Aalfangverbot: Celler Fischer kritisieren EU-Pläne

Ein Fischer lebe von der Hoffnung, sagt Hans-Friedrich Nölke. Der Berufsfischer blickt in der kommenden Woche gespannt nach Brüssel. Am 11. und 12. Dezember berät der EU-Ministerrat über Vorschläge, die ein komplettes Aalfangverbot für das Binnenland vorsehen. Der Besatz von Aalen soll zudem nur noch gefördert werden, wenn vorher ein komplettes Fangverbot am betreffenden Gewässer verhängt wurde. Zur "Wiederauffüllung der Bestände" soll die Sterblichkeit durch Angler, Berufsfischer und Wasserkraftanlagen um 50 Prozent reduziert werden.

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CELLE. "Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt", sagt Nölke. Seit mehr als 200 Jahren fischt seine Familie nun schon Aale aus der Aller. Dieser Fisch sei besonders schmackhaft und daher bei den Kunden beliebt. Ein Angelverbot für Aale würde aber nicht nur die Berufsfischer wie Nölke treffen, sondern ist aus Sicht der Celler Angler auch der falsche Weg.

"Kein Angler hat jemals zur Ausrottung einer Fischart beigetragen", betont Norbert Rode, Vorsitzender der Pachtgemeinschaft Aller. Schuld am Rückgang des Aals seien Faktoren wie Wasserkraft und Wehranlagen sowie Kormorane und der illegale Handel mit Asien. "Der Fischereiverein Früh Auf Celle besetzt seit Jahrzehnten – auch ohne Förderung – aus Mitgliedsbeiträgen kleine Aale, um den Bestand zu erhalten", sagt Rode. Ohne diesen Besatz gäbe es schon seit langem keine Aale mehr in den hiesigen Gewässern. "Allein in diesem Jahr haben wir für 20.000 Euro 85.000 Jungaale besetzt, wobei 50 Prozent der Mittel von der EU kamen", so Rode.

Der Fischereiverein Früh Auf Celle habe mit einem eigenen Aalmanagement-Plan seit Jahren dafür gesorgt, dass der Aalbestand nachweisbar wieder ansteige. "Sollte es keine Förderung seitens der EU mehr geben, werden wir trotzdem weiterhin an unserem Einsatz für den Aal festhalten und ihn dann vermehrt aus eigenen Mitteln besetzen", sagt Rode.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 07.12.2017 um 16:44 Uhr
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Der Aal – eine hoch bedrohte Fischart

 Um mehr als 95 Prozent ist die Zahl der Jungaale seit den 1980er Jahren zurückgegangen, die als Larve mit dem Golfstrom von der Ostküste Amerikas bis an die europäischen Küsten gedriftet werden. Ihre Eltern waren in Niedersachsens Seen und Flüssen herangewachsen, bevor sie ihre mehrere Tausend Kilometer lange Wanderung durch den Atlantik bis ins Laichgebiet der Sargassosee antreten konnten.  Weniger Jungaale bedeuten auch weniger Elterntiere. Nur etwa die Hälfte derer, die geschlechtsreif werden und ihre Wanderung beginnen, schaffen es überhaupt bis an unsere Küsten. „Etwa ein Fünftel der abwandernden Elterntiere fällt den Rechen und Turbinen von Wasserkraftanlagen zum Opfer. Genauso viele erbeuten Berufsfischer, Angler und Kormorane“, sagt Thomas Klefoth, Fischereibiologe beim Anglerverband Niedersachsen. Das seien gravierende, aber nicht die einzigen Ursachen für den massiven Bestandseinbruch beim Aal.  Mehr als 100 Millionen Jungaale werden pro Jahr aus der EU nach Asien geschmuggelt. Das ist jeder zweite. Die Dunkelziffer sei immens, glauben Experten. Und das trotz eines 2009 seitens der EU verhängten Exportverbotes. Kein Wunder: Kunden in Asien zahlen bis zu 1500 Euro pro Kilogramm für die „Glasaale“. Damit sind sie mittlerweile teurer als Elfenbein und lukrativer als Kokain. 2016 gelang es Europol und der spanischen Polizei einen Schmugglerring auffliegen zu lassen. Der allein soll mindestens 7 Tonnen Glasaale im Jahr nach Asien geschmuggelt haben. Schwarzmarktwert: 10 Millionen Euro. Die Besatzmaßnahmen der Angler im Rahmen der EU-Managementpläne für den Aal zeigen langsam Wirkung. „Experten erwarten bis 2020 erstmals einen messbaren Anstieg laichfähiger Aale“, resümiert Ralf Gerken, der den Aalbesatz für den Anglerverband Niedersachsen organisiert. Über 1,3 Millionen Aale besetzten der Verband und seine Vereine im Jahr 2017. (Quelle: Anglerverband Niedersachsen)

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