Cellospiel aus Leidenschaft im Celler Schlosstheater

Foto: Michael Schäfer

Was für eine Vollblutmusikerin: Die amerikanische Cellistin Alisa Weilerstein gastierte zusammen mit ihrem Klavierpartner Inon Barnatan beim Kammermusikring im Celler Schlosstheater. Der Abend wurde, mit wenigen Abstrichen, zu einem einzigen Musikgenuss.

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CELLE. Schon die Programmzusammenstellung war vielversprechend: Zwei bekannte große Sonaten, eine wunderbare Rarität von Strawinsky und ein gerade vor gut zwei Wochen uraufgeführtes Stück aus den USA. Sieht man einmal von diesem wenig eindrucksvollen Stück von Steven Mackey ab, in dem man miterleben konnte, wie es klingt, wenn ein Komponist keine eigene Sprache findet, sondern ständig höchst fragwürdig zwischen diversen Imitaten hin und herspringt. Da klang es mal nach überdrehter später Romantik, dann wieder nach Impressionismus, mal fühlte man sich erinnert an Hindemith, dann wieder an die Wiener Moderne der Zwanziger Jahre. Und alles, was noch moderner klang, wirkte so, als hätte man Ähnliches schon vor vielen Jahren deutlich dichter und besser gemacht von anderen Komponisten gehört. Schade, denn es gibt für diese Instrumentenkombination so viel inspirierte Neue Musik. Aber egal: Dafür waren die drei anderen Werke Hochkaräter. Und sie wurden auf exquisitem Niveau gespielt, allem voran die „Pulcinella“-Suite von Igor Strawinsky und die D-Dur-Sonate von Ludwig van Beethoven.

Der Zugriff Weilersteins auf Strawinskys war einer, der aus dem Bauch heraus gesteuert wurde. Trotzdem hatte man nie das Gefühl, dass etwas außer Rand und Band ablaufen würde. Mit leidenschaftlichem Zugriff setzte sie die so pointierte Musik Strawinskys lustvoll um und ließ dabei keine Ausdrucksnuance außen vor. Unterstützt wurde sie von einem Klavierbegleiter, der nicht nur wunderbar transparent und präsent an seinem Instrument agierte, sondern auch enorm farbenintensiv spielte und sich bei aller Profilschärfe des eigenen Spiels nie in den Vordergrund drängte: Eine annähernd perfekte Begleitung.

Ähnlich überzeugend geriet die Beet-
hoven-Sonate. Ungemein faszinierend gelang der langsame Satz, in dem Weiterstein bis an die Grenze zum Nicht-mehr-Hörbaren ging, die Musik dabei fast zum Stillstand brachte und selbst in diesen leisesten Passagen einen tragfähigen und vielfältig gestalteten Ton bis in die letzten Reihen übermittelte. Unglaublich, wie Weiterstein mit minimalem Klangvolumen eine solche Tragfähigkeit im Ton erreichte. Dann der einzigartige Schlusssatz, eine überaus virtuose Fuge, die in ihrer zerklüfteten Faktur an die viel berühmtere Fuge in der beethovenschen „Hammerklaviersonate“ erinnert. Alleine schon wie die beiden Musiker diese Fuge glasklar und klangmächtig, dabei markant phrasiert und mit weitem Atem gestaltet ausbreiteten, das war schon den Besuch dieses Konzertes wert. Seinen Abschluss fand es in einer fulminanten Wiedergabe der F-Dur-Sonate von Brahms.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 03.11.2017 um 08:59 Uhr
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