Berufeserie in Celle: Von wegen kinderleicht

Foto: Marie Schiller

100 Kinder zwischen drei und sechs Jahren kommen täglich in die AWO-Kita. In vier Gruppen verbringen sie mit jeweils zwei Erziehern den Tag. „Es ist toll, die Fortschritte der Kinder zu sehen und sie bei der Entwicklung zu begleiten“, erklärt Isabella Grabowski. Erzieher zu sein, ist für sie eine Leidenschaft.

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CELLE. Ben und Conner tapsen auf allen Vieren durch den Kindergarten. Sie bellen um die Wette und rollen tobend durch den Gruppenraum. An ihren Rücken sind blaue und rote Leinen befestigt, die Erzieherin Sarina Becker in der Hand hält. „Heute spielen sie Hund“, erklärt sie lachend. Sogar Kommandos können die beiden Fünfjährigen schon. Sitz, Platz und Männchen klappen auf Anhieb. „Bei dem Spiel managen die Kinder selbst ausgedachte Situationen. Sie artikulieren ihre Wünsche und lernen, Kompromisse einzugehen“, erklärt Gisela Krüger, Leiterin der AWO-Kita.

„Die Arbeit erfüllt mich mit Glück und Zufriedenheit“, betont Isabella Grabowski. Um acht Uhr beginnt für Grabowski der Arbeitstag, manchmal schon um viertel nach sieben. Die ersten Kinder kommen früh in die Kita, weil ihre Eltern pünktlich bei der Arbeit sein müssen. „Die Kinder haben bei uns sehr viel Freiraum“, so Grabowski. „Wir Erzieher sehen uns als Begleiter.“ Sie helfen, wenn es nötig ist, trösten, klären Probleme oder lesen den Kindern etwas vor. „Dadurch wollen wir die Selbstständigkeit fördern.“

Erzieher müssen genau hinsehen

Eine der wichtigsten Aufgaben der Erzieher ist die Beobachtung. Zu jedem Kind bauen sie eine enge Beziehung auf und begegnen ihm auf Augenhöhe. Beim Turnen, Malen, Gedichtaufsagen und Spielen beobachten sie die Kleinen. Dadurch fallen Entwicklungsstörungen auf und können gefördert werden. „Wir dokumentieren Entwicklungsfortschritte und merken, wenn ein Kind sich nicht altersgemäß verhält“, erklärt die Leiterin.

Durch die genaue Beobachtung wissen die Erzieher, was die Kinder interessiert und was sie zum Spielen benötigen. Danach richtet sich die Raumgestaltung. Manchmal setzt sich die Gruppe in einem Stuhlkreis zusammen. Dort haben die Kinder die Möglichkeit, mitzubestimmen, was sie in nächster Zeit unternehmen möchten. „Wir arbeiten hier nach dem situativen Ansatz“, sagt Krüger. „Je nachdem, welche Themen die Kinder beschäftigen, führen wir mit ihnen Projekte durch.“ Eine Gruppe hatte beispielweise Kinder aus sieben Nationalitäten in der Kita. Deshalb sind alle zusammen auf Weltreise gegangen, haben mehr über die Länder gelernt und sogar regionale Spezialitäten gekocht. „Es ist eine Bereicherung, dass wir bunt gemischt sind“, meint Krüger. Auch kulturelle Ausflüge in das Celler Schloss oder in Arbeitsbetriebe der Eltern gehören zum Kita-Alltag. Passend zum Weltkindertag am 20. September haben sich die Gruppen in den vergangenen Wochen mit den Kinderrechten beschäftigt. Jede Gruppe hat sich ein Recht ausgesucht und dieses genauer bearbeitet. Daraus ist ein Plakat entstanden, das in der Kita ausgehängt werden soll.

Zusammenspiel
mit den Eltern

„Ich würde mir wünschen, dass der Beruf mehr Anerkennung in der Gesellschaft bekommen würde“, so Grabowski. Schließlich sind die Ansprüche an Erzieher gestiegen. Bildung ist viel bewusster und präsenter geworden. Kinder sollen früh gefördert und gefordert werden. Das bedeutet mehr Bildungsarbeit von den Erziehern.

Wichtig ist aber nicht nur die Arbeit mit den Kindern sondern auch mit den Eltern. Gemeinsame Feste stärken den Zusammenhalt und fördern den Austausch. Mit Rat und Tat steht die Kita den Müttern und Vätern zur Seite. Vor allem bei Entwicklungsproblemen ist Teamwork gefragt.

Die Kita kooperiert außerdem mit anderen Institutionen, vor allem mit der Schule. Die Einschulungskinder besuchen gemeinsam das Schulgebäude, lernen Räume, Lehrer und Hausmeister kennen. „Damit wollen wir einen guten Übergang von der Kita in die Schule schaffen“, erklärt die Kitaleiterin. Ein Lehrer turnt mit den Kindern in der Schulsporthalle und gewöhnt sie an die neue Umgebung, sodass alle Zweifel und Ängste schnell vergessen sind.

Zur Ausbildung gehören allgemeinbildende Fächer wie Deutsch und Musik. Dazu kommen spezielle Themenfelder wie Psychologie und Pädagogik. Die Ausbildung ist in Module aufgeteilt und beinhaltet schulische und praktische Anteile. Musik, Sprache, Sport und Wahrnehmung sollen die angehenden Erzieher auf den Arbeitsalltag vorbereiten. Auch der Umgang mit Kindern unter drei Jahren und Jugendarbeit wird thematisiert. Mit dem Abschluss steht den Absolventen nämlich nicht nur der Weg in die Kindergärten offen, sondern beispielsweise auch in Kinder- und Jugendheime.

Der zweijährigen Ausbildung zum Sozialassistenten kann eine weitere zweijährige Ausbildung zum Erzieher folgen. Die Chancen, nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz zu bekommen, stehen sehr gut. „Durch den Bau vieler Krippen werden Erzieher händeringend gesucht“, so Krüger.

„Ich bin mir sehr sicher, dass immer mehr Eltern die Ganztagsbetreuung Anspruch nehmen werden“, denkt Gisela Krüger. In den vergangenen Jahren konnte sie beobachten, dass beide Elternteile früh die Arbeit wieder aufnehmen. „Früher war es entspannter und ruhiger in der Gruppe.“ Der Stress liege vor Allem an der Entwicklung der neuen Technologien. „Die Kinder sind überflutet von Reizen, wollen alles wahrnehmen. Es fällt ihnen schwer, sich längere Zeit intensiv einer Sache zu widmen.“ Krüger und Grabowski wünschen sich kleinere Gruppen. Das würde die Erzieher entlasten und ihnen eine noch individuellere Begleitung ermöglichen.

Marie Schiller Autor: Marie Schiller, am 21.09.2017 um 18:10 Uhr
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Informationen

vier Jahre mittlere Reife Kindergartenleiter und
Erwerb von Zusatzqualifikationen, wie „Elterngespräche führen“ oder „Sprachförderung“ etwa 2520 Euro brutto

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