Facettenreiches Programm kommt an

Foto: Staatstheater Hannover

Generalmusikdirektor Ivan Repušic wird die hannoversche Staatsoper zur übernächsten Spielzeit verlassen. Und wer auch immer ihm nachfolgt, die Messlatte hängt hoch – das dritte Saisonkonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters im Opernhaus machte dies sehr deutlich.

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HANNOVER. Denn auf dem Programm standen zwei Werke, die zwar sehr unterschiedlichen Charakter, aber doch eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind derart facettenreich, dass nur schwer ein großes Ganzes daraus zu schmieden ist.

Das 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms etwa birgt so ziemlich alle nur denkbaren großen Gefühle. Die Ecksätze pendeln zwischen Trauer und Wut, Ernst und Heiterkeit, während das Adagio eine Innigkeit von fast religiöser Anmutung entwickelt. Repušic hatte keine Angst vor der großen musikalischen Geste, jedoch wurde die Klangbildung nie aufdringlich oder gar plakativ.

Natürlich muss sich auf all das auch der Solist einschwingen, und Lars Vogt war nach ein paar Unkonzentriertheiten im ersten Teil voll bei der Sache – die Selbstverständlichkeit, mit der er die abruptesten Stimmungsumschwünge bedienen konnte, hatte etwas Frappierendes. Viel Applaus, als Zugabe spielte Vogt keine Virtuosennummer, sondern einen dezenten Brahms-Walzer – das hatte er schon beim Saisonauftakt an gleichem Ort getan.

Noch einmal ein ganz anderes
Kaliber ist César Francks Symphonie d-Moll. Es ist wenig erstaunlich, dass dieses Stück bei der Uraufführung im Jahr 1889 nachhaltige Irritationen auslöste, weil es nicht nur in harmonischer Hinsicht munter mäandert, sondern auch nie so etwas wie eine klar definierte Grundstimmung entwickelt – mal klingt die Symphonie sehr, vielleicht sogar fast ein bisschen zu griffig, mal kommt die Musik fast zum Stillstand.

Das ist eine Herausforderung für Interpreten und Zuhörer gleichermaßen. Repušic wusste allerdings in das kuriose Treiben so etwas wie Logik zu bringen und konnte sich auf die Disziplin seines Orchesters verlassen – die Bläser etwa brachten zuweilen einen bezwingenden Gesamtklang zustande. Der animierte Schlussapplaus des Publikums zeigte, dass die schwere Kost angekommen war.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 28.11.2017 um 12:58 Uhr
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