Urmutter aller Musicals: „Westside Story“ in Hannover umjubelt

Dennis Henschel als Riff (links) und Taddeo Pellegrini als Bernardo überzeugen in der auch heute noch topaktuellen Geschichte um zwei rivalisierende Jugendbanden. Foto: Thomas M. Jauk

Eine zeitgemäße Fassung von Shakespeares „Romeo und Julia“ wollten Jérome Robbins und Leonard Bernstein 1957 schaffen und entwickelten mit der „Westside Story“ so ganz nebenbei die Urmutter aller großen Musicals. Zwei rivalisierende Jugendbanden stehen sich gegenüber, die „Sharks“ aus Puerto Rico und die im Land geborenen „Amerikaner“, die „Jets“. Vergebens versucht die Polizei, die Kämpfe zwischen den Gruppen zu verhindern. Dass das Liebespaar Tony und Maria verschiedenen Lagern angehört, macht die Sache am Ende tragisch.

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HANNOVER. Jetzt hat sich die Staatsoper Hannover des Werkes angenommen und landete unter der Regie von Matthias Davids einen durchaus zufriedenstellenden Erfolg. Das allerdings ist gar nicht so einfach zu realisieren in einem Haus, in dem sonst die große Oper eher zu Hause ist als die vermeintlich leichtgewichtigen Formen des Musicals. Dennoch verbindet auch die zweite Aufführung nach der Premiere in hohem Maße sängerisches Geschick mit tänzerischer Leidenschaft und darstellerischer Bestimmtheit.

Regisseur Davids und der Choreograf Simon Eichenberger machen erst gar nicht den Versuch, die Westside-Story von Grund auf zu aktualisieren oder nach Formen des Tanzes auf dem neuesten Stand zu suchen. Der Tanz bezeichnet die körperliche Inbesitznahme der Straße, die der Handlungsort der Geschichte ist. Die Geschichte selbst ist auch heute noch topaktuell und wirkt in der behutsamen Anpassung an moderne Erfordernisse in der hannoverschen Inszenierung keineswegs altmodisch oder überholt.Und dennoch sind Details nicht immer so stringent herausgearbeitet, dass der Zuschauer jederzeit die Übersicht behält. Bühnen­bildner Mathias Fischer-Dieskau und die für die Kostüme zu­ständige Susanne Hubrich haben durchweg düstere, dunkle Farben gewählt, die nicht nur die Zuordnungen der einzelnen Gangmitglieder zu ihren Gruppen erschwert, sondern auch den rasanten Tanznummern, präzise und mit Schwung choreografiert von Simon Eichenberger, viel von ihrer ursprünglichen Explosivität nehmen.

Unter der musikalischen Leitung von Joseph R. Olefirowicz findet das Niedersächsische Staatsorchester zu dynamischer Flexibilität in der Begleitung der Sänger und besonders in den Tänzen zu kraftvollem Tuttieinsatz. Alles in allem: eine gelungene und in sich stimmige Inszenierung, der allerdings eine stärker ordnende Hand gut getan hätte. Der Beifall war dennoch begeistert.

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 04.10.2017 um 19:41 Uhr
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