#MeToo-Debatte in Celle: Jede Frau zieht ihre eigene Grenze

Im Schlosskönig fand am Donnerstag (23.11.2017) eine Publikumsdiskussion über Frauenrollen und Geschlechterbilder statt. Foto: Michael Schäfer

Seit sechs Wochen ist in den Medien viel über das Schlagwort #MeToo zu lesen, doch gesprochen wurde in Celle über das Thema sexuelle Belästigung noch nicht. Das hat das Schlosstheater am Donnerstag mit einer "Rondell-Runde" im "Schlosskönig" nachgeholt – im Anschluss an das Stück "Intim - oder Bienen küssen nicht". Zwar fiel die angekündigte Trauma-Beraterin krankheitsbedingt aus, dennoch tauschten sich knapp ein Dutzend Frauen anderthalb Stunden über Sexismus und gesellschaftliche Frauenbilder aus.

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CELLE. Bei einer möglichen Definition von sexualisierter Gewalt war schnell klar, dass jeder Mensch seine eigenen Grenzen zieht. Bei einigen Frauen ist sie mit einem Klaps auf den Po überschritten. Einige Frauen fühlen sich schon unwohl, wenn Männer anzügliche Kommentare machen.

Schauspielerin Rebekka Reinholz erzählte, dass es ihr schon unangenehm war, wenn ein Freund ihrer Eltern immer fragte: "Na, wann begleitest du mich in die Disco?" Doch selbst im Gespräch mit ihren Eltern fühlte sie sich nicht Ernst genommen. "Das hat mich sehr geärgert", verriet sie.

Eine Erziehungsexpertin erzählte, dass es einige Kinder gebe, die von Oma und Opa nicht gerne umarmt oder geküsst würden. Doch scheuten sich viele Eltern davor, mit den Großeltern darüber zu reden.

Unter Frauen löste der Hashtag #MeToo in den sozialen Medien eine Welle der Solidarität aus. Die Cellerinnen wünschen sich, dass auch Männer sich deutlich vom Verhalten einiger Machos abgrenzen. Doch bevor sie sich in einer unangenehmen Situation schützend vor eine Frau stellten, sei es wichtig, sich kurz mit der Betroffenen abzustimmen, erläuterte Theatersprecherin Andrea Hoffmann. Sonst entstehe der Eindruck, dass Frauen sich nicht selbst wehren könnten.

Nach Ansicht einer Zuschauerin waren in der Werbung früher ausschließlich freizügige Frauen zu sehen. Heute werben auch sexy Männer für ein Produkt. Doch Theaterpädagogin Aline Bosselmann hakte ein, dass Männer zwar auch schöne Beine hätten, sie aber "nur in angefahrenen Kreisen Röcke tragen". Womit die Diskussion schnell zu Rollenbildern von Mann und Frau gelangte.

Rebekka Reinholz kommt aus Bayern. Sie stört es, dass die Tradition, auf dem Oktoberfest als Frau ein Dirndl anzuziehen, nicht hinterfragt werde: "Im Bierzelt werden die Gäste nur von Frauen bedient, obwohl die Bierkrüge irre schwer sind." Wenn Besucherinnen im Bierzelt begrapscht würden, heiße es, dass sie da einfach nicht hingehen sollten.

Dagny Siebke Autor: Dagny Siebke, am 24.11.2017 um 17:23 Uhr
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