Neues Magazin "Alte Fotos erzählen" vorgestellt

Foto: Michael Schäfer

Ab sofort ist es im Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich: das neue CZ-Magazin aus der Reihe "Alte Fotos erzählen". Es trägt den Titel "Als in Celle noch Filmstars an der Pfennigbrücke drehten". Am Donnerstagnachmittag stellte es die Redaktion zusammen mit vielen Zeitzeugen in der Congress Union rund 130 Interessierten vor.

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Celle. Das war ein launiger Nachmittag gestern in der Congress Union. Der „Celle-Saal“ war nicht nur wegen seines Namens der ideale Schauplatz für die Präsentation des neuen CZ-Magazins. In der Reihe „Alte Fotos erzählen“ ist der siebte Band erschienen. Die drei Zeitzeugen Hermann Timme (Jahrgang 1928), Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) und Hänschen Röling (Jahrgang 1940) plauderten mit den CZ-Redakteuren Christopher Menge und Andreas Babel über „Als in Celle noch Filmstars an der Pfennigbrücke drehten“.

An die schöne Zeit auf den Dammaschwiesen und den Weg zurück über die Pfennigbrücke erinnerte sich Klaus Effinghausen gerne. Einige der alten Celler erinnerten sich an den Filmdreh mit Hildegard Knef und O.W. Fischer, die nicht nur an der Fritzenwiese, sondern auch in der Masch stattfanden.

Eigens aus Bielefeld wollte Aslan Kizilhan anreisen. Er musste aber im letzten Moment doch absagen: er war krank. Der Unternehmer hatte auf der CZ-Facebook-Seite ein Foto seines Vaters Ahmet entdeckt. Dieser war in den 1970er Jahren als Straßenkehrer auf dem Großen Plan eingesetzt und lebt heute noch (über 80-jährig) in Celle. 30 Jahre lang arbeitete er für die Straßenreinigung. Dieser zentrale Platz in der Altstadt und die darauf zuführende Bergstraße nehmen breiten Raum in dem neuen Magazin ein.

Früher hätten alle großen Paraden in der Militärstadt Celle über den Großen Plan geführt, wo die Menschen den Soldaten zujubelten, erzählte Peterson. Er erinnert sich an eine große Aufstellung der Artilleristen , die fast die gesamte Trift und Bahnhofstraße eingenommen habe. Auch diesen eindrucksvollen Zug sah er über den Großen Plan marschieren. „Man sollte den Großen Plan in Paradeplatz umbenennen“, meinte der einstige Luftwaffen-Spieß scherzhaft.

Äußerst lebendig wurde es, als Hermann Timme auf platt berichtete, wie ihm sein Großvater zu Beginn der 1940er Jahre erläuterte, warum er sich vor der Masch hüten müsse. Obwohl dieses Viertel damals berüchtigt war, wagte sich Timme als Jugendlicher dorthin. Er war verliebt und seine Angebetete hatte sturmfreie Bude. Dass sie männlichen Besuch von außerhalb hatte, bekamen die Jungs der Masch mit und sie bezogen vor dem Haus Stellung. Dort auf einem Wall eines Splittergrabens saßen sie bis früh um 5. Hermann Timme machte kein Auge zu und musste anschließend gleich zu seiner Lehrstelle bei der Celler Kleinbahn aufbrechen. Um 6 Uhr war Dienstbeginn. „Ich kannte ein paar Jungs aus der Berufsschule und später haben sie mir gesagt, ach, Hermann, wenn wir gewusst hätten, dass du das bist, hättest du doch ruhig herauskommen können.“ Aber sicher war sicher, dachte sich der Heranwachsende damals.

Auch Rudolf Peterson kannte noch die maroden Fachwerkhäuschen vor der Sanierung. „Da stand im hinteren Bereich immer das Wasser, wenn die Aller über die Ufer getreten war, und es waren Holzbohlen dort im Haus ausgelegt, damit man keine nassen Füße bekam“, erinnert er sich. Die Sanierung bezeichnen beide Zeitzeugen als gelungen.

Ebenfalls auf Plattdeutsch trug Jürgen Heitmann Passagen aus seiner Geschichte „Chronik mool anners: Bloomlog, Masch un de roden Lantüchten“ vor. Darin thematisiert er nicht nur das horizontale Gewerbe in dem Stadtviertel. Der 81-Jährige erntete großen Applaus für seinen Vortrag, der einen lebendigen Eindruck von der alten Masch vermittelte.

Hänschen Röling ist waschechter Mascher, auch wenn er heute in Westercelle lebt. Der singende Bäckermeister ist als Hausgeburt an der St.-Georg-Straße 65 zur Welt gekommen. Er erinnert sich an einen Filmdreh dort, bei dem sich ein Schauspieler den Arm brach, aber vor allem erinnert sich Röling an Folgendes: „In der Masch war früher großer Zusammenhalt und Nachbarschaft! Einer war für den anderen da und es wurde geholfen, wo Not am Mann war. Ich denke gern an meine Kindheit in der Masch zurück – man konnte da so richtig spielen.“ Dass die Mascher wie Pech und Schwefel zusammenhielten und füreinander da waren, bestätigten einige derjenigen aus dem Publikum, die sich zu Wort meldeten. Eine Zuhörerin ist schon seit vielen Jahren auf der Suche nach Geschichten aus der Masch, die der Vater von Hein Ebeling aufgeschrieben hatte. Hänschen Röling wusste, dass der auch ein Theaterstück geschrieben hatte, das in der Union aufgeführt wurde, aber wo der Geschichtenband abgeblieben ist, wusste auch er nicht. Hinweise nimmt die CZ-Redaktion gerne entgegen.

Hänschen Röling stimmte das Mascher-Lied an, dessen erste Strophe so lautet: „In der Masch, da ist es schön, wo die Frauen tratschen geh‘n und die Männer schon am frühen Morgen lallen, halb benebelt dann aus ihren Betten fallen, wo die Kinder barfuß in die Schule gehen, in der Masch, da ist es schön!“ Zum Abschluss sangen Röling und einige Mitstreiter noch die drei ersten Strophen des Celle-Liedes und quasi als „Rausschmeißer“ ergriff das Celler Original seine Mundharmonika und spielte „Guten Abend, gute Nacht“. Aus zahlreichen Zuhörern wurden beseelte Sänger, ehe die Präsentation nach knapp eineinhalb Stunden ihr Ende fand.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 29.11.2017 um 20:09 Uhr
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