Celler Politik beerdigt Cramer-Markt

Blick auf das aktuell ungenutzte Gelände an der Ecke 77er Straße/Wehlstraße. Nach dem Aus für das Cramer-Projekt, steht noch nicht fest, was auf der seit Jahren brach liegenden Fläche entstehen soll. Foto: Oliver Knoblich

Fünf Jahre lang hat Jürgen Cramer an der Wehlstraße/77er Straße sein E-Center geplant. Seit gestern Abend ist für den Investor, der 25 Millionen Euro in das Projekt stecken wollte, klar, dass er doch nicht zum Zuge kommen wird. Der Celler Rat hat in einer Sondersitzung, zu der etwa 50 Zuschauer gekommen waren, mehrheitlich dafür gestimmt, den 2012 gefassten Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wieder aufzuheben. CDU, FDP, Unabhängige, und Teile der AfD folgten der Argumentation von Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU), der den Vollversorger mit einer Verkaufsfläche von etwas über 3000 Quadratmeter für nicht innenstadtverträglich eingestuft hatte. SPD und Grüne sowie die Wählergemeinschaft wollten an dem Vorhaben festhalten, BSG/Linke enthielten sich der Stimme.

CELLE. Der Abstimmung ging eine sehr lebhafte Debatte voraus. Die Stimmung im Rittersaal des Celler Schlosses war von Anfang an sehr emotional und teilweise gereizt, wozu unter anderem der Celler Klaus Effinghausen beigetragen hat. Der Bewohner der Blumlage hatte noch am Nachmittag ein Bürgerbegehren, an den Cramer-Planungen festzuhalten, bei der Stadt eingereicht. Während der Sitzung musste er vom Ratsvorsitzenden Joachim Falkenhagen (FDP) mehrmals zur Räson gerufen werden, weil er mit Zwischenrufen störte.

Zu Beginn der Sitzung forderte SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Rodenwaldt, zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden. Er hatte wegen des Bürgerbegehrens rechtliche Bedenken. Doch Stefan Nerreter vom Rechtsamt der Stadt sah die nicht. So begründete zuerst Oberbürgermeister Nigge, warum er das Cramer-Projekt stoppen wollte. Hauptargument: Der Cramer-Markt in diesen Dimensionen sei schädlich für die Innenstadt. "Unternehmen, Touristen und potenzielle Zuzügler werden sich dreimal überlegen, in eine Stadt zu ziehen, deren Innenstadt immer maroder wird."

Alexander Wille (CDU) pflichtete Nigge bei: "Die Großfläche im Einzelhandel ist der Feind der Kleinteiligkeit. Den Online-Handel können wir nicht eindämmen, aber vor Ort für die Innenstadt Sorge tragen." Und Harald Range (FDP) argumentierte: "Wir verstehen die Bewohner der Blumlage, die seit Jahren für einen Vollversorger kämpfen, aber das Sortiment von Cramer bedroht die Fachgeschäfte in der Altstadt." Udo Hörstmann (Unabhängige) machte geltend, dass die Innenstadt mit Internet-Shopping, Parkplatzproblemen und Denkmalschutz schon genug Sorgen hätte. Oliver Müller (BSG/Die Linke), der von Anfang an gegen das Projekt war, erklärte, dass er sich jetzt nur deswegen der Stimme enthalten werde, weil die Stadt keine hinreichenden Gründe genannt habe, den Aufstellungsbeschluss aufzuheben.

Stephan Ohl (Grüne) verstand "die Rolle rückwärts nicht", und dachte dabei vor allem an die etwa 8300 Bewohner der Blumlage. Er appellierte an Nigge, die Verwaltung und seine Ratskollegen: "Nehmen Sie die Sorgen und Nöte der Blumläger endlich ernst und sorgen Sie für einen Vollversorger in der Innenstadt." Auch Jürgen Rentsch (SPD) argumentierte in diese Richtung, sprach von der Blumlage als einem Stadtteil, der vom Einkaufen abgehängt sei. Und Torsten Schoeps (Wählergemeinschaft) verstand den Cramer-Markt ganz anders als Nigge: "Es geht doch nicht darum, die Altstadt kaputt zu machen. Wir wollen doch mehr Menschen in die Innenstadt ziehen und lehnen ein solches Projekt ab?", rief er seine Ratskollegen dazu auf, mit den Planungen fortzufahren.

Doch die Mehrheit des Rates stimmte nach zweistündiger Debatte gegen den Cramer-Markt. Was mit der Brachfläche in der Nähe des Neuen Rathauses nun geschehen soll, steht noch nicht fest. Erste Überlegungen der Stadtverwaltung gehen in Richtung Wohnen.

Gunther Meinrenken Autor: Gunther Meinrenken, am 12.09.2017 um 21:48 Uhr
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