Brandserie im Hehlentorgebiet: Feuer zerstört zwei Autos einer Familie

Foto: Feuerwehr

An einen ruhigen Schlaf ist momentan nicht zu denken. In der Nacht werden die Erinnerungen wieder wach. An das Blaulicht, an die Feuerwehr und an den Geruch der Löschmittel. An die brennenden Fahrzeuge und all die Erinnerungen, die sie damit verbinden. An die Hilflosigkeit und die Frage, warum es ausgerechnet sie getroffen hat. „Es kommt uns vor, als wäre es gestern gewesen. In unserem Alltag dreht sich alles nur noch um diese eine Nacht“, sagen Bernhard und Martina Wittkowski (Namen von der Redaktion geändert). Es ist die Nacht am 2. November, als gegen 22.30 Uhr auf dem Parkplatz in Höhe des Kleingartenvereins Carlslust an der Wittinger Straße im Hehlentorgebiet in Celle drei Autos in Flammen aufgehen und komplett zerstört werden. Zwei davon gehören der Familie.

HEHLENTOR. Das Ehepaar erinnert sich noch genau an die Nacht, die im Augenblick sein Leben bestimmt. „Mein Mann ist gerade erst nach Hause gekommen, als unsere Nachbarin plötzlich klingelte und sagte, dass auf dem Parkplatz mehrere Autos brennen und alles voller Feuerwehr und Polizei ist“, sagt Martina Wittkowski. „Wir sind sofort rausgerannt und haben gesehen, dass es unsere Autos sind, die da brennen.“ Es sei wie in einem „falschen Film“ gewesen. „Alles hat geknallt, geraucht und geschäumt und nach Chemikalien gerochen. Es hat gedauert, bis wir realisiert haben, dass das, was da gerade passiert, real ist“, sagt das Ehepaar.

Bei dem Brand werden der Kleinwagen und der Multivan der Familie komplett zerstört. Der finanzielle Schaden sei nur die eine Seite. An dem Bus hängen so viele Erinnerungen an gemeinsame Urlaube des Ehepaares und seiner Tochter. „Er war unser Reisemobil. Durch das Feuer ist uns die komplette Grundlage für unsere Freizeit und unser großes Hobby entzogen worden“, sagen Wittkowskis. Auch in ihrem Alltag sind sie auf die Fahrzeuge angewiesen. „Wir sind beide berufstätig und brauchen die Autos“, sagen sie. Sie haben im Moment einen Leihwagen, Familie und Freunde helfen ihnen in der schwierigen Situation. Die beiden Fahrzeuge sind vollkaskoversichert. Die genaue Schadenssumme steht noch nicht fest. „Wir hoffen, dass wir die Details mit der Versicherung schnell klären können und nach neuen Autos schauen können.“

Für ihre Nerven sei die Situation extrem belastend. „Man fühlt sich körperlich ausgelaugt und funktioniert nur noch“, sagen sie. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. „Warum hat es ausgerechnet uns getroffen? Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen. Es ist ein Gefühl der Ohnmacht“, sagen sie. Glücklicherweise sei niemand verletzt worden.

Nach diesem und weiteren Fällen von Autobränden im Stadtgebiet fahndet die Polizei nach einem Serienbrandstifter. „Wir ermitteln wegen vorsätzlicher Brandstiftung“, sagt Polizeisprecher Torsten Wallheinke. Hinweise zu Tätern gebe es noch nicht. Nur die Vermutung, dass es sich um Serien-Brandstifter handeln könnte: „Erste Untersuchungen an den Tatorten haben ergeben, dass Brandbeschleuniger benutzt wurde.“ Die Polizei könne sich vorstellen, dass auch ein Zusammenhang zu Fällen aus dem vergangenen Jahr bestehen könne.

Die Polizei werde ihre Streifentätigkeit der Situation anpassen, sagt Wallheinke. „Besonders setzen wir jedoch auf Aussagen von Zeugen. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat – egal wie unwichtig das zunächst ausgesehen haben mag – sollte sich bitte unbedingt bei uns melden.“ Auch in Zukunft sollten die Celler die Augen offen halten. Zeugen werden gebeten, sich unter Telefon (05141) 277215 bei der Polizei melden. Wallheinke empfiehlt, dunkle Parkplätze zu meiden, wo dies möglich ist. Außerdem sollten Garagen genutzt werden, wenn diese vorhanden sind.

Auch das Ehepaar Wittkowski hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Es können Menschen zu schaden kommen.“ Und auf eine Einsicht bei dem Täter oder den Tätern. „Es muss ihnen klar sein, welche Folgen das außer dem brennenden Fahrzeug für die Opfer alles hat.“

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 11.11.2017 um 13:28 Uhr
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