Stadtrat Bergen begräbt Projekt "Internationale Begegnungsstätte Bergen"

"Einmalige Chance vertan", "Imageschaden", "ganze Republik schaut auf uns" – diese Aussagen waren in den vergangenen Wochen zu hören, wenn über die Internationale Begegnungsstätte Bergen (IBB) diskutiert wurde. Virendra Singh (CDU) zählte diese und weitere Argumente in der Sitzung des Stadtrates am Donnerstagabend auf – und lobte, dass die Mehrheit der Kommunalpolitiker trotzdem eine rationale Entscheidung getroffen habe. 23 Ratsmitglieder votierten schließlich dafür, die vom Bund zugesagte Förderung in Höhe von 3,6 Millionen Euro nicht abzurufen, nur vier Politiker waren anderer Meinung.

BERGEN. "Manche Menschen treffen Entscheidungen wenig aus Überzeugung, sondern aus Angst, dass ihnen durch ihre Entscheidung vielleicht etwas entgehen könnte", sagte Singh und verwies auf die sogenannte Kahneman-Falle. Der Stadtrat wäre glücklicherweise nicht in diese Falle getappt, sondern habe eine Entscheidung getroffen, die "unsere Nachfolge-Generation auch nach 75 Jahren nachvollziehen kann".

Zuvor hatte Christian Böker (CDU) ausführlich erklärt, warum die Entscheidung gegen die IBB gefallen wäre und griff dabei die Verwaltung scharf an. "Der Stadtrat wurde nicht beteiligt", sagte er. Erst im April habe man die Machbarkeitsstudie zu sehen bekommen. "Dann kamen erhebliche Zweifel – es gab kein pädagogisches Konzept, keine Kooperationsvereinbarung mit der Gedenkstätte und kein Betreiber", so Böker. Zudem hätten die geplanten Kosten von 5,4 Millionen Euro niemals ausgereicht. Einer sauber konzipierten IBB stehe die CDU-Fraktion aber weiterhin positiv gegenüber.

Peter Rabe (WG) kritisierte, dass das Pferd von hinten aufgezäumt wurde. "Man muss mit dem Konzept anfangen – das ist doch entscheidend. Und nicht zuerst gucken, ob es irgendwo Zuschüsse gibt", sagte er.

Claudia Dettmar-Müller (CDU) entgegnete, dass in einem Workshop ein vorläufiges Konzept erarbeitet worden sei. "Schade, dass die Vision, die Bergen geholfen hätte, aufgegeben wird", sagte Dettmar-Müller. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Projekt in naher Zukunft umsetzbar sein wird." Jürgen Patzelt (Grüne) betonte aber, dass man weiter an der Realisierung des Projektes arbeiten wolle.

Eine Mitschuld am Scheitern des Projektes bescheinigte Ros-Marie Siemsglüß (SPD) dem Stadtrat. "Der Betreiber hat sein Angebot zurückgezogen, weil die Politik nicht dahinter steht", sagte sie. Walter-Christoph Buhr (CDU) wies das allerdings vehement als Mutmaßung zurück. Constanze Groß, die Referentin für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Volkssolidarität-Bundesverbandes, hatte den Rückzug der Bewerbung damit begründet, dass "sich zunehmend abzeichnet, dass es keine Bereitschaft der politischen Parteien gibt, dieses Projekt gemeinsam zu tragen und zu fördern". Für den Verband bestehe das schwer zu kalkulierende Risiko und die damit einhergehende Unsicherheit, ein derart großes Projekt gegen den mehrheitlichen Willen der politischen Parteien durchzuführen.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 01.12.2017 um 16:41 Uhr
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