Klimakonferenz endet mit Fortschritten

Dürre in Äthiopien: Die Weltklimakonferenz hat beschlossen, einen Fonds für arme Länder weiterzuführen. Foto: Elias Meseret Foto: Elias Meseret

Bonn (dpa) - Die Weltklimakonferenz in Bonn hat die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens ein Stück weitergebracht. Nach einer langen Diskussionsnacht einigten sich die fast 200 Staaten auch in wichtigen Finanzfragen.

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Die vergangenen zwei Wochen hätten deutlich gemacht, dass die weltweite Bewegung für den Klimaschutz  «unaufhaltsam» weitergehe, sagte anschließend UN-Klimachefin Patricia Espinosa. «Wir haben in Bonn große Fortschritte gemacht», bestätigte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). «Damit hat die Konferenz die Erwartungen voll erfüllt.»

Der Vorsitzende der Konferenz, Fidschi-Regierungschef Frank Bainimarama, sagte: «Ich bin sehr zufrieden, dass die Konferenz ein solcher Erfolg geworden ist.» 

Bei den ging es unter anderem um einen älteren Fonds zur Anpassung der Entwicklungsländer an die Folgen des Klimawandels. Er war bislang im Kyoto-Protokoll von 1997 verankert. Für sein Fortbestehen wurden in Bonn wichtige Punkte beschlossen.

Die Einigung wurde im Konferenzplenum mit Applaus bedacht. . «Wir sind erleichtert, dass die Industrieländer hier nachgegeben haben», sagte Oxfam-Experte Jan Kowalzig. Der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid sagte: «Es ist gut, dass wir nun eine Übereinkunft bei Finanzierungsfragen haben, aber enttäuschend, dass Klimadiplomatie auch zwei Jahre nach Paris ein derart zähes Geschäft bleibt.»

Zuvor hatten die Delegierten eine umfangreiche Textsammlung erstellt, aus der im kommenden Jahr das Regelwerk zum Pariser Abkommen entstehen soll. Dies ist unter anderem nötig, damit eine Tonne Kohlendioxid-Minderung in allen Ländern nach einem einheitlichen Maßstab gemessen wird.

Das Regelwerk soll auf der nächsten Klimakonferenz Ende 2018 im polnischen Kattowitz beschlossen werden. «Uns ist ein wichtiger Zwischenschritt gelungen», sagte Hendricks. Trotz des angekündigten Rückzugs der USA aus dem Klimaabkommen gehe von Bonn das starke Signal aus, dass die Welt zusammenstehe.

Bisher sind allerdings noch unzureichend, um die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst sogar 1,5 Grad zu begrenzen. Deshalb gibt es nun neben den direkten Verhandlungen den sogenannten Talanoa-Dialog. Das Wort Talanoa bezeichnet auf Fidschi eine Versammlung, in der Wissen ausgetauscht und Vertrauen aufgebaut wird, um weise Entscheidungen zu treffen. Der Dialog soll dazu führen, dass vor allem die Industrieländer ihre Anstrengungen noch deutlich verstärken. 

Nach Meinung des Forschers Hans-Joachim Schellnhuber zeichnet sich im Klimaschutz eine Art Kulturwende ab. «Manches von den Aktionen am Rand der Verhandlungen hatte die Atmosphäre eines Kindergeburtstages, der ja auch schön ist», sagte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der Deutschen Presse-Agentur. «In Bonn hat sich außerhalb und innerhalb der Konferenzsäle ein Geist entwickelt, der weiter wirkt.» Manche Politiker müssten sich wohl erst noch daran gewöhnen: «Aber dieser Geist von Paris und Bonn ist aus der Flasche und wird sich nicht mehr einfangen und zurückstopfen lassen.»

Als besonderer Erfolg galt in Bonn auch, dass erstmals ein gemeinsames Arbeitsprogramm zu Landwirtschaft und Klimawandel in die politische Agenda aufgenommen wurde. Die Landwirtschaft ist einerseits extrem vom Klimawandel betroffen, so dass eine Anpassung an die Erderwärmung nötig ist. Andererseits ist sie auch für einen großen Teil der Treibhausgase verantwortlich.

Bei einem für Entwicklungsländer besonders wichtigem Thema gab es dagegen wenig Fortschritte. Sie wollen, dass die Schäden durch den Klimawandel stärker anerkannt werden. Die Industrieländer fürchten jedoch, eines Tages zur Verantwortung gezogen zu werden für die Schäden durch den Klimawandel in ärmeren Staaten.

Trotz großer Vermittlungsbemühungen des deutschen Umweltstaatssekretärs Jochen Flasbarth gab es noch keine Einigung darüber, ob die Türkei auch wie Entwicklungsländer finanzielle Unterstützung erhält. Sie ist ein G20-Staat und zählt bei den Klimakonferenzen zu den Industrieländern. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte jedoch gedroht, dass das türkische Parlament das Abkommen von Paris nicht ratifizieren werde, wenn die Türkei nicht ihren Willen bekomme.

Einige Teilnehmer haben sich im Verlauf der Konferenz über sexuelle Belästigung beschwert. Es gehe um etwa fünf bis zehn Fälle, sagte der Sprecher des UN-Klimasekretariats, Nick Nuttall. Seines Wissens habe keiner der Betroffenen angegeben, die Sache weiterverfolgen zu wollen. Bei einer zweiwöchigen Konferenz mit insgesamt nahezu 30 000 Beteiligten sei die Zahl der Vorkommnisse nicht gerade hoch, betonte Nuttall.

dpa Autor: dpa, am 18.11.2017 um 20:39 Uhr
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