Trump Jr. gibt Kontakte zu Wikileaks im Wahlkampf zu

Donald Trump Jr. bemüht sich, die Sache herunterzuspielen. Foto: Andrew Gombert Foto: Andrew Gombert

Washington (dpa) - Die Russland-Affäre lässt US-Präsident Donald Trump und dessen näheres Umfeld weiter nicht los: Präsidentensohn Donald Jr. musste nun direkte Kontakte mit der Enthüllungsplattform Wikileaks einräumen.

Am Montagabend veröffentlichte Trump Jr. auf Twitter eine umfangreiche Konversation mit dem Twitter Account von Wikileaks aus dem Sommer Jahr 2016 - also vor der Wahl Trumps zum US-Präsidenten. Der Wortlaut der Kommunikation legt nahe, dass nicht Wikileaks-Gründer Julian Assange der Schreiber am anderen Ende war. Assange bestätigte die Informationen zunächst nicht.

Damit wird Trump Jr. immer mehr zur Person im Zentrum des Ermittlerinteresses bei der Ausarbeitung der Russland-Affäre und in der Frage, ob das Trump-Team im Wahlkampf mit einer ausländischen Macht zusammengearbeitet hat. Der 39-Jährige war bemüht, die Bedeutung der Mitteilungen herunterzuspielen. Darunter befänden sich ganze drei «kolossale» Antworten von ihm selbst, schrieb er auf Twitter. Er reagierte mit der Veröffentlichung auf einen Artikel des Magazins «The Atlantic», das über den Inhalt der Nachrichten berichtet hatte.

Die Neuigkeiten sind pikant, weil Wikileaks während des Präsidentschaftswahlkampfs eine bedeutende Rolle inne hatte. Die Plattform veröffentlichte gehackte E-Mails aus dem demokratischen Lager um Hillary Clinton. Sie zeigten unter anderem, wie innerhalb der demokratischen Partei Clinton gegenüber ihrem Widersacher Bernie Sanders möglicherweise illegal bevorzugt wurde. Das schadete womöglich der von den Demokraten zur Kandidatin gekürten Clinton im Wettstreit mit Trump.

US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hacker-Angriffen zu stehen. Julian Assange hatte jedoch mehrmals betont, die Informationen stammten nicht von einer staatlichen Organisation. Der Australier Assange sitzt weiterhin in der Botschaft Ecuadors in London fest, wohin er wegen Ermittlungen der schwedischen Staatsanwaltschaft gegen ihn im Juni 2012 geflohen war.

Aus den von Trump Jr. veröffentlichten Nachrichten geht hervor, dass er mehrmals Anfragen von Wikileaks bekam - auch noch im Juli dieses Jahres. Einige der Nachrichten stammen aus der Zeit, als die Plattform noch dabei war, E-Mails von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta zu veröffentlichen.

Wikileaks schickte Trump Jr. zunächst im September 2016 eine Frage zu dem Initiator eines politischen Aktionskomitees. Er antwortete, er wisse nicht, wer das sei, wolle sich aber umhören. In der nächsten Nachricht bat Wikileaks ihn, einen Bericht über Clinton öffentlich zu kommentieren. Trump Jr. entgegnete, er habe dies bereits getan. Dann fügte er hinzu: «Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt.» In der dritten Nachricht fragte er Wikileaks, was hinter einer Enthüllung stecke, von der er gelesen habe. Die Plattform bat ihn dann darum, einen Link zu verbreiten. Dies tat er zwei Tage später.

Ab diesem Punkt finden sich aber keine weiteren Antworten des 39-Jährigen unter den veröffentlichten Nachrichten. Es folgen nur noch Mitteilungen von Wikileaks. So schlug ihm der Nutzer des Twitterkontos im Oktober 2016 vor, der Plattform die Steuererklärung seines Vaters zu geben, damit diese sie dann enthüllen könne. Außerdem empfahl Wikileaks, dass Trump sich im Fall einer Niederlage am Wahltag nicht geschlagen geben, sondern das Ergebnis anfechten solle.

Wikileaks-Gründer Julian Assange schrieb zunächst auf Twitter, er könne die Nachrichten nicht bestätigen. Nachdem Trump Jr. diese veröffentlicht hatte, verbreitete er sie aber in dem Kurznachrichtendienst weiter.

Die Angelegenheit ist für Trump Jr. heikel, weil er ohnehin im Fokus der Russland-Affäre steht. Im Juli hatte er einräumen müssen, während des Wahlkampfs ein Treffen mit einer russischen Anwältin arrangiert zu haben. Aus E-Mails geht hervor, dass er der Begegnung zugestimmt hatte, weil ihm kompromittierendes Material über Clinton versprochen worden war.

In einer E-Mail an ihn ist von einem Versuch der russischen Regierung die Rede, dem älteren Trump zu helfen. Dies gilt als Indiz dafür, dass Mitglieder aus Trumps Wahlkampflager bereit gewesen sein könnten, mit Russland zusammenzuarbeiten, um den Wahlkampf zu beeinflussen.

In der letzten Nachricht vom Juli ging Wikileaks auf genau dieses Thema ein. Man sei sehr daran interessiert, Kopien der E-Mails zu veröffentlichen, die zu dem Treffen geführt hätten, heißt es darin. Trump Jr. reagierte darauf nicht. Die E-Mails veröffentlichte er später selbst.

