teilnahme an einem Mahn- und Solidarfeuer am Freitagabend auf. Sie fordern ein bundeseinheitliches Wolfsbestandsmanagment, die Senkung des Schutzstatus des Wolfs, die Umkehr der Beweispflicht bei Wolfsrissen, die hundertprozentige Entschädigung sowie den sofortigen Abschuss von „Problemwölfen“.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 04.09.2017 um 19:55 Uhr
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