Ensemble „musica assoluta“ zeigt bei jüngstem Auftritt Mut zum Risiko

Thorsten Encke Foto: Michael Neugebauer

Originelle Projekte gerne fächerübergreifender Natur: Das Ensemble „musica assoluta“ ist ein kleiner Edelstein in der Musiklandschaft. Die hannoversche Gruppe um den aus Celle stammenden Dirigenten, Komponisten und Cellisten Thorsten Encke lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Wobei der Mut zum Risiko natürlich bedeutet, dass eine Aufführung auch mal nicht ganz so gut gelingt wie gewünscht – beim jüngsten Auftritt war jedenfalls in verschiedener Hinsicht der Wurm drin.

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HANNOVER. Als Veranstaltungsort diente das Alte Magazin, das üblicherweise eher vom freien Theater bespielt wird. Gleichwohl schien die Wahl nachvollziehbar, weil die Akustik hier so schlecht nicht ist und außerdem ja mit Igor Strawinskys „L’Historie du Soldat“ ein musiktheatrales Ereignis im Zentrum des Programms stand.

Zunächst aber durfte sich Posaunist Mikael Rudolfsson austoben, der in „Incipit 2“ von Johannes Maria Staud zusätzlich eine Fußtrommel zum Einsatz brachte. Da gab es zweifellos einige interessante Klangfarben; die Zischlaute und anderen vokalen Beiträge, die hier vom Solisten gefordert sind, rückten das Stück allerdings doch in Richtung „Neue-Musik“-Klischees. Unter dem Strich erinnerte der Auftritt ein wenig an einen sanft durchgeknallten Straßenmusiker.

Anschließend schlug mit Strawinskys sonderbarer Geschichte um einen Soldaten, der dem Teufel begegnet, die große Stunde des Schauspielers Götz van Ooyen. Er verkörperte sämtliche Figuren, und er verkörperte sie drastisch: Der Soldat war sehr tumb, der Teufel sehr teuflisch, der König sehr grenzdebil – kurz, hier wurde auch dann mächtig auf die Tube gedrückt, wenn vielleicht etwas mehr Zurückhaltung größere Wirkung erzielt hätte. Was zu beweisen war: So gehörte der Zeitlupen-Tanz des Teufels zu den Höhepunkten, desgleichen die Szene, in der van Ooyen Soldat und Prinzessin in Personalunion darstellte, sich mit dem Rücken zum Publikum gleichsam selbst umarmte.

Zuviel in der Darstellung, zuwenig in der musikalischen Umsetzung: Ungewohnt spröde und nicht immer sauber agierte das Septett der Instrumentalisten unter Enckes Leitung. Die große Ausnahme bildete das zupackende Spiel der Violinistin Kana Sugimura, die allerdings auch mit einigem Abstand die reizvollsten Parts zu übernehmen hatte.

Möglicherweise minderte das gewöhnungsbedürftige Umfeld die Inspiration; jedenfalls mag es irritiert haben, dass einzelne Besucher während des Vortrags laut zu sprechen begannen. So merkwürdig wie der gesamte Abend fielen auch die Reaktionen am Schluss aus: Hier schien man sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegen zu wollen, dort schaute man eher griesgrämig drein. Nun ja, beim nächsten Mal kann alles wieder ganz anders werden.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 27.11.2017 um 12:27 Uhr
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