Die Russland-Affäre wird von einem Sonderermittler und mehreren Komitees des Kongresses untersucht. Trump Jr. erklärte am Montagabend, einer dieser Ausschüsse stecke hinter der Enthüllung seiner Kommunikation mit Wikileaks. «The Atlantic» hatte berichtet, seine Anwälte hätten diese an die Ermittler im Kongress übergeben.

dpa Autor: dpa, am 14.11.2017 um 16:45 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Samuel Koch gibt Hoffnung auf Heilung nicht auf

Bad Vilbel (dpa) - Der querschnittgelähmte Schauspieler Samuel Koch hofft weiter auf Heilung. Er denke zwar nicht den ganzen Tag daran, aber im Unterbewusstsein «als Grundrauschen schwingt ein leises Hoffen mit», sagte er am Sonntag in Hitradio FFH. ...mehr

Höhenflug: 300 Häuser mit Michelin-Sternen

Potsdam (dpa) - Vom Algenkaviar bis zur Dorade mit Koriander: Die Deutschland-Ausgabe 2018 des «Guide Michelin» schmückt 300 Restaurants, und damit mehr als je zuvor, mit Sternen. ...mehr

So kommen Radfahrer im Celler Land sicher durch die dunkle Jahreszeit

Die Tage werden kürzer und das Wetter schlechter. Wer sich in der dunklen Jahreszeit trotz widriger Witterungsbedingungen in den Fahrradsattel schwingt, sollte einiges beachten, um sicher unterwegs zu sein. Radfahrer sollten vor allem dafür sorgen, dass sie im Straßenverkehr gut sichtbar sind, empfiehlt… ...mehr

Werder peilt den ersten Saisonsieg an - Derby in Stuttgart

Berlin (dpa) - Nach dem Erfolg im DFB-Pokal gegen 1899 Hoffenheim will Werder Bremen um Trainer Alexander Nouri im zehnten Versuch auch endlich den ersten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga schaffen. ...mehr

Ein Koch sieht rot - Showdown beim Wutburger

Berlin (dpa) - Wer Attila Hildmann jetzt noch nicht kennt, war vielleicht gerade im Urlaub oder kommt ohne Internet und Facebook aus. Der vegane Koch und TV-Promi hat sich lautstark und werbewirksam über eine Zeitung geärgert. ...mehr

Gourmetgipfel im Celler Fürstenhof

Ausgebucht war in Celle der erste Norddeutsche Gourmetgipfel. Im Sterne-Restaurant Endtenfang fanden sich gut 50 Freunde des gehobenen Essens und Trinkens für einen außergewöhnlichen Genußabend zusammen. ...mehr

Alter Hof Groß Ottenhaus bei Celle wird Raub der Flammen (mit Kurzvideo)

Der uralte Hof Groß Ottenhaus hat Katastrophen wie den Dreißigjährigen Krieg überstanden, durch Jahrhunderte Wind und Wetter getrotzt, Generationen von Menschen eine Heimat gegeben, zuletzt abseits befahrener Wege im Dornröschenschlaf geschlummert – im Morgengrauen wurde er am Mittwoch zum Großteil… ...mehr

Meerforellenjäger made in Celle

Auf der schwedischen Ostsee-Insel Öland gibt es jede Menge zu entdecken. Sie ist ein Traumziel für Badetouristen, Naturliebhaber, Gourmets und Angler. Und manchmal wartet Öland mit Entdeckungen auf, die verbüffen. Zum Beispiel mit schwedischen Cellern, die nicht wissen, dass sie Celler Wurzeln haben… ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
21.11.2017

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

BVB kriselt weiter: Champions-League-K.o. nach 1:2

Dortmund (dpa) - Kein Mumm, keine Sicherheit, kein Stehvermögen - Borussia Dortmund hat seine Krise…   ...mehr

4:1-Sieg: Leipzig überrollt Monaco

Monaco (dpa) - Nach dem denkwürdigen Auswärtssieg klatschte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl erst…   ...mehr

Simbabwes Präsident Robert Mugabe zurückgetreten

Harare (dpa) - Jubel und Freudentänze in den Straßen von Harare: Nach fast vier Jahrzehnten an der…   ...mehr

Aufnahme Nordkoreas in US-Terrorliste

Seoul/Peking/Tokio (dpa) - Die Wiederaufnahme Nordkoreas in die US-Länderliste der Unterstützer des…   ...mehr

RB-Trainer setzt gegen Monaco auf Sturmduo Werner/Poulsen

Monaco (dpa) - Trainer Ralph Hasenhüttl setzt im letzten Auswärtsspiel von RB Leipzig in der Champions-League-Gruppenphase…   ...mehr

Remis gegen Porto: Besiktas für Achtelfinale qualifiziert

Berlin (dpa) - Der türkische Fußball-Meister Besiktas Istanbul hat sich für das Achtelfinale der…   ...mehr

Hariri erstmals nach Rücktrittserklärung wieder im Libanon

Beirut (dpa) - Erstmals seit seiner Rücktrittserklärung vor mehr als zwei Wochen ist Libanons Ministerpräsident…   ...mehr

Real Madrid zieht ins Achtelfinale ein - Liverpool nur 3:3

Berlin (dpa) - Titelverteidiger Real Madrid hat vorzeitig das Achtelfinale der Fußball-Champions-League…   ...mehr

SPD und CDU in Niedersachsen besiegeln Koalition

Hannover (dpa) - Die Fundamente für eine große Koalition in Niedersachsen sind gelegt. Nach der Unterzeichnung…   ...mehr

Kremlchef Putin: Militäreinsatz in Syrien endet

Sotschi/Damaskus (dpa) - Nach fast sieben Jahren Bürgerkrieg in Syrien will Russlands Staatschef Wladimir…   ...mehr
SPOT(T) »

Pizza-Pfarrer

Kochbücher werden zu Bibeln, das falsche Essen zur Sünde und Feinschmecker… ...mehr

Danke, Fritz!

Schöne neue Technik! Ein paar Mal über das Display des Smartphones gewischt… ...mehr

Schwampel

Wie schnell die Welt sich dreht. Heute raucht fast niemand mehr, aus Gaststätten… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG