Gäste stören gekonnte Darbietung

Es gibt Kulturveranstaltungen, zu denen die Mehrheit der Besucher weniger wegen der Kultur als wegen etwas anderem kommen.

CELLE. Das ist bei den sogenannten Kulturevents oft der Fall, wenn beispielsweise Hoteliers zumeist wenig profilierte Schauspieler bitten, irgendeinen Rätsel- oder Krimiabend zu machen, um dabei ein Essen und reichlich Getränke zu verkaufen. Oder wenn ein namhafter Musiker für einen Abend eingeladen wird, ein paar Arien schmettert oder ein paar virtuose Stückchen aufführt, um dann zu dem zu kommen, um das es dem Veranstalter eigentlich geht. In beiden Fällen verkaufen sich die Künstler an einen kommerziellen, manchmal auch wohltätigen Zweck und verdienen auf diese Weise mit wenig Aufwand oftmals mehr, als wenn sie einen künstlerisch ambitionierten Abend geben. Da kann man aus Künstlersicht verstehen, dass diese Derartiges attraktiv finden.

Im Hotel Celler Tor war nun eine noch etwas anders gelagerte Variante der Kombination von Kunst, Kommerz und Wohltätigkeit zu erleben. Der Freundeskreis „Wiederaufbau Berliner Schloss“ lud ein zu einem adventlichen Konzert mit kleinem Essen. Zu Gast hatte man das aufstrebende A-cappella-Ensemble „Echo“ aus Dresden, ein Ensemble aus ehemaligen Kruzianern, die auf dem Sprung zu einer Vokalkarriere sind. „Echo“ zeigt bereits jetzt ein Niveau, wenige Jahre nach Gründung, dass man noch einiges von diesen Sängern erwarten kann. Im Bankettsaal des Hotels boten die dieses Mal nur zu viert angereisten jungen Herren ein Programm vom Feinsten, vorwiegend klassische Weihnachtsliedersätze, aber auch den einen oder anderen Christmas-Song aus britischem Umfeld. Durchweg waren gekonnte Bearbeitungen zu erleben, teilweise sogar so gut gemachte und so geschmackvoll und mit wenigen Ausnahmen gut gesungene Arrangements, dass man staunte.

Keine Frage, diese Musiker gefielen auf Anhieb. Weniger allerdings das Publikum, das sich wenig konzentriert zeigte und es teilweise wichtiger fand, noch während der ersten Stücke in einer der vordersten Reihe Getränke zu bestellen. Dass man an der Theke während des ganzen ersten Konzertteils meinte, mit Gläsern und Flaschen hörbar hantieren zu müssen, kam noch dazu. Bei so viel Rücksichtslosigkeit gegenüber der Musik muss man sich schon fragen, welche Bedeutung die Musik in diesem Rahmen überhaupt haben sollte. Sie wurde teilweise zur Staffage. Wenig erfreulich. Aber möglicherweise hat das einen Teil der Gäste nicht gestört, weil diesen Anderes wichtiger war. Man war da, um zu spenden oder um zu zeigen, dass man hinter dem nach wie vor umstrittenen Wiederaufbau dieses Schlosses steht.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 27.11.2017 um 12:33 Uhr
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