Brückenschlag zur Celler Wirtschaft

Knüpfen an eine alte Tradition an: Die Teilnehmer des Männergesprächsabends „Wie Luther dem Wucher die Leviten las“ in Wietzenbruch. Foto: Christina Matthies

Männer diskutieren in der Kirchengemeinde Wietzenbruch über Luthers Ansichten zu Zins und Wucher.

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WIETZENBRUCH. Diemo Rollert hat die Ärmel hochgekrempelt. „Einen Moment, ich geb Ihnen gleich die Hand“, ruft der Pastor der evangelisch-lutherischen Johannesgemeinde Wietzenbruch. „Ich hab nur noch eben die Brote zu Ende geschmiert.“ Im Gemeindehaus am Steindamm wird an diesem Freitag an eine alte Tradition angeknüpft: Bei Schmalzbrot und Bier treffen sich die männlichen Gemeindemitglieder zu einem Männergesprächsabend. „Die Männergruppe gab es eigentlich schon vor meiner Zeit hier“, erzählt Rollert, der erst im November letzten Jahres das Pastorenamt in Wietzenbruch übernommen hat. Diese Tradition sei dann irgendwann eingeschlafen: „Mal schauen, wie es heute Abend läuft und ob wir da wieder eine Regelmäßigkeit reinbekommen.“

„Wie Luther dem Wucher die Levithen las“: So lautet das – im Jahr des Reformationsjubiläums überaus passende – Thema der Männergesprächsrunde. „Wir wollen quasi einen Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Kirche schaffen“, erklärt Pastor Stephan Eimterbäumter vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Der Referent des heutigen Abends kennt die Wietzenbrucher Johannesgemeinde noch aus seiner Zeit als Vikar – und findet es gut, sich auch einmal nur mit einer reinen Männerrunde auszutauschen. „Man kann sich natürlich fragen, ob es geschlechterspezifische Arbeit heute überhaupt noch braucht“, sagt Eimterbäumer. „Andererseits: Warum nicht mal ein Gesprächsangebot nur für Männer.“

Der Zulauf an diesem Abend gibt ihm Recht: Mit Eimterbäumer und Rollert sind es insgesamt zwölf männliche Gemeindemitglieder, die sich angeregt darüber austauschen, wie man Luthers strikte Ansichten bezüglich des Erhebens von Zinsen oder des Einkaufs von Luxusgütern auf die heutige Wirtschaftswelt übertragen kann. „Das Thema interes­siert mich“, meint Fritz Spiller. Er lächelt verschmitzt. „Und gucken Sie mal – ohne dass ich wusste, dass dieser Gesprächsabend stattfinden wird, habe ich mir aus Berlin ein Original-Luther-Bierglas mitgebracht.“

Spiller kann sich gut an die Zeit erinnern, als es in der Wietzenbrucher Johannesgemeinde noch eine aktive Männergruppe gab. „Wir haben zum Beispiel eigene Männergottesdienste gestaltet.“ Er freut sich darauf, dass es künftig wieder regelmäßig Angebote für Männer geben soll. „Ich denke, dass sich mit dem neuen Pfarrer jetzt was tut.“

Helmut Kornetzke fühlt sich ebenfalls von der Idee einer regelmäßigen Männerrunde angesprochen. „Ich denke, Kirche muss ein Ort sein, der alle Geschlechter und alle Generationen verbindet. Hier bei uns in der Gemeinde gibt es ja auch reine Frauengottesdienste.“ Wichtig sei Kornetzke auch, dass gerade in der Kirche die Verbindlichkeit gepflegt werde, fügt er noch hinzu. „Eine Veranstaltung wie diese trägt dazu bei.“

Im Rahmen eines Gemeindeabends einen Blick auf das aktuelle Wirtschaftsleben zu wagen: Das zeigt, wie modern Kirche sein kann – und das ist von Pastor Diemo Rollert auch entschieden so gewollt. „Wietzenbruch ist ein bunter Stadtteil und die Johannesgemeinde ist eine bunte Gemeinde. Durch moderne Angebote, wie beispielsweise auch das Kinderkirchenkino, das wir planen, erreichen wir vielleicht Leute, die sonst nicht zur Kirche gehen.“

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 10.09.2017 um 16:56 Uhr
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Nachgefragt
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nachgefragt bei Pastor Diemo Rollert

Diemo Rollert ist Pastor der evangelisch-lutherischen
Johannesgemeinde in Wietzenbruch. Der 43-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Was macht Ihre Gemeinde einzigartig? Wir wollen in der Vielfalt des, ja nach wie vor irgendwie besonderen, Ortsteils Wietzenbruch alle Menschen zur Freude am Glauben einladen. Welche Herausforderungen haben Sie aktuell zu bewältigen? Um wirklich für alle Generationen einladend zu sein, haben wir uns einiges vorgenommen. So haben wir neu eine Kinderspielecke in der Kirche und einen Kindergottesdienst eingerichtet. Baulich wollen wir einen barrierefreien Zugang zur Kirche schaffen. Die Kirchengemeinde hat allerdings nicht viel Geld dafür. Wie versuchen Sie, diese zu lösen? Wir freuen uns immer über Spenden und noch mehr über Zeitspenden von Menschen, die die Johannesgemeinde mitgestalten wollen, natürlich auch im Blick auf die Kirchenvorstandswahl im nächsten Jahr.

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