Schüler helfen Schülern

Draußen auf dem Schulhof malen Kinder mit farbiger Kreide Blumen auf das Verbundpflaster, weiter hinten hangeln sich welche durch Spielgeräte und drinnen in der Schule ist es ruhig: Hier wird gearbeitet, hier werden Hausaufgaben gemacht. Der Duft nach gebackenen Waffeln zieht in die Nase. Es ist die Zeit, in der Schüler Schülern helfen. Es läuft das Projekt Schüler helfen Schülern an der Grundschule Winsen.

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Isa, Anisa, Schamil und die anderen Schulkinder sind auch am Nachmittag in der Grundschule, denn hier werden Hausaufgaben gemacht, hier wird Lesen geübt, hier wird gerechnet, hier werden Waffeln gebacken oder hier laufen auch draußen Aktionen.

An dem Projekt „Schüler helfen Schülern“ (SHS), das es seit 2002 in Winsen gibt, beteiligen sich Größere von der Oberschule Allertal und kleinere Grundschüler. „Es ist ein niederschwelliges Angebot sowohl hier an der Grundschule als auch an der Oberschule“, fasst Projektmitarbeiterin Yvonne Brandes das Konzept zusammen. Es richtet sich an Schüler ab 14 Jahren als Teamer. Die übernehmen Verantwortung, unterstützen die Kinder bei der eigenständigen Erledigung ihrer Hausaufgaben, planen und führen Freizeitangebote durch. „Außerdem finden Freizeitveranstaltungen wie Schwimmen, sozialräumliche Erkundungen, Fahrradtouren, Eis-Disco, Fußball- oder Spieleturniere statt“, sagt Brandes.

Der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen in Celle (VSE) hat die Federführung übernommen. Geprägt durch den Ansatz Hilfen aus einer Hand und auf Grundlage des Handlungsmodells, sich am Jugendlichen zu orientieren, bietet der VSE unterschiedlichste Hilfeformen stadtteilbezogen, lebensweltorientiert und sozialräumlich durch Jugendhilfeeinheiten vor Ort an.

Ältere Schüler helfen
den jüngeren

„Bei diesem Projekt helfen ältere Schüler, die sogenannten Teamer, den jüngeren Schülern bei den Hausaufgaben ebenso wie bei einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung“, beschreibt Brandes das Konzept. Für das Projekt benötigt die Schule zehn bis zwölf aktive Teamer. Die drei Teamer, die im Wechsel täglich kommen, sind ab 14 Jahre alt. Die jüngeren Kinder gehen in die Grundschule oder in die ersten Klassen er Oberschule. „Vieles spricht sich in diesem schulformübergreifenden Projekt über Mundpropaganda rum: Die Jugendlichen erfahren das von anderen, die bereits in dem Projekt sind. Sie kommen, gucken sich das an und nehmen an Teamertreffen teil, die einmal monatlich stattfinden“, ergänzt Erzieherin Nadine Bach. Das sei schon eine echte Ausbildung mit verschiedenen Stationen, und nach einer vierwöchigen Probezeit werde beim nächsten Teamertreffen entschieden und geschaut: Wie hat‘s geklappt, wie gut hat sich der Teamer hier integriert. Nach einer Abstimmung der Teamer gilt die neue Person dann als aufgenommen.

Brandes: „Die Teamer sollten natürlich ein Interesse daran haben, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, um vielleicht auch später in den Beruf des Erziehers oder Sozialassistenten zu gehen.“ Es biete sich hier eine gute Gelegenheit, mal zu schnuppern, ob dieser Beruf etwas für einen ist. „Die Eltern achten darauf, dass, wenn es Schwierigkeiten in der Schule gibt. Sie sagen, lest mit den Kindern, achtet darauf, dass die Hausaufgaben gemacht werden. Sie kommen auch und wissen, dass alle an einem Strang ziehen, damit es auch rund läuft.“

Learning by Doing
hilft allen

Viele teilnehmende Kinder und Jugendliche haben einen Migrationshintergrund. Sie lernen hier die deutsche Sprache. Oder es sind Flüchtlingskinder, die einfach hierher kommen und die ebenfalls die deutsche Sprache erlernen. „Das ist auch Learning by Doing“, findet Brandes.

Die Teamer betreuen die Kinder auf dem Schulhof, motivieren sie. Drinnen werden in einem Raum Waffeln gebacken, während in einem anderen Klassenzimmer Hausaufgaben gemacht werden. Nebenan sind Teamer und Schüler dabei, den Tisch für das gemeinsame Essen zu decken. Denn: „Das ist uns sehr wichtig, dass möglichst viel gemeinsam läuft“, hat für Brandes Priorität.

