Mischmasch findet Anklang

Foto: David Borghoff

Liedermaching – damit beschäftigt sich, so ist zu lesen, eine neue Generation von Liedermachern, „die auf Humor statt auf Protest setzt, auf skurrile Texte statt auf den moralischen Zeigefinger und die ihre Kunstform gerne mit dem denglischen Wort 'Liedermaching' bezeichnet“. Aha, ja dann … ist damit wohl auch die Vorstellung des Trios „Schnaps im Silbersee“ am Wochenende in Kunst & Bühne hinlänglich beschrieben. Ihrer Ankündigung war, in puncto Selbstverständnis, außerdem zu entnehmen, man biete „nicht weniger als gut geplante, allgemeine Welterrettung von drei Geschichtenerzählern, Sängern, Quatschmachern, Musikern, Träumern, Fragenstellern, Biertrinkern, Melancholikern, Rockern, Romantikern, begeisterten Begeisterern und natürlich Gutaussehern“.

Tatsächlich ließe sich bei dieser Muliti-Funktionalität auf ihren Auftritt das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ sinnbildlich anwenden. Denn oft entsteht, weil zu viel gewollt, in einem Mix leider nur Matsch. Um es vorwegzunehmen: Das Publikum schien von dem Mischmasch aus Blödeleien, Wortakrobatik, verbalen Blubberblasen und bedeutungsvolleren Sätzen, die dann allerdings sinnentleert, musikalisch verpackt, aneinandergereiht wurden, ziemlich begeistert. Der Schlussapplaus der rund 30 Zuhörer klang beinahe frenetisch – auch wenn sich dieser Enthusiasmus erst mit der Zeit aufgebaut hat. "Angesteckt oder mit Humor beantwortete Ratlosigkeit?", bleibt zu fragen.

Zwischen Mortadellascheiben vom Feiglings-Hintern, den Mann mit „Ab in die Küche, die Kelle schlägt das Schwert“ feministisch-modern „an der Peniswurzel gepackt“, von Kohlenstoff und Überlegungen über Zeit, Lichtgeschwindigkeit, Paradoxon und Individuum bis zu den makaberen Einblicken in den Gerichtsmedizinerberuf wurde lustig aufgespielt und spiellustig, aber ziemlich sinnentleert zusammengereimt.

Allein dabei blieb es nicht: Zwischen Nonsens versteckt, fand sich durchaus Ernsteres, Nachdenkenswertes, wie „Ethik ist nur Angst vor Gewalt“, das Gefühl von und die Sehnsucht nach Freiheit und die Suche nach sich selbst. Denn die selbsternannten „Wortjongleure und Klangdompteure“ schöpften eben nicht nur „aus einem Musiversum, gefüllt mit tiefem Blödsinn“, sondern förderten daraus auch „entblößenden Tiefsinn“ zu Tage.

Aha, ein Restanspruch ernsthafter „Gesellschaftspolitischer Kritik“ sollte es dann doch sein – eben verwebt in diese humoristische Wort-Gesang-Verpackung, der Anspruch eines Liedermachers. Zu finden war der Ansatz sehr wohl – allein, wie glaubhaft konnte er sein, zwischen der Kritik an Niveau- und Positions-Verlust einer Nina Hagen, dem Bemühen von Klischees à la Bohlen und dem Zurückgreifen auf eine Prise „Sex sells“, ein bisschen sexistischem „Hühnchen“-Charme und schon grenzwertigen Zugaben von typisierten polnischen und russischen Verhaltensmustern?

Bleibt zu sagen: Der Ansatz ist gut, etwas mehr Struktur und Position wäre wünschenswert, denn drei Ringelshirts, zwei Mann an der Gitarre und eine Frau an der Fidel in zweiter Reihe machen noch keine gute Clownerie aus – sonst reicht‘s statt zum Liedermachen nur zum Liedermatschen.

Doris Hennies Autor: Doris Hennies, am 03.12.2017 um 22:09 Uhr
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