Celler Innenstadt vor Zeitenwende

Mit "großem Bahnhof" hat die Stadt in der vergangenen Woche die Fertigstellung der Baustraßen für den ersten Bauabschnitt auf der Allerinsel abgefeiert. Rund um den Celler Hafen sollen die ersten Wohnblöcke entstehen. Bagger werden hier zwar frühestens im kommenden Jahr rollen, doch die offizielle Freigabe der Baustraßen darf als Vorzeichen für die Zeitenwende verstanden werden, die das gesamte Areal aus dem Dornröschenschlaf wecken soll. Auf tiefgreifende Veränderungen müssen sich dann auch die Geschäftsleute in der Innenstadt einstellen, wenn ein paar Jahre später im zweiten Bauabschnitt hunderte von kostenlosen Parkplätzen auf der Allerinsel der Wohnbebauung weichen werden.

CELLE. Übrig bleiben werden nach Stand der Dinge noch 700 Parkplätze im Osten der Allerinsel, eventuell kommen im Westen noch einmal etwa 300 dazu. "Ob wir die 700 Stellplätze bewirtschaften werden oder nicht, wissen wir noch nicht", äußert sich aktuell Stadtbaurat Ulrich Kinder zum Stand der Dinge. Auch eine Teilbewirtschaftung werde in der Stadtverwaltung diskutiert.

Während einige Altstadt-Aktivisten um jeden Parkplatz kämpfen und bereits den Niedergang der Innenstadt prophezeien, sollte der Standortvorteil des kostenlosen Parkens wegfallen, regt sich in anderen Teilen der Kaufmannschaft etwas. Die Mitglieder der neu gegründeten Interessenvertretung "Initiative Celle" machen sich Gedanken darüber, mit welchen Mitteln der Verlust der kostenlosen Stellplätze kompensiert werden könnte.

Dabei greifen sie auf Rezepte zurück, die in anderen Städten schon seit Jahrzehnten gang und gäbe sind: Die Geschäfte erstatten ihren Kunden einen Teil der Parkgebühren, wenn diese etwas eingekauft haben. In dieser Woche werden sich die Mitglieder von "Initiative Celle" über verschiedene Modelle informieren.

Bisher wird der Parkrabatt von den Geschäftsleuten der Altstadt nur sehr stiefmütterlich behandelt. Während Teile der Kaufmannschaft den Wettbewerbsnachteil von kostenlosen Stellplätzen auf der grünen Wiese, etwa bei Wallach oder dem Telefunken-Gelände, beklagen, bieten sie selbst ihren Kunden diesen Service nicht. Gerade einmal eine Handvoll Betriebe verfügt über einen Rabattentwerter. Geschäfte sind nicht dabei, dafür ein Hotel, eine Kanzlei oder auch die Schlosstheater-Kasse.

Teilweise Vergünstigungen gibt es bei Karstadt im eigenen Parkhaus. Bei Saturn können Kunden für eine Stunde kostenlos im Nordwall-Parkhaus ihren Wagen abstellen. Geschäftsführer Matthias Maaß, gleichzeitig Vorsitzender der "Initiative Celle": "Dass Parken Geld kostet, ist mittlerweile selbstverständlich. In Celle muss etwas getan werden."

Das findet auch Stadtwerke-Chef Thomas Edathy, selbst Mitglied in der "Initiative Celle" und "Herr" über die Celler Parkhäuser Nordwall, Tiefgarage Union und Südwall. Er hat das Thema für das nächste Treffen des neuen Gewerbevereins auf die Tagesordnung gesetzt. Zwei verschiedene Modelle möchte er vorstellen.

"Zum einen können die Geschäfte jetzt bereits über uns Entwerter mieten, an denen sie den Rabatt einstellen können. Für die Dauer von fünf Jahren wären das 4 Euro Miete im Monat, bei einem Vertrag über zwei Jahre etwa 10 Euro", so Edathy. Das Problem dieser Lösung: Wenn die Geschäfte die Kunden in Abhängigkeit vom Einkaufswert belohnen wollen, müsste man mehrere Entwerter mit verschiedenen Rabatten hinstellen.

Edathy überlegt daher, ein neues System einzuführen. "Dabei können die Geschäfte auf den Bon einen Barcode drucken, der dann vom Kassenautomaten abgelesen wird. Der Betrag kann dann flexibler gewählt werden", erklärt Edathy. Geschäfte, die nicht über eine solche Kasse verfügten, könnten die Barcodes von den Parkbetrieben auch in verschiedenen Stufen als Papierform erhalten. "Die Umrüstung der Kassenautomaten würde allerdings um die 20.000 Euro kosten. Diese Investition würden die Parkbetriebe nur leisten, wenn es genug Geschäfte gibt, die sich an diesem Modell beteiligen würden", meint Edathy. Geschäftsleute, die sich für die eine oder andere Variante interessieren, können sich bei Edathy melden unter thomas.edathy@stadtwerke-celle.de.

Problem in allen Fällen: Bisher bleiben die Parkgebühren komplett bei den Geschäften hängen. Und das schmälert den Umsatz. Würde man beispielsweise bei einem Einkaufswert von 20 Euro 50 Cent Rabatt aufs Parken gewähren, wären das immerhin noch 2,5 Prozent des Umsatzes. Das kann einigen Kaufleuten schon richtig weh tun.

Gunther Meinrenken Autor: Gunther Meinrenken, am 05.09.2017 um 18:44 Uhr
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