Evgeni Koroliov glänzt mit großer Musizierkunst in Celle

Konzentriert am Klavier: Ausnahmeerscheinung Evgeni Koroliov im Celler Schloss. Foto: Oliver Knoblich

Evgeni Koroliov ist eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur wegen seines Klavierspiels, sondern noch viel mehr wegen seines so dezenten, ja geradezu schüchternen Auftretens auf dem Konzertpodium.

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CELLE. Er macht kein Aufhebens um sich, sondern geht einfach ans Klavier wie sich andere zum Essen an einen Tisch setzen, konzentriert sich einen Moment und lässt dann seine Finger laufen. Dabei wirkt er wie aus der Zeit gefallen. Allerdings nicht wie in fernen Zeiten, sondern nur wie vor vielleicht 40 Jahren als klassische Konzerte ohne Glamourfaktor das Normale waren.

So spielt er dann seinen Bach. Und das ist fast wörtlich gemeint. Koroliov spielt Bach wie andere irgendwelche kleinen Stücke zum Warmwerden musizeren. Koroliov scheint dabei keine große Konzentrationsleistung aufbringen zu müssen, denn er spielt Bach wie das Selbstverständlichste der Welt. Da ist alles in einem natürlichen Fluss. Jedes Tempo ist stimmig, jede Artikulation wirkt zwingend, jede Phrase ausbalanciert als ob man sie nur so spielen kann. So perfekt durchgehört macht dann sogar das Hören der 15 dreistimmigen Sinfonien – sicher nicht gerade die attraktivsten Konzertstücke Johann Sebastian Bachs – große Freude und wird zu einem geradezu erhebenden Erlebnis. Alleine schon Koroliovs unendliche Anschlagsfeinheiten wahrzunehmen, das bereichert ungemein. Koroliov war, ist und bleibt wohl einer der größten Bach-Spieler unserer Tage.

Etwas anders ist der Eindruck von Koroliovs Mozart-Spiel. Koroliov nimmt Mozart ernst, aber er hat keinen Sinn für die Dramatik und Collagenhaftigkeit der Ecksätze in der F-Dur-Sonate KV 332. So schleift er fast generell die Kontraste des Stückes in einem Maße ab, dass doch viel, ja, zu viel verloren geht. Im ersten Satz spielt Koroliov das punktierte Thema laut statt leise und verschenkt damit den Kontrast zu den laut einsetzenden gebrochenen Dreiklängen, die wiederum durchaus noch kraftvoller im Klang sein könnten. Das wirkt letztlich alles musikalisch erzählend, was diese Musik nun gar nicht ist, und romantisierend. Zu diesem Eindruck trägt auch bei, dass Koroliov hier mit dem rechten Pedal ständig den Klang aufweicht. Ähnliche Probleme gibt es im letzten Satz. Die hier ausnahmsweise mal umfangreichen Laufstärkeangaben von Mozart werden viel zu pauschal wahrgenommen. Oder auch ignoriert. In Folge wird viel zu viel klanglich eingeebnet. Enttäuschend.

Ganz anders dann wieder das Gran Duo für Klavier zu vier Händen von Franz Schubert. Nun holte Koroliov seine Gattin Ljupka Hadzigeorgieva mit ans Klavier und versuchte mit ihr dieses weniger inspiriert wirkende, eher langatmige Stück Schuberts von innen heraus zu beleben. Dass das nur bedingt gelang, das lag nur bedingt an dem Klavierduo sondern in hohem an der knochentrockenen Akustik des Schlosstheaters. Hier wäre nun eine stärkere Benutzung des rechten Pedals, wenngleich es oft auch nur als Halbpedal möglich wäre, eine große Hilfe gewesen, um den Klangkosmos Schuberts besser ausbreiten zu können. So wirkte dieser Schubert nur bedingt überzeugend. Entschädigung gab es dafür dann wieder mit einer wunderbar gespieltem Bach-Zugabe: Der erste Satz aus der C-Dur Orgelsonate: Das war dann wieder große Musizierkunst.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 27.09.2017 um 19:08 Uhr
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