Celler Stadtfest: Bands fackeln musikalisches Feuerwerk ab

Foto: Oliver Knoblich

Es hätte etwas wärmer sein können, doch insgesamt sind die Veranstalter zufrieden: Das Celler Stadtfest 2017 begeisterte tausende Besucher mit künstlerischer Vielfalt, ehrenamtlichen Engagement und einem reibungslosen Ablauf.

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Die Frage, zum wievielten Mal das Celler Stadtfest eigentlich gefeiert wird, sorgte am Wochenende für allgemeine Verwirrung. Einer hatte aber ganz genau mitgezählt: "Es ist die vierte Auflage, denn das Warm-up 2013 spielte sich nur vor dem Celler Schloss ab", stellte Chef-Organisator Wolfgang Reichert klar. Der Vorsitzende des Vereins "Celler Stadtfest" kann sich nicht nur an alle Veranstaltungen, sondern auch an die dazugehörigen Außentemperaturen erinnern: "Das Wetter war diesmal wieder top, aber so kalt hatten wir es noch nie. Das war schade."

Die etwas niedrigeren Temperaturen sorgten wohl auch für etwas niedrigere Besucherzahlen als im Vorjahr. Trotzdem sind die Veranstalter zufrieden. "Es lief alles reibungslos ab", sagte Reichert. Das Fest habe sich in allen Punkten bewährt. Inzwischen würden auch die Wertmarken-Stände von den Besuchern akzeptiert werden, die in der Vergangenheit für Kritik gesorgt hatten. "Letztes Jahr haben sich da mehrere Leute beschwert, dieses Mal habe ich aber nichts gehört", so Reichert.

Die finanzielle Schlussabrechnung liegt zwar noch nicht vor, doch die ersten Prognosen sind positiv. "Wir gehen von einer schwarzen Null aus. Das ist schon gut", sagte der Stadtfest-Chef. Dabei hätten sich die Ausgaben erhöht, vor allem durch die Anschaffung von neuen Zelten sowie das Mieten eines Radladers und eines hydraulischen Hubwagens. Reichert: "Unseren Helfern zuliebe bezahlen wir das gerne."

Angesichts der Auftritte, die wieder bis spät in die Nacht dauerten, bedankte sich Reichert bei den Anwohnern in der Innenstadt: "Wir sind sind uns bewusst, dass manche sehr darunter leiden müssen. Deswegen sind wir superfroh, dass sie den Lärm ertragen."

Mehr als 300 Helfer hatten für das Gelingen des zweitägigen Musikfestivals mit drei Bühnen und fast 50 Bands in der Altstadt gesorgt. Dass die Bereitschaft der Celler groß ist, sich ehrenamtlich zu engagieren, zeigte sich überall. Ganz besonders im Kinderparadies, wo kurzfristig Ersatz für die erkrankte Lena erforderlich wurde. Noch in letzter Sekunde sprangen gleich zwei Helfer bereitwillig ein.

"Der Hit dieses Jahr sind die Kronen. Wir kommen kaum hinterher", sagte Ina Bittkowski am Samstag in der Bastelecke des Stadtfests. Die Sozialpädagogin hatte zwar schon die Deko in der Innenstadt gemacht, half aber trotzdem gerne auch bei der Kinderbetreuung aus. "Ich bin heilfroh, dass Ina noch dazugestoßen ist", sagte ihr Helfer-Kollege Daniel Buth. Schließlich herrschte in der kostenlosen Bastelecke neben der Hüpfburg großer Andrang.

Für Buth gehört soziales Engagement irgendwie dazu. Für den Verein "Helden für Herzen" verkleidet sich der 33-jährige Celler, der eigentlich als Projektmanager bei Konica Minolta arbeitet, als Batman und besucht schwerkranke Kinder in ganz Deutschland. "Die weiteste Strecke, die ich gefahren bin, waren 700 Kilometer", sagte Buth. Im Superhelden-Kostüm werde es schnell ziemlich heiß, bei den herbstlichen Temperaturen am Samstag kam er jedoch nicht ins Schwitzen.

Bittkowski gehört bereits seit drei Jahren zur Stadtfest-Crew. "Die Leute, die hier helfen, sind die nettesten von ganz Celle. Die heißen jeden willkommen", erläuterte die 53-Jährige ihre Mitarbeit. "Wenn man um die 50 ist und in Celle was Schönes machen will, ist man da genau richtig." Ihre Samstagsschicht werde sie allerdings pünktlich beenden. "Ab 19 Uhr höre ich Musik, das habe ich jemandem versprochen." Den Auftritt der Steve Link Band, die ihr neues Albums "Welcome the Sun" vorstellte, wolle sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Der Auftritt der vier Celler war auch in einer anderen Hinsicht bemerkenswert: Weil Gitarrist Martin Huke an diesem Abend seinen 41. Geburtstag feierte, stürmten rund 20 seiner Freunde die Bühne und zündeten für den überraschten Musiker eine Konfetti-Bombe. Huke zeigte sich von der schönen Aktion sichtlich gerührt.

Eine weitere Überraschung gab es beim Auftritt von Harald Dupreé & Pure Music. Weil Bandleader Harald Katzsch demnächst Celle verlässt und ein letztes Mal auf dem Stadtfest auftrat, wurde der Folk-Musiker angemessen verabschiedet. "Unter Musikern ist es üblich, beim letzten Auftritt irgendeine Faxe zu machen", erklärte Drahtzieher Bernd Wengeler später die Aktion.

Unter einem Vorwand hatte Wengeler den Auftritt auf der Schlossbühne unterbrochen. Als die Band die Bühne verlassen hatte, wurde das Bühnenbild schnell umgebaut: Passend zum näcshten Song "Man of Constant Sorrow" aus dem George-Cloney-Film "O Brother, Where Art Thou?" wurden Strohballen herangeschafft und ein altes Mikro aufgebaut. Katzsch durfte anschließend nur mit Strohhut und angeklebtem Bart weiterspielen. "Per SMS hat er nachher geschrieben: Das war mein schönster Auftritt", freute sich Wengeler über die gelungene Überraschung.

Gemäß dem Motto "Ein Fest von Cellern für Celle" kamen fast alle Künstler wieder einmal aus der Region. Neben den etablierten Bands durften auch auch viele Newcomer Bühnenluft schnuppern. Ihren ersten Stadtfest-Auftritt erlebte etwa Laura Amadi von den "Teenage Dirtbags", der Schulband der Oberschule Wathlingen. Trotzdem zeigte sich die 15-jährige Sängerin, die Schauspiel studieren will, ganz abgeklärt. Das verdanke sie vor allem ihrem Musiklehrer und Bandleader Felix Gehrke. Laura: "Er ist der beste Lehrer, den ich je hatte."

Christian Link Autor: Christian Link, am 17.09.2017 um 22:31 Uhr
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