Kent Nagano zeigt sich als Dirigent der Sonderklasse in der Elbphilharmonie

Veronika Eberle

Kent Nagano ist ein Dirigent, dessen künstlerisches Charisma sich auf staunenswerte Weise entwickelt hat.

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HAMBURG. Wirkte Naganos Musizieren noch um die Jahrtausendwende eher glatt als in die Tiefe gehend, so hat sich der Eindruck von Naganos Dirigaten im vergangenen Jahrzehnt, also in seiner Münchner Zeit, total geändert. Man denke da nur an seine grandiosen Dirigate von neuen Opern Wolfgang Rihms, George Benjamins oder Jörg Widmanns dort. Seit er nun Chefdirigent an der Hamburger Oper und beim Hamburger Staatsorchester ist, zeigt sich Nagano immer mehr als Klangmystiker. Das tut seinen Operndirigaten vielleicht nicht immer gut, aber im Konzertsaal sind Naganos Abende inzwischen fast alle von einer Intensität, die kaum einen unberührt lässt. War sein Bruckner-Dirigat in der letzten Spielzeit schon von einem inneren Reichtum, der kaum zu erfassen war, so erwies er sich dieser Tage nun auch als ein Brahms-Dirigent der absoluten Sonderklasse. Zu berichten ist von Aufführungen des Violinkonzertes zusammen mit der ihm geistesverwandten Veronika Eberle und der zweiten Sinfonie.

Während Nagano beim Violinkonzert zunächst vor allem das Sangliche und Elegische zum Ereignis werden ließ und damit Eberles phänomenale Gestaltungskraft und ihre Fähigkeit mit schönem, aber nie geschöntem Ton weite Bögen zu phrasieren wunderbar unterstützte, so ließ er sich im Schlusssatz sehr wohl auf die Leidenschaftlichkeit der Musik ein, ohne deshalb auf Überrumpelung zu setzen. Diese Aufführung wäre für sich schon den Besuch wert gewesen. Es folgte als Krönung aber noch die zweite Sinfonie von Brahms, die er zunächst ganz versunken, aber mit ungemeiner Klarheit weit ein- und ausschwingen ließ. Man hörte alles, was sicher auch der guten Akustik auf dem eingenommenen Platz geschuldet ist, und trotzdem entstand ein homogener Gesamtklang, was wiederum eher schwierig zu erreichen ist in der Elbphilharmonie. So entstand ein weiches, sich organisch entwickelndes Klanggeschehen, in dem die Balance immer gewahrt wurde. Man erlebte eine Klangmystik, die nichts Dunkles hatte, sondern von geistiger Helle geprägt war. Das war fast zu schön, um Brahms im konventionellen Sinne zu sein.

Wer diese beeindruckende und berührende Art der musikalischen Gestaltung erleben möchte, dem kann man nur dazu raten, möglichst bald mal nach Hamburg zu fahren. Es sind zwar alle Konzerte offiziell ausverkauft, aber es gibt an der Abendkasse immer Menschen, die noch Karten zu verkaufen haben. Das nächste Nagano-Dirigat steht Silvester an (Bach, Mozart, Ives). Danach wieder am 4. und 5. Februar mit Schuberts Großer C-Dur-Sinfonie und am 22. und 23. April mit Bruckners Fünfter.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 30.11.2017 um 12:45 Uhr
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