IGS Celle und Ernestinum: Kooperation ist ausbaufähig

Foto: David Borghoff

Als 2014 die Celler IGS im Schulzentrum Burgstraße unter einem Dach mit dem Gymnasium Ernestinum an den Start ging, verbanden viele Kreistagsmitglieder und auch Landrat Klaus Wiswe (CDU) damit die Erwartung, dass beide Schulen zum Wohle der Schüler zusammenarbeiten. Letztlich, so die Hoffnung, würde damit eine eigene Oberstufe für die Gesamtschule nicht gebraucht, da die IGS-Schüler fürs Abitur ans Ernestinum wechseln könnten. Dies ist mit ein Argument, warum die Politik aktuell mehrheitlich eine eigene Oberstufe an der IGS ablehnt. Drei Jahre später stellt sich heraus, dass es mit einer inhaltlichen Zusammenarbeit beider Schulen besser laufen könnte.

CELLE. Carsten Rusitschka, Schulelternratsvorsitzender an der IGS, hatte im Schulausschuss des Landkreises angemerkt, dass es von Anfang an keine Kooperation zwischen beiden Schulen gegeben habe. Das Kollegium des Ernestinums habe dies abgelehnt. Auch aus persönlicher Erfahrung kann Rusitschka hierzu einiges berichten. Als eines seiner Kinder Anfang der siebten Klasse vom Ernestinum auf die IGS gewechselt sei, habe es keinerlei fachlichen Austausch seitens des Ernestinums über seinen Sohn gegeben, so Rusitschka, der von einer "angespannten Atmosphäre" im Schulzentrum spricht.

Nach Landrat Wiswe "basieren die Aussagen von Herrn Rusitschka zum Thema Kooperationsunwilligkeit auf veralteten und teilweise auch falschen Informationen". Es habe keinen Beschluss des gesamten Kollegiums des Ernestinums gegen eine Zusammenarbeit mit der IGS gegeben, sondern nur in einem Fachbereich bezogen auf ein Unterrichtsfach. "Die Bereitschaft zur Kooperation hat immer bestanden und ist mit den Jahren aus Sicht des Kreises gewachsen", so Wiswe.

Johannes Habekost, Leiter des Ernestinums, führt dies weiter aus. Demnach sei es damals um eine Anfrage der IGS gegangen, den dortigen Lateinunterricht zu übernehmen. "Die Fachkonferenz Latein hat dies seinerzeit zunächst abgelehnt unter dem Eindruck der damaligen öffentlichen Anfeindungen gegen die Existenzberechtigung des Ernestinums und aus dem Bedürfnis, das eigenständige Profil des altsprachlichen Unterrichts am Ernestinum zu schärfen", erklärt Habekost, der behauptet: "Jeden Tag wird hier im Schulzentrum in vielen Bereichen vertrauensvoll und pragmatisch zusammengearbeitet."

Insbesondere beim Übergang von Schülern aus der Sprachlernklasse der IGS in Regelklassen des Ernstinums gebe es eine sehr enge inhaltliche Zusammenarbeit der betroffenen Lehrkräfte. Außerdem bestehe die Bereitschaft, Gymnasiallehrkräften der IGS Unterrichtserfahrung in der Oberstufe des Ernestinums zu ermöglichen und Schüler in den 9. und 10. Jahrgängen der IGS auf den Übergang in die gymnasiale Oberstufe vorzubereiten.

Fakt ist allerdings: Den fachlichen Austausch sucht die IGS nach der Ablehnung durch das Ernestinum mit dem Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium und dem Hermann-Billung-Gymnasium (HBG). Und dies laufe nach Angaben von HBG-Leiter Mirko Truscelli auch sehr gut. "Wir tauschen uns fachlich aus, insbesondere was die Anforderungen für das Gymnasium betrifft. Außerdem begleiten wir sehr eng Schülerwechsel, von der IGS zu uns und umgekehrt. Alle drei Schulleiter treffen sich regelmäßig", sagt Truscelli.

Der HBG-Leiter ist der Auffassung, dass sich eine gute Schulpolitik an der Nachfrage orientieren müsse und den Eltern insbesondere nach der zehnten Klassen Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen müsse. "Eine Angebotsorientierung funktioniert auf Dauer nicht. Eine Option nicht anzubieten, um damit bestimmte Systeme zu sichern, bedeutet, dass sich diese Systeme nicht weiterentwickeln müssen. So entsteht kein Wettbewerb, der aber wichtig und richtig ist. Deshalb bin ich zu 100 Prozent dafür, dass die IGS eine gymnasiale Oberstufe erhält."

Gunther Meinrenken Autor: Gunther Meinrenken, am 21.11.2017 um 12:23 Uhr
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