Dünja Murat-Heso ist in der sechsten Klasse: „Ich find das hier gut, denn man kann hier die Hausaufgaben machen, man kann danach immer noch was spielen und so.“ Und die seien auch alle nett zu einem. „Und das find ich gut. Man kriegt für bestimmte Sachen gute Smileys und Kronen für Sachen, die man herausragend gemacht hat. Man lernt hier sehr viel.“

Teamer haben immer
neue Ideen parat

Wenn etwas kleinere Kinder kommen, die noch nicht so viel wissen, lernen die das auch alles, stellt die Sechstklässlerin fest. „Die Teamer finde ich gut, weil die immer einen Plan haben, was man machen kann oder was man zu spielen hat. Malen. Und ich find das auch alles toll, denn wir gehen auch ins Schwimmbad nach Celle oder in einen Tierpark. Dafür muss man gute Smileys und Kronen sammeln.“

Für Teamer Noak Lewis steht fest: „Es macht mir sehr viel Spaß mit Kindern zu arbeiten. Das habe ich gemerkt, als ich versucht habe, Kinder bei Prügeleien auseinander zu halten. Seitdem habe ich mich als Teamer angemeldet und habe das geschafft. Das war vor einem halben Jahr. Jetzt läuft alles super. Montags nach der Schule mache ich hier zwei Stunden Dienst.“ Denis Murat-Heso ist in Mathe, Deutsch und Englisch durch SHS besser geworden. „Ich habe von meinen Freunden gehört, dass sie bei SHS waren.“

Runaki Geyikei will seinen Mitschülern bei den Hausaufgaben helfen: „Wenn die Probleme haben, können die mich ansprechen. Ich mach mit, weil es Spaß macht, die Kinder ein bisschen zu begleiten, ihnen was beizubringen und für sie da zu sein und für die etwas zu planen.“

Lina Asakora aus Tschetschenien, lebt seit vier Jahren in Deutschland. Ihr Sohn ist Teamer. „Ich habe vier Kinder. Drei Kinder gehen in die Schule und sind bei Schüler helfen Schülern dabei.“ Die Irakerin Shiham Aci Hasan sagt: „Meine Kinder kommen her, um zu spielen und zu essen und zu trinken und Hausaufgaben zu machen. Wir sind seit 15 Jahren hier. Meine Kinder spielen und machen Hausaufgaben, alles gut.“ Und sie lässt sich übersetzen: „Er lernt auch Werte und Normen und wie man sich am Tisch verhält und das zeigt er dann auch immer. Das ist gut.“

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 27.09.2017 um 12:10 Uhr
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Teamer (kein Bild)

Dünja Murat-Heso ist in der sechsten Klasse: „Ich find das hier gut, denn man kann hier die Hausaufgaben machen, man kann danach immer noch was spielen und so.“ Und die seien auch alle nett zu einem. „Und das find ich gut. Man kriegt für bestimmte Sachen gute Smileys und Kronen für Sachen, die man herausragend gemacht hat. Man lernt hier sehr viel.“ Wenn etwas kleinere Kinder kommen, die noch nicht so viel wissen, lernen die das auch alles, stellt die Sechstklässlerin fest. „Die Teamer finde ich gut, weil die immer einen Plan haben, was man machen kann oder was man zu spielen hat. Malen. Und ich find das auch alles toll, denn wir gehen auch ins Schwimmbad nach Celle oder in einen Tierpark. Dafür muss man gute Smileys und Kronen sammeln.“ Für Teamer Noak Lewis steht fest: „Es macht mir sehr viel Spaß mit Kindern zu arbeiten. Das habe ich gemerkt, als ich versucht habe, Kinder bei Prügeleien auseinander zu halten. Seitdem habe ich mich als Teamer angemeldet und habe das geschafft. Das war vor einem halben Jahr. Jetzt läuft alles super. Montags nach der Schule mache ich hier zwei Stunden Dienst.“ Denis Murat-Heso ist in Mathe, Deutsch und Englisch durch SHS besser geworden. „Ich habe von meinen Freunden gehört, dass sie bei SHS waren.“ Runaki Geyikei will seinen Mitschülern bei den Hausaufgaben helfen: „Wenn die Probleme haben, können die mich ansprechen. Ich mach mit, weil es Spaß macht, die Kinder ein bisschen zu begleiten, ihnen was beizubringen und für sie da zu sein und für die etwas zu planen. Wir haben strukturierte Tagesabläufe und planen immer was für draußen und drinnen. - Und man verdient etwas nebenbei.“ Lina Asakora aus Tschetschenien, lebt seit vier Jahren in Deutschland. Ihr Sohn ist Teamer. „Ich habe vier Kinder. Drei Kinder gehen in die Schule und sind bei Schüler helfen Schülern dabei.“ Die Irakerin Shiham Aci Hasan sagt: „Meine Kinder kommen her, um zu spielen und zu essen und zu trinken und Hausaufgaben zu machen. Wir sind seit 15 Jahren hier. Meine Kinder spielen und machen Hausaufgaben, alles gut.“ Und sie lässt sich übersetzen: „Er lernt auch Werte und Normen und wie man sich am Tisch verhält und das zeigt er dann auch immer. Das ist gut.“

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