Niederländer bereiten sich im Celler Land auf Ansiedlung des Wolfs vor

Die niederländischen Gäste untersuchen die frische Wolfslosung. Unterstützung bekommen sie von den deutschen Experten. Foto: Joachim Gries

Die Niederländer wollen vorbereitet sein, wenn der Wolf auch in ihre Heimat zurückkehrt und sich dort ansiedelt. 22 junge Holländer haben sich deshalb am Wochenende in Lohheide und im Ostenholzer Moor über das Wolfsmonitoring und -management in Niedersachsen in Theorie und Praxis informiert. Dauerregen und nasse Füße waren vergessen, als sich tatsächlich ein paar Sekunden lang ein Wolf blicken ließ.

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LOHHEIDE. Die ersten Wölfe haben den Niederlanden schon Kurzbesuche abgestattet. Ein junger Wolf aus dem Munsteraner Rudel ließ sich im März 2015 in den Provinzen Drenthe und Groningen blicken. Bei der Rückkehr in heimische Gefilde wurde er auf der Autobahn bei Berkhof überfahren. Anfang März 2017 wurde ein etwa anderthalb Jahre alter Wolf aus dem Rudel Cuxhaven auf der Autobahn 28 zwischen Hoogeveen und Meppel in der Provinz Drenthe ebenfalls Opfer eines Verkehrsunfalls. Da zu erwarten ist, dass die großen Beutegreifer auch das Nachbarland besiedeln werden, haben sich 22 Mitarbeiter der niederländischen Naturschutzorganisation Natuurmonumenten am Freitag im Bundesforstbetrieb Lüneburger Heide in Lohheide und am Samstag bei einer Exkursion auf dem Truppenübungsplatz Bergen darüber informiert, was sie in den kommenden Jahren erwartet.

Bundesförster und Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk berichtete am Freitag über das Wolfsgeschehen in Deutschland seit 1998 und in Niedersachsen seit 2006/2007. Der erste Wolfsnachwuchs auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord kam 2012 zur Welt, ein Jahr später war es auf dem Truppenübungsplatz Bergen so weit. Dort ist im Bereich Ostenholzer Moor seit dem vergangenen Jahr eine weitere Wolfsfamilie heimisch.

„Wir suchen nach Beispielen, wie mit Wölfen umgegangen wird. Wir haben noch keine richtige politische Agenda“, sagte Colinda van der Molen, die bei Natuurdokumenten die Bibliothek betreut. Rund 720.000 Mitglieder hat die Organisation, die etwa 110.000 Hektar Naturschutzflächen sowie hunderte Gebäude und Naturdenkmäler betreut.

Tilk ging auf Wunsch der niederländischen Gäste detailliert auf das Erkennen und Dokumentieren von Wolfsspuren ein und zeigte anhand von Fotografie, Filmen und Grafiken, wie sich Wölfe in Schritt, Trab und Galopp durch die Landschaft bewegen. Auch demonstrierte er, wie Wolfslosung zu erkennen ist. Verena Harms vom Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erläuterte grundlegende Fakten über Wölfe und die Kriterien für ein wissenschaftliches Monitoring. Ihre Kollegin Jennifer Kraushaar ging auf den Schutz von Nutztieren und die Unterstützung durch das Land bei der Prävention von Wolfsübergriffen ein.

„Die Zukunft des Wolfs hängt von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab“, stellte Harms fest. Deshalb gab sie den Niederländern den Rat mit auf den Weg: „Je früher Sie informieren, desto besser ist es.“ Und Tilk ergänzte, dass das durch qualifizierte Personen passieren müsse. „Versprechen Sie nichts, was der Wolf nicht einhält“, stellte er pragmatisch fest.

Einen Wolf werde man nicht sehen, vielleicht seien aktuelle Aufnahmen auf den Fotofallen, dämpfte der Bundesförster zu hohe Erwartungen. Der Dauerregen am Samstagvormittag ließ eine unangenehme Exkursion erwarten. Doch dann kam alles ganz anders.

Schon kurz nach dem ersten Stopp, bei dem Tilk zuvor eingesammelte Losung sowie mögliche Fundorte auf dem Weg oder im Seitenraum als Markierung des Wolfsterritoriums präsentierte, lag mitten auf der Fahrspur eine frische „Wurst“. Und beim nächsten Halt ließ sich unvermittelt in ein paar hundert Metern Entfernung für einige Sekunden ein Wolf blicken, der dann im Gebüsch verschwand. Für ein Foto reichte die Zeit nicht. Mirte Kruit imitierte ein Wolfsheulen, das sie bei einem Praktikum im ostpolnischen Wolfsgebiet im Urwald von Bialowieza gelernt hatte. Doch eine Antwort des Wolfs blieb aus. Die frischen Fährten auf dem matschigen Weg deuteten nach Tilks Ansicht auf einen Jährling aus dem vergangenen Jahr hin. Weitere Wölfe waren dann auf den Aufnahmen einer der Fotofallen zu sehen. Die Spur, die das Tier in der Nacht hinterlassen hatte, war trotz des Regens nach knapp zwölf Stunden im Sand noch zu erkennen.

Spuren, Losung und ein gesichtetes Tier – mit unerwarteter Ausbeute traten die jungen Niederländer die Heimreise an. Die Wölfe werden ihnen folgen, den Weg kennen sie bereits.

Joachim Gries Autor: Joachim Gries, am 12.09.2017 um 08:40 Uhr
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