Blick in die Seele: Ausstellung in Celle zu Eberhard Schlotter regt zum Reflektieren an

Foto: Loeper

Ob der Titel „Echt scharf. Der Spiegel als Spielfeld“ für die am Sonntag eröffnete neue Ausstellung zu Eberhard Schlotter glücklich gewählt ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Die gezeigten Gemälde und Grafiken im Bomann-Museum in Celle haben rein gar nichts Spielerisches im eigentlichen Sinne. Vielmehr hält der 2014 verstorbene Künstler Eberhard Schlotter den Menschen den Spiegel vor – knallhart, abgründig, ungeschönt, provokativ.

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CELLE. Leere und Resignation haben sich breit gemacht in den Gesichtern der beiden alten Frauen auf dem Bild „Die beiden Schwestern des Metzgers“ von 1958. Es ist Teil einer Serie von elf Porträts einer fiktiven Familie. Die Porträtierten stehen stellvertretend für Typen der Gesellschaft, Schlotter hat genau hingeschaut, den Lauf des Lebens eingefangen. Den Spiegel muss der Betrachter bei diesem Exponat erst suchen, klein, über der Tür hängend zeigt er den Raum, der dominiert wird vom Schachbrett-Muster des Fußbodens. Eine Metapher für „vom Leben schachmatt gesetzt“?

Der Spiegel als drittes Auge – dieses Stilmittels hat sich der Maler hier bedient. In der Renaissance wurde es als Medium oft genutzt, um eine dritte Dimension in die Szenerie zu bringen. Aber auch Alltägliches wie der zufällige Blick in eine Stoßstange, der eine Karikatur der eigenen Person wiedergibt, inspirierten ihn.

Der Körper einer leicht bekleideten jungen Frau fließt förmlich in den Raum, der Betrachter sieht nur das verzerrte Abbild, schauen die beiden älteren Herren oben in der Ecke auf den makellosen Körper? Symbolische Reflektion durchzieht das gesamte Werk von Eberhard Schlotter. „Mich interessiert die Infragestellung der Realität, von der ich schon lange wusste, dass alles ein Gaukelspiel ist und bleibt“, hat er 2002 einmal gesagt.

Die Kuratorin Daphne Mattner nennt das Zitat in ihrem Vortrag „Tiefgang mit Unschärfen“, mit dem sie im bis auf den letzten Platz besetzten Kinosaal des Bomann-Museums anregend in das Thema einführt. Auch Mitglieder der Familie des Künstlers finden sich unter den Zuhörern. Mattner ist im umfangreichen Werk Schlotters auf Spurensuche gegangen. Erstmals steht das Spiegelmotiv im Fokus, viele Exponate hat sie aus dem Dornröschenschlaf geweckt und dabei Großartiges zutage gefördert. Die Gemälde entfalten eine ungeheure Kraft, fordern heraus und regen einem weiteren Zitat Eberhard Schlotters folgend zum Reflektieren an: „Überall Spiegel, auch der eigenen Seele.“

Die neue Ausstellung „Echt scharf. Der Spiegel als Spielfeld“ mit Gemälden und Grafiken von Eberhard Schlotter ist noch bis zum 1. Juli 2018 im Bomann-Museum Celle zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bomann-museum.de oder unter Telefon (05141) 124555.

Anke Schlicht Autor: Anke Schlicht, am 13.11.2017 um 13:58 Uhr
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