Celler Ortsumgehung nahm schon 1927 ihren Anfang

Die Trasse des Wilhelm-Heinichen-Rings in Klein Hehlen (oben) um 1960 herum, das Bild von der Aufschüttung (aus Richtung Westercelle aus fotografiert) ist einige Jahre früher geschossen worden. Die Aufschüttung ist aber schon in den 30ern entstanden. Foto: Stadtarchiv Celle

Immer wieder kann man der örtlichen Presse entnehmen, dass der geplante und projektierte Bau einer Umgehungsstraße von Celle auf Widerstände verschiedener Art stößt. Klagen werden eingereicht und Gerichte müssen entscheiden, ob und wenn ja, wie die Trasse verlaufen soll. Der Straßenneubau folgt leider nicht dem Verkehrsaufkommen unserer Zeit!

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Immer wieder kann man der örtlichen Presse entnehmen, dass der geplante und projektierte Bau einer Umgehungsstraße von Celle auf Widerstände verschiedener Art stößt. Klagen werden eingereicht und Gerichte müssen entscheiden, ob und wenn ja, wie die Trasse verlaufen soll. Der Straßenneubau folgt leider nicht dem Verkehrsaufkommen unserer Zeit!

Sollte dieses Projekt mit der Querung der Aller nicht zur Durchführung kommen, so ist auch der dritte Versuch seit knapp einhundert Jahren, um Celle eine Umgehungsstraße zu bauen, gescheitert.

Doch der chronologischen Reihenfolge nach: Wir blicken in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, der Wirtschaftskrisen und auf die hohe Zahl der Arbeitslosen. Man kannte noch keine asphaltierten Straßen. Lastkraftwagen hatten noch überwiegend Vollgummireifen und es rumpelte in der Stadt recht ordentlich. Man befürchtete Schäden an den alten Fachwerkhäusern. Um den Langzeitarbeitslosen zeitweilig Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, ließ die Stadt eine Reihe von Notstandsarbeiten durchführen.

Das bedeutendste Projekt war die seit langem geplante und von Februar bis November 1927 durchgeführte Anlage eines Deiches, der die Altenceller-Vostadt (St. Georgstraße /Blumlage) vor dem bei Hochwasser der Aller auftretenden Überschwemmungen schützen und zugleich als Verbindungsstück einer geplanten Umgehungsstraße von der Hannoverschen Heerstraße über die Aller hinweg zur Lüneburger- und Harburger Straße dienen sollte. Während dieser Allerschutzdeich seinen erstgenannten Zwecke fortan vollauf erfüllte, wurde die Umgehungsstraße jedoch niemals gebaut, so dass Celle die durch das wachsende Verkehrsaufkommen in der Innenstadt verursachte Probleme bis heute dauerhaft erhalten blieb.

Der nächste Anlauf zu einer funktionierenden Umgehungsstraße erfolgte einige Jahre später. Es sollte ein Verkehrsring rund um Celle sein und vierspurig ausgebaut werden. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges im Herbst 1939, stoppte dieses großzügige Vorhaben. Lediglich die Aufschüttung der Westrampe zur Brücke über die damalige Reichsbahn (Parkplatz real), wurde noch ausgeführt.

Nach dem verlorenen Krieg hatte man andere Sorgen; denn Celle hatte durch Flüchtlinge aus den Ostgebieten und den Ausgebombten die doppelte Anzahl von Einwohnern zu verkraften und die dadurch entstandene Wohnungsnot war groß. Erst nach der Währungsreform im Sommer 1948 normalisierte sich das tägliche Leben allmählich wieder und man machte sich Gedanken, wie es mit der angefangenen Umgehungsstraße weitergehen sollte.

Es herrschten nun andere politische Verhältnisse und es war nicht mehr so einfach, den vorhandenen Plan umzusetzen. In der NS-Zeit wurde geplant, angeordnet und durchgeführt! Jetzt aber musste mit den betroffenen Grundstückseigentümern verhandelt werden. Die damals noch selbstständige Gemeinde Westercelle sperrte sich, würde doch durch diese Baumaßnahme das Dorf geteilt werden.

So wurde unter der Federführung des Landkreises Celle, an dessen Spitze Dr. Axel Bruns stand, in der geplanten Trasse die Grund- und Realschule Westercelle gebaut. Damit war das Vorhaben, einen großzügig angelegten Verkehrsring rund um Celle zu bauen, gescheitert und die Umgehungsstraße endet bekannterweise bereits bei der Hannoverschen Straße.

In der anderen Richtung, Richtung Westen, sah es auch nicht viel besser aus. Der gesamte Ring rund um Celle, war für vier Spuren geplant. Doch schon beim Waldfriedhof gab es Einschränkungen und man baute hier, der Not gehorchend, die Straße nur zweispurig aus. Im Neustädter Holz wurde, aus mir unbekannten Gründen, nun dreispurig weiter gebaut, obwohl genug Platz und Raum zur Verfügung stand. Die Brücke über die Aller, auch hier für vier Fahrspuren geplant, wurde wiederum für zwei Spuren gebaut, obwohl die Fundamente, die sogenannten Widerlager, für eine vierspurige Autobrücke gegossen wurde. Das mag verstehen, wer will!

