Verbleib von Känguru bei Familie in Bergen weiter ungewiss

Viggo und Robin spielen liebend gern im Garten, der jetzt auch Verstecke für das Känguru bereit hält. Der Kreis ist mit der Haltung aber nach wie vor nicht zufrieden. Foto: Michael Schäfer

Vom trüben Herbstwetter haben sich Robin und Viggo am Mittwochvormittag nicht stoppen lassen, voller Freude tobten sie durch den Garten in Bergen. "Wir spielen Fangen – das liebt er", erzählt der Sechsjährige. Wenn das Känguru sich das Spiel aussuchen dürfe, werde immer Fangen gespielt. Er bevorzuge dagegen Verstecken. Wie lange der Junge und das Rotnackenwallaby noch gemeinsam im Garten spielen dürfen, ist allerdings ungewiss. "Die Voraussetzungen für die Haltung des Kängurus im Garten sind weiterhin nicht erfüllt", sagt Landkreis-Pressesprecher Tore Harmening. "Daher behält sich der Kreis weitere Schritte vor."

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BERGEN. Dabei hatten Benjamin Müller und seine Partnerin Sandra Arndt, die das inzwischen zweieinhalb Jahre alte Känguru mit der Hand aufgezogen haben, nach dem Besuch der Amtstierärzte in der vergangenen Woche ein gutes Gefühl. "Sie hatten nichts mehr zu beanstanden", sagt Müller. "Ich hoffe, dass jetzt Ruhe an der Front ist."

In der Darstellung des Landkreises klingt das allerdings anders. "Den Amtstierärzten wurde die eingehende Begutachtung des Kängurus nicht gestattet", so Harmening. Arndt bestätigt, dass Viggo vor den Amtstierärzten auf seinen Lieblingsplatz auf dem Balkon getürmt sei. "Seitdem er gechipt wurde, hat er Angst vor Ärzten – der Pikser hat ihm gar nicht gefallen", sagt Arndt.

Und auch die anderen Umgestaltungen im Garten, die ihm aus Sicht der Behörde zugute kommen sollen, ignoriert Viggo größtenteils. "In seiner Hütte haben wir nach den Vorgaben des Landkreises eine Sandkuhle gebaut", erzählt Müller. "Er benutzt sie aber nicht." Und auch die Sträucher, die gepflanzt wurden, damit er sich dahinter verkriechen kann, hat er lieber abgefressen, statt sich dahinter zu verstecken.

Zumindest die Äste, die die Familie gesammelt und im Garten aufgestellt hat, nutzt das Känguru, dessen Mutter kurz nach der Geburt in einem Tierpark in Karlsruhe gestorben ist, als Versteck. "Am liebsten sitzt er aber auf dem Balkon", erzählt Müller. Zumindest dann, wenn er nicht mit Robin und seinen Freunden im Garten spielt. "Robins Freunde wollen oft gar nicht mehr nach Hause gehen", erzählt Müller lachend.

Seit August 2015 lebt Viggo – der eigentlich Funny heißen sollte, weil es für ein Weibchen gehalten wurde – bei der vierköpfigen Familie, zu der auch die 12-jährige Angela gehört. Im Februar zog die Familie in ein Reihenhaus in Bergen. Im Juli sorgte Viggo bundesweit für Schlagzeilen, als er aus dem Garten ausbüxte.

"Die Veterinäre des Landkreises haben bei der Begehung weiterhin Mängel in Bezug auf das Tiergehege festgestellt", sagt Harmening. Das betreffe die Größe des Areals als auch die Strukturierung des Geheges, die für die Haltung eines Kängurus notwendig seien. Der Gesetzgeber schreibt für die Haltung von bis zu fünf Säugetieren einen Raumbedarf von mindestens 200 Quadratmetern vor. Die Gehegefläche im Garten beläuft sich aber nur auf knapp 150 Quadratmeter.

"Für fünf Kängurus reicht eine 200 Quadratmeter große Fläche, aber Viggo hat bei uns nicht genügend Auslauf?", hinterfragt Arndt den Sinn dieser Verordnung. Und auch die nach wie vor bestehende Forderung des Veterinäramtes, das Känguru mit Artgenossen zu vergesellschaften, versteht die Berger Familie nicht. "Kängurus dieser Art sind Einzelgänger und Viggo kennt nichts anderes als uns", sagt Arndt. Robin ergänzt: "Wir sind jetzt seine Familie."

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 11.10.2017 um 17:47 Uhr
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