Ein Krimidrama: Mord an Mirco als Filmpremiere

Heino Ferch ist in der Rolle des Chefermittlers zu sehen. Foto: Harald Tittel Foto: Harald Tittel

Daun (dpa) Hunderte Polizisten durchkämmen Wiesen und Felder. Taucher suchen Bäche und Seen ab, Tornado-Jets mit Wärmebildkameras fliegen über Wälder. Alles vergebens. Keine Spur von Mirco.

Nach wenigen Tagen ist Chefermittler Ingo Thiel und seinem Team von der Kripo Mönchengladbach klar: «Wir suchen nach einer Leiche». Sieben Jahre ist es her, dass das Verschwinden des zehnjährigen Mirco aus Grefrath am Niederrhein über Monate bundesweit für Aufsehen sorgte: Er wurde missbraucht, ermordet und im Wald verscharrt. Jetzt ist der Fall Mirco wieder da - verfilmt als Krimidrama.

Am Freitagabend wurde der ZDF-Fernsehfilm «Ein Kind wird gesucht» beim Krimifestival «Tatort Eifel» in Daun (Kreis Vulkaneifel) erstmals gezeigt. Im Publikum saßen auch Mircos Eltern und Geschwister. «Wir wollten gerne dabei sein», sagt Mutter Sandra Schlitter. Der Film sei für sie ein Stück weit Aufarbeitung - wie auch das Buch, das die Eltern 2012 über Mirco veröffentlicht haben und das eine Grundlage fürs Drehbuch war. «Der Film ist schon ziemlich realistisch», sagt Schlitter nach der Vorab-Premiere. Sie ist gefasst, eine Rohfassung hat sie vorher gesehen.

Der Film geht unter die Haut. Auch wenn der Zuschauer weiß, wie der Fall ausgeht - es bleibt über 90 Minuten hochspannend. Das liegt auch an der hochkarätigen Besetzung mit Schauspieler Heino Ferch in der Rolle des Chefermittlers, der bei der Suche nach Mirco nie aufgeben will: «Wir lösen den Fall, wir finden den Jungen!», sagt Ferch als Thiel. Für Ferch war der Dreh im Frühjahr, in der Nähe der tatsächlichen Schauplätze, besonders. «Es ist schon was anderes als wenn man fiktionale Rollen spielt», sagt er.

Er sei angetan davon, wie die Ermittler heute noch unter Strom stünden, wenn sie von dem Fall redeten. «Man merkt, wie das Adrenalin durch ihre Blutadern schießt.» Ihm habe an dem Film gefallen, dass es gelungen sei, «so erschlagend normal und pur» zu erzählen.

Packend auch der Part von Schauspieler Johann von Bülow, der Mircos Vater eindrucksvoll emotional umsetzt. Die Rolle sei «eine große Aufgabe» gewesen. «Man hat das Gefühl, dass die Verantwortung größer ist, weil das eine lebende Person ist, mit der man sich im Vorfeld getroffen hat», sagt er. Mircos Mutter wird von Silke Bodenbender gespielt, die das grausame Wechselspiel zwischen Hoffen und Bangen gelungen auf die Leinwand bringt.

Es sind zwei Ebenen, die im Film verwoben sind. Die Sicht der Familie - und die Suche der Ermittler nach der Wahrheit. Sie hatten im Herbst 2010 eine der bislang bundesweit größten Suchaktionen gestartet - mit einer 65-köpfigen Soko und rund 1000 Beamten im Einsatz. Thiel versprach der Mutter, Mirco zu finden. Der Zuschauer kann Schritt für Schritt verfolgen, wie die Soko nach etlichen Rückschlägen den Fall schließlich nach 145 Tagen löst. Ein Familienvater aus Schwalmtal wird später wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

«Ich bin seit 38 Jahren Polizist. Wir machen knapp 500 Leichen (Fälle) im Jahr. Aber dieser Fall war anders», sagt Thiel (54) über die Akte Mirco. «Er hat uns alle verändert.» Im Film finden sich die Kripo-Beamten wieder. «Ich bin begeistert», sagt Thiel, der 2012 ebenfalls zu dem Fall ein Buch verfasst hat. Der Film solle auch dazu beitragen, aus Fehlern bei der Polizeiarbeit zu lernen.

Der Film werde Anfang 2018 bei Arte gezeigt, im Frühjahr im ZDF, sagt der verantwortliche ZDF-Redakteur Günther van Endert. Es sei auch ein besonderer Film, weil er Polizeiarbeit in ihrer Professionalität zeige - wie dies sonst selten im deutschen Fernsehen der Fall sei. Zudem erweitere er als Krimidrama die Krimipalette insgesamt. «So ein Format gibt es wenig im deutschen Fernsehen.»

Rundum beeindruckt ist das 30-köpfige Team, das den Film auf die Leinwand gebracht hat, von Familie Schlitter. Im Glauben tief verwurzelt und Mitglied in einer Freikirche, hat sie dem Täter verziehen. Sie wolle nicht hassen, um weiter leben zu können, hat sie erklärt. «Wir haben die Schlitters als positive, lebensfrohe Familie kennengelernt, die uns das Recht gegeben hat, über Mirco einen Film zu machen - und ohne die es den Film nicht gegeben hätte», sagt Nils Dünker von der Produktionsfirma Lailaps Pictures.

Birgit Reichert, dpa Autor: Birgit Reichert, dpa, am 23.09.2017 um 13:46 Uhr
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