Die nun zweispurige Schnellstraße in Klein-Hehlen wurde gebaut und endet bekannterweise bereits bei der Kreisstraße zwischen Celle und Boye. Sie sollte ursprünglich bis zur Bundesstraße 3 bei Groß-Hehlen weitergeführt werden, um zumindest einen Teil des geplanten Verkehrsringes zu verwirklichen. Dadurch hätten auch die beiden Dörfer Groß Hehlen und Klein Hehlen provitiert, denn sie hätten im Gegensatz zu heute kaum nervigen Durchgangsverkehr zu verzeichnen.

Leider regte sich auch hier durch einen Landwirt erheblicher Widerstand, weil er befürchtete, dass durch die neue Umgehungstraße seine Felder durchtrennt würden. Letztlich wurde durch den Rat der Stadt Celle der weitere Ausbau erst einmal zurück gestellt.

Im Grunde haben die motorisierten Verkehrsteilnehmer es zwei lieben Mitbürgern zu verdanken, dass sie den täglichen Wahnsinn auf unseren Straßen in Celle genießen dürfen! Es ist zu hoffen, dass der aktuelle Anlauf zur neuen Umgehungsstraße gelingen möge, sonst hat Celle tatsächlich drei Torsos angefangener Umgehungsstraßen in den vergangenen knapp einhundert Jahren zu verzeichnen.

1927

Von Februar bis November wird der Allerdeich gebaut. Er soll der Trasse dienen.

Frühe 30er

Die Aufschüttung der Südtangente vor den Bahngleisen entsteht.

22.8.1938

Auf einem Lageplan des Landesbauamtes ist eine der heutigen Trasse sehr ähnliche eingezeichnet. In zwei Varianten führt die Ostumgehung an Celle vorbei, hat FDP-Politiker Joachim Falkenhagen im Jahr 1998 herausgefunden.

1939

Der Zweite Weltkrieg stoppt die Umsetzung der Celler Ortsumgehung.

1959

Die Stadt Celle beschließt einen Baunutzungs- und einen Wirtschaftsplan, in dem eine Ostumgehung enthalten war.

1960 bis 1963

Bau des Wilhelm-Heinichen Rings.

1962/1963

Die Stadt Celle stellt den ersten Generalverkehrsplan mit einer Ostumgehung Celle auf.

1964

Bau der Brücke über die Gleisanlagen beim heutigen Real-Markt.

1968/69

Raumordnungsverfahren zur zweibahnigen (autobahnähnlichen) Verlegung der B 3 für den Abschnitt der Ostumgehung, von der B 214 (mit kurzem Anschluss an die B 3 im Süden) bis zur B 3 zwischen Celle und Groß Hehlen im Norden.

1976 bis 1979

Für den Abschnitt der Ostumgehung Celle wird Anfang 1976 das Planfeststellungsverfahren bei der damaligen Bezirksregierung Lüneburg eingeleitet, das mit dem Planfeststellungsbeschluss vom 24. August 1979 endet. Nach zahlreichen Klagen hebt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg diesen Beschluss auf.

20. 12. 1994

Raumordnungsverfahren für die Verlegung der B 3 im Raum Celle/Wathlingen einschließlich Ortsumgehungen Celle und Groß Hehlen wird mit der landesplanerischen Feststellung für die beantragte Variante 11 mit Tunnel abgeschlossen.

Sommer 1998

Die Abschnitte der Celler Ostumgehung (mit Brücke) werden geplant.

27.3.1999

250 Bürger kommen zu einer Podiumsdiskussion über die Ostumgehung. Das Podium ist sich einig, dass Celle eine Ostumgehung braucht.

2.5.2007

Feierlicher Baubeginn des B 3-Abschnitts von Ehlershausen nach Celle.

3.6.2009

Abschnitt Ehlershausen nach Celle (7,35 km) wird für den Verkehr freigegeben.

3.6.2009

Baubeginn des Abschnitts von Celle-Süd bis nach Altencelle (3,2 km).

22.4.2016

Oberverwaltungsgericht stellt die Rechtswidrigkeit des Planfeststellungsbeschlusses für den Teil von Altencelle über eine 435 Meter lange Allerbrücke nach Altenhagen fest. Der Grund: Fledermausschutz.

Ende 2017

Das Bundesverwaltungsgericht will darüber entscheiden, ob der Abschnitt von Altencelle nach Altenhagen weiter verfolgt werden darf.

Rudolf Peterson Autor: Rudolf Peterson, am 19.10.2017 um 18:49 Uhr
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