Was das Bio-Buch verschweigt: Pubertät auf Celler Bühne

Rebekka Reinholz entführt die Zuschauer als Marie in die chaotische Welt der Pubertät. Foto: Nicolas Huart

„Sie wird jetzt groß“, sagen die Erwachsenen – und meinen damit die Zeit, in der sich alles so schön und scheußlich gleichzeitig verändert und man oft neben sich steht, weil man sich selbst nicht mehr kennt. "Pubertät" nennen es die Wissenschaftler, aber das ist für Marie (Rebekka Reinholz) nur ein Wort ohne Inhalt – und ohne Antworten. Die 14-Jährige steht jedenfalls mittendrin und versucht sich in all dem, was sich verändert hat, wiederzufinden – in ihrem Kopf und in ihrem Körper: Wo stehe ich, wo will ich hin, wie behaupte ich mich – und wie funktioniert das eigentlich mit Küssen, Lust und Sex?

CELLE. Das Schlosstheater Celle bringt mit „Intim – oder Bienen küsst man nicht“ ein Ein-Frau-Stück über diesen „Zustand“ Pubertät für Zuschauer ab zehn Jahren auf die Turmbühne. „Es gibt dafür keine vorgefertigte Geschichte, vielmehr ist es eine Stückentwicklung – also das Resultat von einer umfangreichen Studie und Recherche. In der Pubertät gerät alles irgendwie aus der Form. Der eigene Körper, Freundschaften, Beziehungen zu anderen und zu sich selbst. Der Weg geht aus der Kindheit, aber wohin? Wir haben sehr persönliche Interviews mit Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 20 geführt. Darüber, wie sie sich fühlen, was sie beschäftigt, welche Vorstellungen, Ängste und Erwartungen sie haben – oder wie sie diese Zeit rückblickend beschreiben“, fasst Aline Bosselmann, Theaterpädagogin und Regisseurin des Stücks, zusammen.

„Intim“, das bedeutet in erster Linie „sehr persönlich“. Für pubertierende Jugendliche steht vor allem die körperliche Beziehung zu sich und anderen im Fokus – der erste Kuss, das erste sexuelle Berühren, die eigene Körperlichkeit. Zwischen Wunschtraum und Realität scheint oft ein unüberwindlicher Graben zu stehen. Um ihn zu überwinden, braucht es vor allem Kommunikation. Aber mit wem spricht man, welche Worte findet man zwischen Peinlichkeit und Scham?

Marie hat an so einigem zu knabbern: Da sind die Eltern, die sich getrennt haben und die Mutter, die ein Kind von ihrem Freund erwartet. Da ist ihr Bruder, der sich als schwul outet. Und da sind ihre ganz neuen Gefühle für einen Jungen und ihre „beste Freundin“, die sich plötzlich so komisch verhält – so viele offene Fragen. „Marie steht als Stellvertreterin für alle, die diese Lebensphase mitmachen. Man kann nicht alles reinpacken in so ein Konzept, aber wir haben versucht, die wesentlichen Sehnsüchte, Probleme und Enttäuschungen aufzunehmen und dabei wirklich authentisch zu bleiben“, so Bosselmann.

Mit „Intim – oder Bienen küsst man nicht“ ist eine „Stellvertreter-Geschichte“ entstanden, in der die Fragen gestellt und behandelt werden, die sich weder im Aufklärungsunterricht oder aus dem Biologiebuch beantworten, noch an Eltern oder andere Erwachsene gestellt werden – und deshalb oft lange unbeantwortet bleiben und „Antworten“ stattdessen aus projizierten Erwartungen, Fehlinterpretationen und Vermutungen gezogen werden.

Marie ist eine von allen, die in diesem pubertären Entwicklungskreis stecken. Sie sucht und sie probiert, hat Fragen, die sie nicht stellt, traut sich und verzagt. Ihre Geschichte, die sich etwa in einem Zeitraum über zwei Wochen erstreckt, soll eine Brücke bauen zu allen und für alle, die sich das Stück anschauen. Denn über das Zuschauen wird ein neuer Ansatz geschaffen, über sich und seine persönlichsten Gefühle zu reden.

Die Premiere von „Intim – oder Bienen küsst man nicht“ findet am Samstag, 21. Oktober, ab 18 Uhr auf der Turmbühne des Schlosstheaters in Celle statt. Weitere Termine: 27.Oktober, 12. November, 23. November, 8. Dezember, 14. Dezember, 19. Dezember – jeweils ab 18 Uhr.

Doris Hennies Autor: Doris Hennies, am 12.10.2017 um 17:25 Uhr
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