Regisseur Ralf Siebelt: „Theater als Ort von Austausch“

Ralf Siebelt Foto: privat

Den Zuschauern das Denken abnehmen? Nein, das käme Ralf Siebelt nicht in den Sinn. „Das ist ja gerade das Spannende am Theater, dass man den Leute nichts vorsetzt, bei dem sie nicht mehr selber denken müssen“, betont der Regisseur. „Stattdessen kann man das Geschehen auf der Bühne zum Anlass nehmen, um mit den Menschen in Begegnung zu treten.“

CELLE. Siebelt ist in Celle kein Unbekannter. Von 1997 bis 1999 war er Hausregisseur am Schlosstheater, inszenierte „Top Dogs“ von Urs Widmer oder die Callas-Hommage „Meisterklasse“ von Terrence McNally. Jetzt ist er zurückgekehrt zu einem Gastspiel in der Herzogstadt, führt Regie in „Biedermann und die Brandstifter“. Der zeitlose Klassiker von Max Frisch feiert heute um 20 Uhr auf der Hauptbühne des Schlosstheaters Premiere.

„Ich bin keiner, der ein Stück kaputthaut“, sagt Siebelt von sich selbst. „Wenn ich Biedermann mache, ist da auch Biedermann drin.“ Man müsse sich mit dem Originaltext auseinandersetzen, findet er. „Wenn man sich näher damit beschäftigt, macht es Laune, in den alten Kamellen etwas zu entdecken. Ich muss aber auch meine persönlichen Erfahrungen einbringen können, sonst macht das keinen Sinn.“

Und Erfahrungen hat Siebelt reichlich gesammelt: Bereits seit 1995 arbeitet er als Regisseur, war Mitglied der Theaterleitung am Theater der Stadt Aalen und am LTT Tübingen. Mehr als 70 Inszenierungen hat der studierte Theaterwissenschaftler mittlerweile realisiert, darunter so besondere Projekte wie die Zusammenarbeit mit Strafgefangenen der JVA Salinenmoor und der JVA Fuhlsbüttel.

Seine Zeit in Celle betrachtet der Regisseur im Nachhinein mit durchaus gemischten Gefühlen. „Ich war jung und habe ziemlich heftig versucht, frischen Wind in das vermeintlich verstaubte Schlosstheater zu bringen“, erinnert er sich und muss dann doch ein wenig schmunzeln. „Ich habe viel zu wenig darauf geachtet, in guten Kontakt mit dem Publikum zu treten.“

Die Kooperation mit der JVA Salinenmoor sei ebenfalls aus der Überlegung heraus entstanden, wie man Neues in die Stadt Celle hineinbringen könne, erzählt Siebelt. „Also haben wir im Knast angefragt und mit den Strafgefangenen Theater gemacht. So ein Projekt ist spannend, es macht auch persönlich was mit einem.“ Deswegen bedauere er es auch, das die Kooperation mit der JVA Celle nach seinem Weggang eingeschlafen sei – es täte Celle gut, nicht immer zu verdrängen, dass es da noch ein Gefängnis gebe.

Menschliche Muster und Verhaltensweisen sind es, die den Regisseur letztendlich am meisten interessieren. „Ich finde es wunderbar, dass Theater heute fast schon gezwungen sind, sich zu positionieren. Ansprechbar zu sein, Kommunikationsort zu sein, Theater als Ort von Austausch zu begreifen – der direkte menschliche Kontakt ist für mich das Wichtigste.“

Christina Matthies Autor: Christina Matthies, am 02.11.2017 um 18:13 Uhr
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