Glamour, Glitter und Plateau

Foto: Oliver Knoblich

Ohne lange Haare ging damals nichts, und geht auch am Samstagabend auf der Bühne nichts. Hand an der Saite, Bein eine Schrittlänge vorangestellt, Kopf nach vorne und zurück, das ist die typische Pose in der kleinen Halle der CD-Kaserne. Wenn die Mähne fliegt zu den harten Klängen, dann ist die Wirkung umso größer, und das ist ein Merkmal der fünf Musiker von Sweety Glitter. Sie präsentieren Glamrock nicht einfach, sie zelebrieren ihn.

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CELLE. Zurückhaltung war in den wenigen Jahren dieses Musikstils nicht angesagt, man trug dick auf – sound-, frisuren- und kostümtechnisch. Die Form der ausladend nach unten fallenden Haarpracht findet sich wieder im breiten Schlag der Hose, der auf nichts anderem enden darf als auf Plateau, mittendrin glitzernde Ketten, goldener Brokat und glänzender Satin. So viel Opulenz verlangt satten Sound, und den bekommen die rund 270 Zeitreisenden geliefert. „Wollt Ihr Rock’n’Roll?“, fragt Frontman Volker Petersen. Ja, sie wollen, und die „Diamanten an den Gitarren, dem Schlagzeug und Piano“ spielen „Hot Love“ und „You are my girl“ von T-Rex, „Blockbuster“ von The Sweet und all die anderen Hits der Love-and-Peace-Ära.

Die Menge taucht ab in die 70er, obwohl nur die wenigsten sie als Erwachsene erlebt haben dürften. „Ich bin Jahrgang 69, für mich ist das das Jahrzehnt des Weltfriedens, der Offenheit und Freiheit“, lautet die Einschätzung von „Hippie“ Ralph Meier aus Soltau, der verkleidet erschienen ist. Gerd Richter kann es ganz genau sagen, er war zwischen Flower Power und Neuer Deutscher Welle ein junger Mann: „Ein bisschen kommt das Lebensgefühl zurück, wenn man die Vollblutmusiker da oben erlebt. Heute ist alles so oberflächlich und schnell vergänglich, damals war alles intensiver“, berichtet er, jeden Song tanzend genießend, deren Bandbreite mit „Smoke on the water“ von Deep Purple oder „Lady in black“ von Uriah Heep den Stil des reinen Glamrock sprengt. Es weht ein Hauch von Travestie, wenn Sänger und Gitarrist Petersen die von engem schwarzem Satin umhüllten Hüften schwenkt, die Finger filigran spreizt und die Mimik im stark geschminkten Gesicht weichzeichnet.

Androgyn war zwischen 71 und 76 angesagt, man legte sich nicht fest, changierte auf den Bühnen im Mutterland des Pop zwischen den Geschlechtern. Nur eine Randnotiz bei diesem Konzert. Die Rückbesinnung auf die Wildheit des Rock’n’Roll war eine weitere Intention des Glamoursounds, und die bringt die Braunschweiger Formation in einer Weise rüber, die zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Thomas Fröhlich kann nicht anders, als Luftgitarre spielend in die Virtuosität der Klänge einzusteigen. Ein Blick durch die Reihen legt nahe, dass er für den Rest des Publikums mitspricht, wenn er sagt: „Das ist einfach meine Musik, und die Jungs da oben sind einfach Spitzenklasse.“ (ahs)

Anke Schlicht Autor: Anke Schlicht, am 03.12.2017 um 16:26 Uhr
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