Paul Sartres poetischer Geschichte „Das Spiel ist aus“ feiert Premiere im Celler Schlosstheater

Für Regisseur Sebastian Sommer ist die Gleichzeitigkeit des Geschehens in verschiedenen Räumen interessant.In einer Szene sind Johanna Marx (Eve Charlier) und Gintas Jocius (Pierre Dumain) zu sehen. Foto: Astrid Gleichmann

Sebastian Sommer führt nicht zum ersten Mal in Celle Regie. Wenn sich am Freitag, 24. November, der Vorhang zur Premiere von Jean-Paul Sartres poetischer Geschichte „Das Spiel ist aus“ hebt, ist das bereits seine dritte Inszenierung am Schlosstheater. Gerne erinnert man sich hier an die Aufführungen von „The King‘s Speech“ und natürlich an die mit viel Lob aufgenommene „Dreigroschenoper“.

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CELLE. Bevor er ans Theater ging, hat Sommer zunächst Musiktherapie studiert. „Das merkt man auch jetzt meinen Inszenierungen an, die viel mit Musik arbeiten“, sagt er, „ich denke viel über Rhythmus nach, über Mehrstimmigkeit und verschiedene Stimmen, die sich ineinander verschachteln, über Harmonien und über Gesang. Das bestimmt schon sehr meine Tätigkeit. Danach habe ich auf kleineren Bühnen als Schauspieler gearbeitet und dann als Regisseur in Neuseeland. Die letzten zwei Jahre war ich am Berliner Ensemble als Hausregisseur tätig.“

Kein Wunder deshalb, dass Musik und Klänge auch in Sommers Celler Inszenierung eine bedeutende Rolle spielen werden. „Hier wird es so sein, dass fast durchgängig Musik gespielt wird, allerdings mehr im Bereich der Klänge und Flächen, manchmal ergänzt durch Songs und Lieder. Aber es wird nicht gesungen.“

Sartres Stück schließe sehr viele Themen auf, sagt Sebastian Sommer, und greife die ganz großen Themen an. Dazu gehörten beispielsweise die Fragen nach dem Sinn des Lebens und auch des Sterbens, nach der Verantwortung für sich selbst und für andere. „Das sind die großen, globalen Themen, an die jeder irgendwie andocken kann“, erläutert Sommer, „darüber hinaus schwingt immer die Frage nach der Freiheit des Menschen mit und nach der Unausweichlichkeit unseres Schicksals. Insofern ist es ein zeitloses Stück.“ Es könne durchaus etwas altmodisch wirken, aber „wir bemühen uns sehr, es möglichst modern und für den heutigen Zuschauer zu gestalten.“ Dazu hätten sie zwar keine umfassenden Eingriffe in den Wortlaut gemacht, aber die Texte durchaus angepasst. Durch die ganze Art der Inszenierung präsentiere man moderne Personen.

„Das Stück spielt auf einer Drehscheibe, die sich permanent dreht und auf die Unausweichlichkeit der Zeit hinweist, die vorbeifließt.“ Die Drehrichtung bestimme auch die Örtlichkeit des Totenreiches und halte nur an und drehe in die andere Richtung, wenn sich der Raum verändert. Statisten würden den jeweiligen Eindruck verstärken. Im Gegensatz zum Film sei die Gleichzeitigkeit des Geschehens in verschiedenen Räumen interessant. „Ich glaube, wir haben mit unserer Arbeit eine Fassung geschafft, die sehr fokussiert ist und sich nur auf die wichtigen Punkte der Geschichte konzentriert. Vieles, was in der heutigen Zeit nicht mehr passend erscheint, haben wir getilgt. Wir sind weit davon entfernt, dass man die Geschichte nicht in allen ihren Punkten ernst nehmen könnte.“

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 15.11.2017 um 15:36 Uhr
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