SV Dicle Celle kämpft um Vertrauen und Mitglieder

Foto: Alex Sorokin

Celal Carut war geschockt. „Ungefähr 40“ lautete die Antwort auf seine Frage, wie viele Mitglieder denn der Klub, für den er als Vorsitzender Verantwortung übernehmen sollte, noch habe. Der Vorstand des SV Dicle hatte den 39-Jährigen vor ungefähr sechs Wochen als neuen Boss auserkoren und Gespräche geführt. „Da ist mir zunächst die Kinnlade runtergefallen. Als ich zwischen 2001 und 2004 Spieler bei Dicle unter Uli Busse war, hatten wir 600 Mitglieder. Knapp 40 sind natürlich sehr wenig“, erklärt Carut.

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CELLE. Der gelernte Bürokaufmann, der im Allgemeinen Krankenhaus im Bereich Wareneingang und -ausgang arbeitet, hat sich letztlich trotzdem bereiterklärt, den Vorsitz beim 1984 gegründeten kurdischen Fußball-Klub zu übernehmen. Seit der Jahreshauptversammlung am vergangenen Sonntag ist Carut in Amt und Würden. Auf ihn wartet eine Menge Arbeit. Der Verein besteht gerade einmal noch aus zwei Herrenteams. Die erste Mannschaft, früher einmal Landesligist, ist Tabellenletzter in der Kreisliga, die Reserve kickt in der 3. Kreisklasse. Einen Nachwuchsbereich gibt es aktuell nicht.

Zwar sind der Verlust der sportlichen Heimat Herrenwiese und der Umzug nach Altenhagen, den der Sportentwicklungsplan für Celle ursprünglich vorsah, zunächst einmal vom Tisch. Aber: Ab dem kommenden Sommer steht nur noch ein Fußballplatz zur Verfügung, da ein Teil der Herrenwiese touristisch genutzt werden wird und dort Stellplätze für Wohnmobile entstehen. Die verbliebene Spielfläche muss sich Dicle mit anderen Klubs teilen, auch wenn seinem Amtsvorgänger Emin Ekinci laut eigener Aussage etwas anderes versprochen wurde. „Ich setze da auf den Dialog mit der Stadt Celle und hoffe auf konstruktive Gespräche mit Oberbürgermeister Jörg Nigge“, sagt Carut, der sich bei dieser Thematik zunächst erst einmal bedeckt halten möchte.

Oberste Priorität hat aber die Zurückgewinnung von verlorengegangenem Vertrauen – und von Mitgliedern. „Hier müssen wir den Hebel ansetzen. Unseren schlechten Ruf haben wir selbst zu verantworten. Wir müssen uns wieder für alle öffnen – nicht nur für die kurdische Bevölkerung, sondern auch für die deutsche. Wir sind kein rein kurdischer Verein, sondern ein Celler. Bei uns ist jeder willkommen. Genau dies müssen wir auch nach außen vermitteln“, meint Carut.

Der bald dreifache Familienvater setzt dabei auf Teamwork, Transparenz und Kommunikation. „Wir wollen auch mit den anderen Celler Vereinen kooperieren und Vertrauen auf allen Ebenen zurückgewinnen. Vor allem natürlich auch bei den Schiedsrichtern“, erläutert Carut. In den vergangenen Jahren war die Last der Vereinsarbeit auf (zu) wenige Schultern verteilt, sodass viele Bereiche wie zum Beispiel Sponsoring und Mitgliedergewinnung vernachlässigt wurden.

Carut, früher unter anderem Trainer bei Dicle, FC Firat Bergen und SC Wietzenbruch, hat dafür eine eigene Mannschaft aufgestellt. Sein Stellvertreter ist Aslan Essiz. Die sportlichen Geschicke leiten ab sofort Peter Dohlich und Davut Ekinci, um die Finanzen kümmert sich Ferhat Agal. Für den Bereich Sponsoring sind Celal Toku und Cihan Güden zuständig, Schriftwart ist Hayri Özden. Zwei weitere Funktionäre will Carut noch mit ins Boot holen.

Zunächst will der neue Dicle-Boss „jeden Stein umdrehen, um mir ein genaues Bild zu verschaffen“, und dem Klub eine neue Struktur geben. Unter anderem stehen Gespräche mit Oliver Bornemann, dem Trainer der Kreisliga-Truppe, an. Selbstverständlich soll es langfristig auch wieder Jugendteams beim SV Dicle geben. „Aber erst einmal gehen wir Schritt für Schritt vor. Nach zwei Jahren dürfen uns unsere Mitglieder dann gerne an dem messen, was wir geleistet haben“, so Carut. Und das sollen dann auf jeden Fall weit mehr als 40 sein.

Oliver Schreiber Autor: Oliver Schreiber, am 05.12.2017 um 19:19 Uhr
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